Stand: 25.05.2015 15:50 Uhr

St. Pauli feiert auf dem Kiez - Lienen im Zug

von Andreas Bellinger, NDR.de

Der Trainingsanzug war noch feucht, die Haare auch - und beides roch nach einer Bierdusche. Doch Ewald Lienen strahlte trotzdem, als er sich mit seinem Chef Oke Göttlich und Thomas Meggle in die schon nahezu vollbesetzte Darmstädter Straßenbahn drängte. Gemeinsam mit den freudetrunkenen Fans des FC St. Pauli machten sich der Präsident, der Sportchef und eben der Trainer auf, mit dem Zug und nicht dem Charterflieger zurück nach Hamburg zu fahren. Das Bad in der Menge gefiel den Pauli-Strategen so sehr, dass sie sogar die spontan einberufene Jubelfeier auf dem heimischen Kiez sausen ließen.

Weiter Zweitliga-Fußball im neuen Millerntor

"Wir hätten heute gern einen Punkt mitgenommen, den hätten wir auch verdient, aber wir haben die Klasse gehalten, und das ist alles, was im Moment zählt", sagte der für Jubelarien nicht gerade bekannte Coach. Rund 1.600 Fans hatten St. Pauli ans Böllenfalltor begleitet, wo die Gastgeber nach dem 1:0-Sieg der "Lilien" noch ausgelassener ihren zweiten Aufstieg nacheinander als Durchmarsch in die Eliteliga feierten. Im nostalgischen Stadion der Hessen werden nun Bayern, Bayer und Borussia Dortmund aufspielen. Und am Millerntor? Dem fast fertigen neuen Schmuckstück bleibt die große Pleite erspart, dass in der Arena nahe der Reeperbahn in der nächsten Saison nicht einmal mehr Zweitliga-Fußball gespielt wird.

Empfang mit Musik, Gesang und Feuerwerk

Das durfte nach der Rückkehr aus Darmstadt einen Steinwurf entfernt gefeiert werden. In der St.-Pauli-Kultkneipe "Knust" empfingen die Fans ihre Mannschaft mit Feuerwerk, Musik und nicht enden wollenden Freuden-Gesängen. "Wir sind sehr erleichtert, es nach den harten Wochen und Monaten geschafft zu haben", sagte Torwart Robin Himmelmann. Erst im Dezember war er zur Nummer eins geworden und dann zum Rückhalt der Mannschaft. Zuvor hatte es so manchen Rückschlag gegeben. Nach vier Spielen und nur vier Punkten auf der Habenseite wurde Trainer Roland Vrabec entlassen und Thomas Meggle als Nachfolger von der U23 geholt. Die Talfahrt ging weiter - mehr oder minder sogar ungebremst.

Meggle ging und wurde zum Chef befördert

Das im Dezember folgende Engagement von Lienen erwies sich schließlich nicht nur für Himmelmann als Glücksfall. Meggle übernahm den Posten des entlassenen Sportchefs Rachid Azzouzi und prompt ging es gestützt auf eine stabilere Abwehr bergauf mit den Kiezkickern. Und die Ruhe und Erfahrung des 61-jährigen Lienen strahlten auf die Mannschaft ab und ließeen die kaum noch für möglich gehaltene Rettung Realität werden. Dass am Ende sogar eine Niederlage zum Klassenverbleib reichte, weil die Konkurrenz am letzten Spieltag strauchelte, tat der Freude keinen Abbruch.

Abschied von Daube, Tschauner, Kringe und wohl auch Schachten

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Ob der vom Hamburger SV ausgeliehene Lasse Sobiech bleibt? St. Pauli schweigt noch.

In Feierlaune waren schließlich auch die Spieler, deren Uhr bei St. Pauli mit dem 0:1 in Darmstadt abgelaufen ist. Dennis Daube zum Beispiel, der künftig in Berlin spielen wird: "So konnte ich einen schönen Abschluss feiern und komme im nächsten Jahr mit Union zurück." Oder Ersatztorhüter Philipp Tschauner, der zu Hannover 96 wechselt. Oder Florian Kringe, der seine Karriere beendet und in Darmstadt mit den Fans in der Kurve zitterte. Und womöglich sogar Sebastian Schachten. Der Vertrag des Vorzeigekämpfers läuft aus und er soll gehen, wie er am Pfingstwochenende selbst andeutete. Fraglich ist, was aus Lasse Sobiech wird, der vom Hamburger SV ausgeliehen ist. Sicher ist dagegen, dass Lienen bleibt und demnächst mehr feiern will, als nur einen glücklichen Klassenverbleib.

Klasse gehalten - St. Paulis Saison in Bildern

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