Stand: 25.09.2015 15:15 Uhr

Hansa schließt Südtribüne gegen Dresden

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Die leere Rostocker Südtribüne im Zweitligaspiel 2011 gegen den MSV Duisburg.

Die schweren Ausschreitungen beim Drittliga-Fußballspiel zwischen dem FC Hansa Rostock und dem 1. FC Magdeburg (1:1) haben Konsequenzen. Die Rostocker Vereinsführung kündigte an, dass beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden am 3. Oktober die Südtribüne im Ostseestadion geschlossen bleibt. "Die Grenze ist überschritten", sagte Hansa-Vorstandschef Michael Dahlmann. Einen Umtausch oder eine Rücknahme bereits gekaufter Tickets, die der Verein zunächst nicht vorgesehen hatte, soll es nun doch geben. "Wir können natürlich niemanden daran hindern, sich die Kosten für ein bereits erworbenes Tagesticket erstatten zu lassen. Jedem sollte aber bewusst sein, dass ein Verzicht auch ein Zeichen der Einsicht oder der Unterstützung unseres Schrittes sein kann", sagte Dahlmann am Freitag. Neu ist die Maßnahme nicht: Bereits von November 2011 bis Ende Januar 2012 sowie in der letzten Saisonpartie 2013/2014 war die Südtribüne aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Ohnehin nur 21.000 Zuschauer gegen Dresden zugelassen

Dauerkarteninhaber der Südtribüne können ihre Tickets nach Vereinsangaben gegen Karten für die Osttribüne tauschen. Dafür wird am Spieltag eine Kasse des Ostseestadions geöffnet. Bei der Begegnung der beiden ehemaligen DDR-Oberligisten handelt es sich um eine Partie der höchsten Sicherheitsstufe. Deshalb dürfen nur 21.000 statt 29.000 Karten verkauft werden. Wegen Verfehlungen seiner Anhänger ist der FC Hansa häufig zur Kasse gebeten worden. Das letzte "Geisterspiel" vor leeren Rängen gab es am 18. Dezember 2011 gegen Dresden, es verursachte ein Finanzloch in sechsstelliger Höhe.

Dahlmann: Weitere Maßnahmen für Dresden-Spiel möglich

Dahlmann, an dessen Krisenmanagement sich die Kritik mehrt, zeigte sich auch zwei Tage nach den Vorkommnissen betroffen: "Ich bin immer noch fassungslos und wütend. Neben dem Imageschaden erwarten uns nun auch ein erheblicher finanzieller Schaden sowie weitere Sanktionen durch den DFB. Wir überlegen, ob wir zusätzlich zur Schließung der Südtribüne zum Spiel gegen Dresden weitere Maßnahmen ergreifen werden." Hansa wies in der Stellungnahme vom Freitag nochmals auf die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen hin, die für die Partie gegen Magdeburg getroffen worden seien. So habe es einen geschlossenen Ticketvorverkauf, verschärfte Einlasskontrollen, den Einsatz von Sprengstoff-Spürhunden und eine deutliche Aufstockung des Sicherheitspersonals gegeben.

Angriff auf Rostocker Polizeiwache

Am Mittwoch war es vor der Begegnung und während des Spiels zwischen Hansa und Magdeburg zu Ausschreitungen gekommen. Nach Polizeiangaben attackierten nach der Partie etwa 100 vermummte Hansa-Anhänger das Polizeizentrum in der Rostocker Ulmenstraße mit Steinen und Flaschen. Dabei wurden die Fassade und Fensterscheiben beschädigt. Bereits vor dem Spiel hatten Unbekannte den Sonderzug mit etwa 950 Magdeburg-Anhängern bei Neu Lübstorf (Landkreis Nordwestmecklenburg) und Benitz (Landkreis Rostock) mit Flaschen, Farbbeuteln und Feuerlöschern attackiert. In Rostock wurde daraufhin ein Großteil der Magdeburger mit Shuttle-Bussen und Polizeieskorte zum Stadion gebracht.

Kallnik: Keinerlei Gewalt durch Magdeburger Anhänger

Auch vor und im Stadion blieb es nicht friedlich. Kurz vor dem Anpfiff setzten Sicherheitskräfte 85 Randalierer aus beiden Lagern fest. Vor der Arena kam es zu Streitereien zwischen den Fans der beiden Clubs. Eine individuell angereiste Gruppe besonders gewalttätiger Magdeburger lieferte sich Schlägereien mit Hansa-Anhängern und der Polizei. Mario Kallnik, Sport- und Finanzvorstand des FCM, teilte am Freitag mit: "Es ist keinerlei Gewalt durch Magdeburger Anhänger im Rostocker Stadion ausgegangen. Natürlich ist das Abbrennen von Pyrotechnik verboten und das Verbrennen einer gegnerischen Fahne ist hierbei deutlich zu rügen."

Spiel stand kurz vor dem Abbruch

Das Spiel selbst stand in der ersten Hälfte kurz vor dem Abbruch, als in den Fanblöcken beider Clubs bengalische Feuer, Rauchbomben und Raketen gezündet worden waren. Es wurden Ermittlungen unter anderem wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz sowie wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr aufgenommen. Insgesamt waren 1.300 Polizeibeamte am Einsatz beteiligt.

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