Stand: 10.11.2017 09:02 Uhr

Halstenberg: Ein Laatzener bei Löw

von Ingmar Deneke, NDR.de
Freut sich über seine erste Nominierung: Marcel Halstenberg.

Der gebürtige Laatzener Marcel Halstenberg macht in diesen Tagen seine ersten Schritte bei der Fußball-Nationalmannschaft. Der 26 Jahre alte Linksverteidiger von RB Leipzig legt aktuell eine steile Karriere hin. Für das heutige Testspiel gegen England gab ihm Bundestrainer Joachim Löw eine Startelf-Garantie.

Es ist idyllisch in der Leinemasch. Spaziergänger sind unterwegs, Schafe und Pferde grasen, am Himmel kreist ein Bussard. Zwischen den Wiesen und Bäumen bahnt sich das Wasser der Leine seinen Weg. Nur einen Steinwurf vom Flussufer entfernt rollt der Ball. Hier, im ländlichen Teil der Kleinstadt Laatzen, trägt der SV Germania Grasdorf seine Heimspiele aus. Kreisliga Region Hannover, Staffel 4. Und genau hier hat Marcel Halstenberg das Fußballspielen gelernt. Mittlerweile ist der 26-Jährige bei den Großen angekommen, bei der Nationalmannschaft. Bundestrainer Joachim Löw hat den Linksverteidiger von RB Leipzig erstmals nominiert und gab dem Senkrechtstarter für das erste Testländerspiel heute in London gegen England gleich eine Startelf-Garantie - als einzigem Akteur.

Hectors Verletzung lässt die Konkurrenz hoffen

"Er ist physisch stark, auch kopfballstark", sagte Löw. Ob Halstenberg in einer Viererkette oder eher offensiver ausgerichtet auf der linken Außenbahn agieren wird, ließ der Coach noch offen. Nach der Verletzung von Jonas Hector (Syndesmoseriss) ist diese Position wieder zum großen Problemfall geworden. Zuletzt durfte dort Marvin Plattenhardt von Hertha BSC vorspielen. Und nun Halstenberg. Bei RB hat er Löw zuletzt "auch international überzeugt".

Löw auf der Mailbox

"Schon als kleiner Junge war es immer mein Traum, in der Nationalmannschaft spielen zu dürfen. Dass dieser jetzt in Erfüllung gegangen ist, macht mich schon ein bisschen stolz", freute sich Halstenberg nach seiner Nominierung und betonte, dass er "alles aufsaugen und genießen" werde. Dabei hatte ihn der Bundestrainer gar nicht sofort erreicht, der erste Anruf endete auf dem Anrufbeantworter. "Löw hatte mich um 10.30 Uhr angerufen und mir auf die Mailbox gequatscht, weil ich nicht rangegangen bin." Das Telefon brauchen die beiden in diesen Tagen nicht, um sich zu unterhalten, das geht von Angesicht zu Angesicht. Löw wird viel mit seinem Neuling sprechen und ihn genau unter die Lupe nehmen: "Wir sind von seinem Potenzial überzeugt und haben nun die Gelegenheit, ihn gegen starke Gegner zu testen", so der Weltmeister-Coach.

Hannover - Dortmund - St. Pauli

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Für den FC St. Pauli erzielte Halstenberg sechs Tore.

Auch die Scouts von Hannover 96 hatten damals Halstenbergs Potenzial erkannt und ihn 1999 aus Grasdorf abgeworben. Bei den "Roten" durchlief er sämtliche Jugendmannschaften und spielte unter anderem in der U-17- und U-19-Bundesliga. Im Juli 2011 verließ der Niedersachse erstmals seine Heimat und wechselte zur U23 von Borussia Dortmund, zwei Jahre später folgte der nächste Schritt und der Sprung in den Profibereich: Für den Hamburger Zweitligisten FC St. Pauli absolvierte Halstenberg 54 Partien.

Durchbruch bei RB Leipzig

Doch so richtig Fahrt nahm seine Karriere erst auf, als der Laatzener in der Saison 2015/2016 beim aufstrebenden Club RB Leipzig unterschrieb. Der offensivstarke Linksverteidiger wurde Stammspieler, feierte im reifen Alter von 25 Jahren sein Bundesliga-Debüt und schaffte mit den Sachsen den Sprung in die Champions League. "Ich habe immer daran geglaubt, dass ich das Zeug dazu habe, Erste Liga zu spielen. Und ich wusste, ich werde Schritt für Schritt dahin kommen", sagte der "Spätzünder", dessen besonderes Markenzeichen scharf geschossene Freistöße sind.

Von Laatzen nach London

Seine Qualitäten will der Linksfuß nun auch bei der Nationalmannschaft unter Beweis stellen und sich für die womöglich einzige "Problemposition" der DFB-Elf bewerben: "Ich werde Vollgas geben und mich anbieten, um vielleicht sogar eine Chance zu haben, bei der WM 2018 dabei zu sein", sagte der 26-Jährige der "Sport Bild". Wenn Halstenberg mit dem Adler auf der Brust das legendäre Wembleystadion in London betritt, dann wird er vielleicht auch mal kurz an diesen Fußballplatz im idyllischen Grasdorf denken - an diesen Ort, wo alles angefangen hat. Denn seine Wurzeln sind dem aufstrebenden Fußballer wichtig, und er kehrt immer wieder gerne zu ihnen zurück: Im vergangenen Jahr hat er seine Jugendliebe Franziska in Laatzen geheiratet und in seinem Steckbrief auf der RB-Webseite schreibt Halstenberg bei Lieblings-Urlaubsziel: "Die Heimat".

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