Stand: 18.10.2015 14:00 Uhr

Max Kruse: "Nicht normal" ist erst der Anfang

Bild vergrößern
Max Kruse (M.) glänzte als Torjäger - erst in der Nationalelf, dann gegen Hoffenheim.

Entscheidend war für Max Kruse gar nicht auf dem Platz. Entscheidend war sein Gespräch mit Dieter Hecking. Der Trainer des VfL Wolfsburg hatte seinen Stürmer am Freitag zu sich ins Büro gerufen und mit ihm besprochen, dass er sich bei den VfL-Angriffen künftig doch sieben, acht Meter weiter nach vorn schieben solle. Der Plan ging auf. Nachdem Kruse die deutsche Nationalmannschaft mit dem 2:1-Siegtor gegen Georgien zur Europameisterschaft geschossen hatte, platzte nur sechs Tage später für ihn auch in Wolfsburg der Knoten. Mit dem ersten Dreierpack seiner Karriere in einem Pflichtspiel führte Kruse die "Wölfe" zum 4:2-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim. "Da ich noch nie drei Tore geschossen habe, ist das für mich nicht normal", sagte der gebürtige Reinbeker und zog im Interview mit NDR 2 Zwischenbilanz nach seiner Traumwoche: "Das waren zwei sehr schöne Momente in der letzten Woche. Das ist aber nur ein Anfang." Gelegenheit zum Nachlegen gibt es schon am Mittwoch im Champions-League-Spiel gegen PSV Eindhoven (20.45 Uhr im Audio-Livestream und im Live-Ticker bei NDR.de).

Die teuersten Transfers des VfL Wolfsburg

Auch Draxler und Schürrle kommen in Form

Kruse, früher auch für Werder Bremen und den FC St. Pauli am Ball, war im Sommer für zwölf Millionen Euro von Mönchengladbach an den Mittellandkanal gewechselt. In seinen ersten acht Bundesliga-Spielen im VfL-Trikot ging er leer aus. "Die Leistungen in den letzten Wochen waren aber nicht schlecht, und man kann nicht sagen, dass ich nicht mein Bestes gegeben habe", sagte Kruse. Dass er gegen Hoffenheim vor dem Tor so explodierte, mag einerseits daran gelegen haben, dass er quasi als zweiter Stürmer neben Bas Dost auftrat. Entscheidend war aber sicher auch, dass seine noch teureren - und deshalb noch immer argwöhnisch beäugten - Mitspieler immer besser in Schwung kommen. Der starke Julian Draxler setzte Kruse schon nach 43 Sekunden in Szene und legte auch das 2:0 für Bas Dost auf. Der später eingewechselte André Schürrle deutete mit seinem Flügelsprint und der präzisen Flanke auf Kruse vor dem 4:2 endlich wieder verloren geglaubte Qualitäten an.

Hecking denkt auch an VW-Arbeiter

Letztendlich aber war Kruse entscheidend dafür, dass Wolfsburg nach vier sieglosen Pflichtspielen sein Punktekonto auf 15 aufstocken konnte und in der Tabelle als Vierter wieder Anschluss an die direkten Champions-League-Plätze gefunden hat. Hecking hat trotz des langen Wartens auf den Durchbruch nie an seinem Neuerwerb gezweifelt: "Er hatte bisher noch gar keine Zeit, hier richtig anzukommen. Die Erwartungshaltung war sehr hoch. Ich bin sehr froh, dass Max jetzt getroffen hat, das wird ihm viel Auftrieb geben", sagte der VfL-Trainer. Er verlor in der Stunde des Erfolgs aber auch jene nicht aus den Augen, die beim Mutterkonzern VW das Geld erarbeitet haben, mit dem die Fußballer bisher wirtschaften durften, und die angesichts des Abgas-Skandals um ihre Arbeitsplätze bangen: "Wenn wir den Werksarbeitern heute ein kleines Zeichen geben konnten, Entspannung bieten konnten, ein bisschen Unterhaltung bieten konnten, dann haben sie eine gute Ablenkung gehabt", sagte Hecking. Zu solcherlei Entertainment will Kruse auch künftig beitragen, denn sein Dreiperpack, das betonte er nochmals, soll ja erst der Anfang gewesen sein: "Wenn ich damit schon zufrieden wäre, wäre ich hier an der falschen Stelle."

Wolfsburg tankt Selbstvertrauen gegen TSG

Der VfL Wolfsburg ist mit einem verdienten Sieg in die Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga zurückgekehrt: Die Niedersachsen schlugen 1899 Hoffenheim am Sonnabend mit 4:2. mehr

VfL stoppt Planungen für Nachwuchsleistungszentrum

Die VW-Krise zeigt beim VfL Wolfsburg erste Auswirkungen: Der Fußball-Bundesligist hat die Planungen für den Neubau der Nachwuchsakademie vorerst auf Eis gelegt. mehr