Stand: 21.02.2016 11:35 Uhr

Hansa-Fans provozieren und prügeln - Geisterspiel droht

Bild vergrößern
Hansa-Anhänger (r.) lieferten sich am Sonnabend handfeste Auseinandersetzungen mit Aue-Fans.

Als wäre die 0:2-Pleite gegen Aue und das Verharren auf einem Abstiegsplatz für den FC Hansa Rostock nicht schon bitter genug, droht dem finanziell klammen Drittligisten nun erneut Ärger vom Deutschen Fußball-Bund. Während der Heimpartie am Sonnabend gegen den Tabellenzweiten aus dem Erzgebirge fielen einmal mehr Hansa-Anhänger aus der Rolle. Auf der Südtribüne wurden ein gewaltverherrlichendes Banner sowie ein großes Plakat, das Polizisten beleidigte, entrollt. "Zehn Jahre Stendal - ACAB" ("all cops are bastards" - wörtlich: Alle Polizisten sind Bastarde) war darauf zu lesen. Zudem durchbrachen einige Rostocker Anhänger während der Partie den Grenzbereich zum Gäste-Fanblock und lieferten sich minutenlang handfeste Auseinandersetzungen mit Auer Zuschauern. Weder der Ordnungsdienst noch die Polizei griffen ein.

Hansa spielt auf Bewährung

Hansa spielt seit den jüngsten Verfehlungen seiner Fans, für die der Club im vergangenen November 30.000 Euro Strafe zahlen musste, auf Bewährung. Nach den Vorfällen gegen Aue dürfte dem Club ein sogenanntes "Geisterspiel" - eine Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit - im eigenen Ostseestadion blühen. Das würde für Hansa einen Einnahmeverlust von circa 300.000 Euro bedeuten. Zuletzt gab es eine Partie vor leeren Rängen am 18. Dezember 2011 gegen Dynamo Dresden in Rostock.

Kompp: "Banner verstoßen eindeutig gegen die Verhaltensregeln"

Auch die Reaktion der Vereinsoffiziellen ließ zu wünschen übrig. Denn die sagten nach dem Spiel erst einmal gar nichts zu den Vorfällen. In einer später veröffentlichten Stellungnahme ging Rostocks Vorstandsvorsitzender Markus Kompp lediglich auf die Plakate ein: "Diese Banner verstoßen eindeutig gegen die Verhaltensregeln, die der Verein und die aktive Fanszene im Zuge der Wiedereröffnung der Südtribüne im Januar 2013 gemeinsam erarbeitet und vereinbart hatten." Die Funktionsträger des Vereins hätten unmittelbar nach dem Spiel über mögliche Schritte beraten und würden in der kommenden Woche in den Dialog mit der aktiven Fanszene treten, heißt es weiter.

Hat der Club schon kapituliert?

Eine Stellungnahme, bei der viele Fragen offen bleiben: Warum machte der Verein nicht von seinem Hausrecht Gebrauch und ließ die Banner sofort entfernen? Warum unterband der Ordnungsdienst nicht den Sturm der Hansa-Anhänger auf den Gäste-Fanblock? Verschließt der Verein die Augen vor dem Problem, oder haben die Club-Offiziellen bereits kapituliert?

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/sport/fussball/Dritte-Liga-Rostock-aue,hansa7212.html