Stand: 18.04.2017 14:30 Uhr

HSV und die Angst vor dem "Ausgerechnet"-Spiel

Stürmer Sven Schipplock kehrt mit Darmstadt nach Hamburg zurück.

In ein paar Wochen wird der Fußball-Profi Sven Schipplock wohl wieder die Möbelpacker anrücken lassen. Als Destination für seine Stühle, Schränke und Tische wird der Angreifer von Darmstadt 98 den gewöhnlicherweise breitschultrigen Männern vermutlich Hamburg mitteilen. Beim dort ansässigen Bundesligisten hat der 28-Jährige noch ein bis 2018 gültiges Arbeitspaper. Der HSV hat ihn nur bis zum Saisonende zum designierten Absteiger ausgeliehen. Am Sonnabend wird Schipplock schon einmal für ein paar Stunden in seine alte und vielleicht auch künftige Heimat zurückkehren. Mit den "Lilien" steht dann für ihn die Auswärtspartie im Volksparkstadion auf dem Programm (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de).

Ausgeliehener Schipplock noch ohne 98-Tor

Während es für die abgeschlagenen Hessen lediglich noch darum geht, sich mit Anstand aus der deutschen Beletage zu verabschieden und den einen oder anderen Kontrahenten zu piesacken, steht für den Stürmer auch ein wenig seine eigene Zukunft auf dem Spiel. Denn ob die HSV-Verantwortlichen aktuell gesteigertes Interesse daran haben, "Schippo", wie er gerufen wird, ab dem Sommer wieder in ihren Kader aufzunehmen, ist fraglich. Viele Argumente dafür hat der 28-Jährige im Darmstadt-Jersey nicht sammeln können. Auf seine erste "Bude" in Liga eins für den "Gute-Laune-Absteiger" ("Bild") wartet der gläubige Profisportler, der täglich in der Bibel liest, auch nach dem 29. Spieltag noch. Bereits in der Vorsaison war er für die Hamburger ohne Torerfolg geblieben, sodass die "Welt" ihn jüngst als "glücklosesten Stürmer der Bundesliga" bezeichnete.

Irgendwann aber endet bekanntlich jede Pechsträhne. Vielleicht im Falle von Schipplock ja am Sonnabend. "Ausgerechnet" würde dann im Zusammenhang mit seinem Namen geschrieben. Und vielleicht auch, dass er den HSV in allergrößte Sorgen gestürzt hat. Denn bei einer Pleite oder einem Remis gegen das abgeschlagene Schlusslicht würde an der Sylvesterallee wieder das ganz große Zittern beginnen.

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Gisdol hebt mahnenden Zeigefinger

Im Bewusstsein um die Folgen eines möglichen Negativerlebnisses hat HSV-Trainer Markus Gisdol gleich zu Wochenbeginn schon einmal den mahnenden Zeigefinger erhoben. "Jedem muss bewusst sein, dass das keine leichte Aufgabe ist. Von der Erwartungshaltung ist das das schwerste Spiel", erklärte der 47-Jährige der "Bild". Im Hinrunden-Duell mit den "Lilien" behielten die Norddeutschen mit 2:0 die Oberhand und feierten am 13. Spieltag den ersten Saisonsieg. Schipplock saß seinerzeit nicht einmal auf der Reservebank. Ex-98-Coach Norbert Meier hatte keine Verwendung für den Stürmer, der möglicherweise nie bei den Hessen gelandet wäre, wenn Gisdol bereits seit Beginn der Serie beim HSV das Sagen gehabt hätte. Denn beide kennen und schätzen sich bereits aus gemeinsamen Zeiten im Kraichgau. "Unter ihm hatte ich bei 1899 Hoffenheim die bisher erfolgreichste Zeit meiner Bundesligakarriere. Seine Fußballphilosophie hat mir einfach zugesagt. Klar macht man sich auch mal Gedanken, was wäre wenn. Sie zu vertiefen, macht aber keinen Sinn", erklärte Schipplock dem "kicker".

Glücklos-Stürmer: "Nichts passiert ohne Grund"

Der stets loyale Angreifer, dem nie ein böses Wort über den HSV über die Lippen gerutscht ist, bereut seine Ausleihe ans Böllenfalltor trotz des nahezu perfekten Abstiegs nicht. "Es ist wie es ist und nichts passiert ohne Grund. Im Nachhinein hat sich noch jeder Schritt in meinem Leben als richtig erwiesen", sagte der 28-Jährige. Apropos Schritt. Am vergangenen Sonnabend, als die "Lilien" den Europa-League-Starter Schalke zu Hause 2:1 bezwangen, war Schipplock in der 81. Minute einen Schritt schneller als Thilo Kehrer. Gelsenkirchens Innenverteidiger wusste sich lediglich mit einem Foul zu behelfen und verhinderte so eine Großchance der Hamburger Leihgabe. Es hätte der persönliche Befreiungsschlag für "Schippo" sein können. So hält das Gerede über seine Zielsicherheit weiter an. Einige Fans spotten längst, er würde aus wenigen Metern keinen Möbelwagen treffen. Zumindest diese These kann der 28-Jährige ja aus Spaß widerlegen - wenn in ein paar Wochen bei ihm die Möbelpacker anrücken...

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