Stand: 09.07.2015 09:41 Uhr

Golz als Manager? "Meine Reise geht weiter"

von Florian Neuhauss, NDR.de

Auf der Homepage von Richard Golz ist noch alles beim Alten. "Seit 2013: 1. Torwarttrainer Hertha BSC" steht da geschrieben. Dabei haben sich beide Parteien Ende Juni "auf eine einvernehmliche Auflösung des usprünglich noch bis 2016 laufenden Vertrages" geeinigt. Hertha-Coach Pal Dardai wollte einen neuen Assistenten und hat diesen in seinem ungarischen Landsmann Zsolt Petry schnell gefunden. Und Golz? "Ich finde den Zeitpunkt gut, jetzt etwas Neues zu machen", sagt der 47-Jährige NDR.de. Der Ex-Profi-Torwart, der sein Bundesligadebüt beim HSV feierte und insgesamt 273 Mal den Kasten des Traditionsclubs in der Ersten Liga hütete, plant gerade seine berufliche Zukunft "auf einer anderen Ebene" und von Hamburg aus. Nach dem Aus bei Hertha ist der zweifache Familienvater wieder in die Hansestadt gezogen. Bereits vor zwei Jahren hat er seinen Master im Sport- und Eventmanagement gemacht. "Jetzt möchte ich gern in dem Bereich im Fußball arbeiten."

Richard Golz: Aus dem Tor an den Schreibtisch

Kapitel Hertha geräuschlos geschlossen

Der Abgang in Berlin habe sich seit Mitte Juni abgezeichnet, über die Umstände sprechen will Golz aber nicht: "Das Kapitel ist für mich abgeschlossen. Ich schaue nur nach vorne." Alles andere würde auch nicht zu seinem Charakter passen. Die Zeit beim Hamburger SV und beim SC Freiburg, als sich der Stammkeeper zum Schluss auf der Ersatzbank wiedergefunden hatte, ging genauso geräuschlos zu Ende. Der 1,99-Meter-Mann übte sich stets im Weitblick. An der Elbe studierte der Jungprofi einst BWL, in Freiburg schloss er nebenbei ein Sportmanagement-Studium ab und absolvierte die Trainerlehrgänge zur B- und A-Lizenz. Auch wenn er nun zusätzlich noch den Master in der Tasche hat, "sollte man nie der Meinung sein, ausgelernt zu haben".

"Ich höre mich schon länger in der Branche um"

Wahrscheinlich ist es deshalb, dass der Manager-Novize nun bei einigen Clubs im In- und Ausland hospitiert. "Ich kann mir gut vorstellen, als hauptverantwortlicher Manager im Profifußball zu arbeiten", betont Golz. "Aber es kann auch in eine andere Richtung gehen." Möglich seien auch Verbandsarbeit, ein Job in einem der vielen Nachwuchsleistungszentren oder in der Vermarktung. Beim HSV und bei Hannover 96 arbeitete er bereits als Junioren-Torwarttrainer, in Freiburg in der Marketingabteilung. Momentan zapft er sein Netzwerk an: "Ich habe in den letzten 30 Jahren so viele Menschen kennengelernt. Ich bin nicht erst jetzt in Gesprächen, sondern höre mich schon länger in der Branche um. Nun plane ich gerade."

Masterarbeit über Amateurclub Altona 93

Mit großem Interesse hat Golz die jüngsten Entwicklungen bei Altona 93 verfolgt. Die mögliche Zukunft des Hamburger Amateurclubs war Thema seiner Masterarbeit. "Die habe ich vor einiger Zeit auch beim Verein präsentiert. Der hat sich für eine andere Lösung entschieden und das Stadion verkauft." Auf dem Gelände der Adolf-Jäger-Kampfbahn sollen nun Wohnhäuser gebaut werden. "Als Außenstehender hatte ich aber auch nicht Einblick in alle Details", erklärt der Akademiker und fügt hinzu: "Ich werde den Weg des Clubs weiter verfolgen."

"Der Kontakt zum HSV ist nie abgerissen"

Das kann Golz nach seiner Rückkehr nach Hamburg vorerst aus nächster Nähe. Was läge also näher, als in die nächsten Karriere-Schritte auch den HSV einzubeziehen? "Der Kontakt ist nie abgerissen. Mein Sohn Jakob spielt beim HSV und ich war zuletzt auch beim Relegationsspiel gegen Karlsruhe im Stadion", berichtet der 47-Jährige, fügt aber sofort hinzu: "Ich bin nicht der Typ, der sich öffentlich anbiedert. Ich schaue, was sich ergibt und bin natürlich nicht auf meine Vereine beschränkt. Meine Reise geht weiter!" Wenn es soweit ist, wird Golz, der seine Homepage selbst bearbeitet, seinem Lebenslauf sicher schnell einen weiteren Punkt hinzufügen.

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