Stand: 14.11.2017 16:27 Uhr

Ein Land trägt Trauer: Italiens WM-Debakel

Dass wir ab und an ohne Holland zur Fußball-WM fahren, ist ja nichts Neues mehr. Anders verhält es sich da mit Italien: Die Azzurri fehlen im kommenden Jahr in Russland zum ersten Mal seit 60 Jahren bei einer Weltmeisterschafts-Endrunde. Wie sollen wir das verarbeiten? Und wie erst die Italiener selbst?

Eine Glosse von Albrecht Breitschuh, NDR 2

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Tränen der Trauer bei Italiens Torwart Gianluigi Buffon (l.) und Teamkollege Manolo Gabbiadini - stellvertretend für ganz Italien.

Mit Gibraltar, Andorra und Liechtenstein hatte ohnehin keiner gerechnet. Und bei welchem Experten standen die Färöer Inseln, die Türkei oder Holland  auf dem Zettel? Aber eine Fußball-Weltmeisterschaft ohne Italien? Das muss man erst einmal verdauen.

Es ist wie mit einem anstrengenden, aber unterhaltsamen Party-Gast, der kurz vorher absagt. Erst ist man als Gastgeber erleichtert, aber wenn's dann losgeht, merkt man, wie langweilig die anderen sind. Und immerhin reden wir hier über den viermaligen Weltmeister! Wobei allerdings zwei Titel in Zeiten errungen wurden, als bei der deutschen Mannschaft noch Reichs-Trainer Otto Nerz und Sepp Herberger in der Coaching-Zone standen, die damals vermutlich gar nicht Coaching-Zone hieß, falls es so etwas überhaupt schon gab, denn die Trainer verließen die ihnen zugewiesenen Bänke immer nur zur Halbzeit und nach dem Schlusspfiff.

Ausgerechnet Schweden!

Sei's drum, ich jedenfalls habe noch nie eine WM ohne Italien erlebt, und wer sich überhaupt daran erinnern kann, fährt auch schon ein paar Jährchen auf dem Seniorenticket durch die Gegend. 1958 war es, um genau zu sein, selbst Italiens Torwartlegende Gianluigi Buffon war noch nicht auf der Welt, wenn ich richtig informiert bin.

Das Turnier fand in Schweden statt, und spätestens jetzt ist es Zeit für das Wort "ausgerechnet". Ausgerechnet Schweden also, mit seinen eher in sich gekehrten und wortkargen Bewohnern, Sehnsuchtsort nicht nur deutscher Studienräte, sondern all jener, die es gerne ruhig, beschaulich, fast schon ein bisschen langweilig mögen und das Gegenteil von dem suchen, was Italien so zu bieten hat.

Mehrere italienische Fußballer lassen nach einem Fußballspiel enttäuscht die Köpfe hängen. © dpa bildfunk Fotograf: Luca Bruno

Ohne Italien fahren wir zur WM

NDR Info - Auf ein Wort -

Das hat es zuletzt vor fast 60 Jahren gegeben: Die Italiener haben die Qualifikation für die Fußball-WM verpasst. Albrecht Breitschuh bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Die Welt wird nicht untergehen

Ausgerechnet dieses Schweden hindert die feurigen, stolzen und lebensfrohen Südländer jetzt schon zum zweiten Mal daran, die Fußball-Welt zu erobern. Und noch viel mehr: Das friedliebende Schweden ist, so steht es jedenfalls in fast allen Zeitungen, aus italienischer Sicht für nichts weniger als die Apokalypse verantwortlich, den Weltuntergang.

Wenn es denn wenigstens so wäre, mag so mancher Italiener seufzen. Denn die Welt ist immer noch nicht untergegangen und wird sich wahrscheinlich auch noch im Sommer 2018 drehen.

Im kommenden Sommer wird's richtig weh tun

Dann rollt in Nischni-Nowgorod, Kasan oder Rostow am Don der Ball, und Rom wird für mindestens vier Wochen nicht mehr Mittelpunkt der Welt sein, nicht mal religiöser. Erst dann tut es richtig weh! So weh, dass auch das politische Comeback von Silvio Berlusconi nur ein schwacher Trost sein dürfte.

Für den italienischen Fußball ist die Rückkehr von "Il Cavaliere" ohnehin ein verheerendes Signal. Die Squadra Azzurra braucht junge, unverbrauchte Kräfte, um an glorreiche Zeiten anzuknüpfen. Vielleicht ergibt sich ja im Sommer 2018 die Chance für einen Neuanfang, ganz unbeachtet von der internationalen Öffentlichkeit. Ein Gegner wird sich irgendwie schon finden lassen. Holland hätte Zeit.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 14.11.2017 | 18:25 Uhr

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