Stand: 21.10.2017 09:00 Uhr

NFV: Rothmund und sein zweifelhaftes Erbe

von Han Park und Hendrik Maaßen

Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) trifft sich am Sonnabend in Barsinghausen bei Hannover und verabschiedet seinen langjährigen Präsidenten Karl Rothmund. Nach fast drei Jahrzehnten im NFV und zwölf Jahren an der Spitze übergibt der 74-Jährige das Präsidialamt an seinen Wunschnachfolger Günter Distelrath. Doch seit Jahren beklagen sich einige Mitglieder. Der Vorwurf: Der Verband bevorzuge den Lieblingsverein des Präsidenten. Ein Interessenkonflikt, den Rothmund geduldet hat?

Es ist noch einmal ein richtig großer Auftritt: Zur Verabschiedung von Karl Rothmund kommen der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und DFB-Präsident Reinhard Grindel. Doch nicht alle im Verband schätzen ihren scheidenden Präsidenten. "Weil er explizit seinen Heimatverein gefördert hat. Und das geht nicht. Wenn ich Präsident wäre, müsste ich für alle da sein und das war er nicht. Er war hauptsächlich für sich und seinen Ex-Verein da", sagt Andree Ullmann, Präsident 1. FC Wunstorf. Er ist einer von vier Vereinsvertretern, die seit Jahren eine systematische Bevorteilung des ehemaligen Vereins des Präsidenten anprangern: des 1. FC Germania Egestorf/Langreder.

Karl Rothmund © dpa Fotograf: Peter Steffen

Rothmunds zweifelhaftes Erbe

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Der Niedersächsische Fußballverband hat seinen Präsidenten feierlich verabschiedet. Doch hat Karl Rothmund während seiner Amtszeit einen Verein bevorzugt?

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Der Verein schreibt seit 2001 eine beispiellose Erfolgsgeschichte, die im vergangenen Jahr mit dem Aufstieg in die Regionalliga und der Teilnahme an der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Kritiker beklagen aber auch die auffällig häufigen Doppelfunktionen: Viele aktuelle und ehemalige Spieler von Germania sind auch im Verband beschäftigt.

Scholz: "Da reden wir nicht mehr von einem e.V"

"Ein Beispiel ist die Personalunion der Mitarbeiter des NFV und der Spieler und Funktionäre des 1. FC Germania Egestorf/Langreder, auch beginnend in diesen Jahren. Wenn man sich das von der Spitze anguckt: Bastian Hellberg, Geschäftsführer und Direktor des NFV, ehemaliger Spieler von Germania. Bernd Dierßen, ehemaliger Spieler von Germania, Jan Baßler, stellvertretender Direktor und aktueller Spieler von Germania. Die Liste ist so lang, dass es die Sendezeit sprengen würde. Und es besteht der Verdacht, dass der Wechsel zu Germania mit einem Posten beim NFV versüßt wurde", sagt Rechtsanwalt Jürgen Scholz, der die vier Vereine aus der Region Hannover in der Sache vertritt. Insbesondere die Doppelrolle von Jan Baßler sei problematisch: Er leitet Rothmunds Präsidialbüro im Verband, führt aber auch für Germania Transfer-Verhandlungen. Scholz: "Herr Baßler hat den Überblick über alle Verträge. Wenn jemand, der Transfers macht oder begleitet, alle Verträge kennt, dann hat er sicherlich einen Wissensvorsprung gegenüber allen anderen."

Karl Rothmund, Präsident des Niedersächsichen Fußballverbandes © picture-alliance Fotograf: Peter Steffen

NFV-Präsident Karl Rothmund in der Kritik

Vertreter mehrerer Fußballvereine aus Niedersachsen werfen dem scheidenden Präsidenten des Niedersächsischen Fußballverbandes Karl Rothmund vor, er habe seinen Lieblingsverein bevorzugt.

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Unterlagen, die dem NDR Sport vorliegen, belegen, dass Baßler in mindestens einem Fall 2015 in einer augenscheinlich rechtswidrigen Doppelfunktion tätig war. Für einen Spielertransfer nahm er 1.000 Euro in bar an. Fragwürdig ist auch das Sponsoring der Germania durch das verbandseigene Hotel in Barsinghausen. Bei keinem anderen Fußballverein tritt das NFV-Hotel als Sponsor auf. "Man darf nicht vergessen, dass der NFV sich zu einem ganz großen Teil aus Geldern der Mitglieder finanziert, nämlich der Vereine. Die Verein zahlen, der NFV kauft sich ein Hotel. Das wiederum ist gewinnorientiert. Da reden wir nicht mehr von einem e.V.", so Scholz.

Kritiker wollen "nicht lockerlassen"

Weder der Niedersächsische Fußballverband, noch der 1. FC Germania Egestorf/Langreder wollten auf NDR Anfrage Stellung beziehen. Der Verein fühle sich vielmehr durch Schmähungen selbst benachteiligt. Den Kritikern bleibt nur der Verbandstag, um ihren Unmut zu äußern. Die bisherigen Rechtswege waren nicht erfolgreich. Andree Ullmann, Vorsitzender vom 1. FC Wunstorf, gibt den Kampf gegen das Erbe von NFV-Präsident Karl Rothmund dennoch nicht verloren: "Wir werden nicht lockerlassen, irgendwas finden wir. Irgendwann kommt einer und sagt was."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 22.10.2017 | 23:00 Uhr

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