Stand: 05.12.2017 13:58 Uhr

Hansa Rostock: Aufstiegskandidat wider Willen

von Florian Neuhauss, NDR.de
Hansa-Coach Pavel Dotchev hat schon zwei Zweitliga-Aufstiege in seiner Vita stehen.

Trainer sind Lehrer, Übungsleiter, Antreiber, Psychologen - und ja, manchmal sogar Philosophen. "Derjenige, der wenig erwartet, bekommt viel", sagt Pavel Dotchev. Der Chefcoach von Drittligist Hansa Rostock wird nicht erst seit dem jüngsten 2:0-Erfolg beim heimstarken Halleschen FC nach den Aufstiegschancen seines Teams gefragt. Und der 52-Jährige ist darum bemüht, dass die berühmte Kirche im Dorf bleibt. "Ein Aufstieg ist für mich erst in der nächsten Saison realistisch. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht die Spitzenmannschaft, die wir uns alle wünschen zu sein. Wir wollen uns nicht überschätzen."

Aufstieg ist mannschaftsintern durchaus ein Thema

Die aktuellen Zahlen sprechen allerdings eine andere Sprache. Die Mecklenburger holten zuletzt 15 von 18 möglichen Punkten, kletterten bis auf Rang fünf und haben nur noch fünf Zähler Rückstand auf den Relegationsrang. Nur so nebenbei: Beim aktuell Drittplatzierten SV Wehen Wiesbaden siegten die Rostocker Mitte November mit 1:0.

"Zurzeit ist das Spielglück ein bisschen auf unserer Seite", meint Stefan Wannenwetsch. "Es gelingt uns vieles, und wir versuchen, den Schwung jetzt mitzunehmen." Soufian Benyamina, in Halle Torschütze des 2:0, betont: "Wir wissen, dass wir auf dem Boden bleiben müssen." Marcel Hilßner hat allerdings jüngst berichtet, dass der Aufstieg im Team durchaus ein Thema sei. Dotchev ficht das nicht an, mahnt aber Realismus an: "Jeder Trainer freut sich, wenn er ambitionierte Spieler hat. Mittelmaß wollen wir nicht haben. Aber ich weiß, dass wir noch nicht so weit sind."

Dotchev hat einen Drei-Stufen-Plan

Der gebürtige Bulgare hat einen Drei-Stufen-Plan mit an die Ostsee gebracht. Am Anfang stand der Umbruch. Aktuell gehe es darum, dass sich das Team verbessert und sich Automatismen einstellen. Phase drei soll im kommenden Sommer folgen, wenn Dotchev zusammen mit dem neuen Sportdirektor Markus Thiele, der am 15. Dezember seinen Dienst antritt, den Kader "punktuell verstärkt". Im Wintertransferfenster will Dotchev lediglich gucken, "was der Markt uns anbietet", um den am Knie verletzten Marcel Ziemer zu ersetzen.

Und manchmal muss ein Trainer "langweilig" sein

Dotchev hat bereits zwei Zweitliga-Aufstiege in seiner Vita stehen: 2005 mit dem SC Paderborn, elf Jahre später mit Erzgebirge Aue. Und Parallelen zum Aufstieg mit den Sachsen, bei denen sein Umbruch schon im ersten Jahr nach oben führte, weist Dotchev gar nicht erst von der Hand: "Die Frage ist berechtigt. Aber so einfach ist Fußball nicht. Das ist ein verrücktes Spiel, man kann wenig einplanen. Mit Aue hat es geklappt, aber das heißt nicht, dass es jedes Mal klappt. Wir fangen nicht an zu träumen, um nachher böse überrascht zu sein." Wannenwetsch hofft derweil "auf sechs Punkte bis zur Winterpause", Benyamina will "ein bisschen Futter für die Rückrunde anfressen".

Dotchev hat das schon erlebt und bleibt ganz entspannt: "Die Euphorie muss man mitnehmen und wenn wir in der Tabelle irgendwann mal vorne dabei sind, werden wir nicht Nein sagen. Aber ich werde nichts erzählen, auch wenn ich deshalb vielleicht langweilig bin." Auch das muss ein Trainer wohl einfach mal sein.

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Sport kompakt | 04.12.2017 | 20:15 Uhr