Stand: 27.01.2016 12:05 Uhr

Hansa will "vergessen" und wacher sein

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Rostocks Fans wurden in Köln enttäuscht: Hansa war alles andere als "super".

Das Banner war für jeden der 3.289 Zuschauer im Kölner Südstadion sichtbar. "Super Hansa" stand dort drauf. Rostocker Anhänger hatten es während des Drittliga-Spiels am vergangenen Freitag ganz oben an der Anzeigetafel angebracht. Unten auf dem Rasen tat das kickende Personal der Mecklenburger dann gegen die Fortuna anschließend alles dafür, den auf der Fahne verewigten Ausruf ad absurdum zu führen. Bereits nach 20 Minuten lagen die Hanseaten mit 0:3 in Rückstand. Und das gegen einen Kontrahenten, der - anders als die Norddeutschen - eine durchwachsene Vorbereitung inklusive vier Testspiel-Pleiten hinter sich hatte. "Super" war dementsprechend an diesem kühlen Abend aus Hansa-Sicht maximal das ordnungswidrig an der Anzeigetafel angebrachte Banner. "Das war ein Spiel zum Vergessen", brachte Kapitän Tobias Jänicke den Start des Ex-Bundesligisten in die Restrunde auf den Punkt.

Schuhen hofft auf "Hallo-Wach-Effekt"

Einem Rostocker Angestellten tat die Pleite ganz besonders weh: Marcel Schuhen. Der Schlussmann hat eine lange Kölner Vergangenheit. Von 2006 bis 2014 war der 23-Jährige für Fortunas Stadtrivalen FC aktiv. Freunde und Bekannte schauten am Freitagabend zu, wie er in seiner alten sportlichen Heimat von seinen Vorderleuten im Stich gelassen wurde. Dass Schuhen trotz der fünf Gegentreffer bester Hansa-Akteur war, sprach Bände. Dementsprechend aufgeladen war der Keeper im Anschluss im Gespräch mit NDR 1 Radio MV. "Wir haben auf Deutsch gesagt richtig einen in die Fresse gekriegt", sagte der Torwart, äußerte aber zugleich die Hoffnung, dass die Mannschaft den Ernst der Lage nun spätestens erkannt hat: "Manchmal ist es vielleicht besser, wenn man einen vor den Bug kriegt, dann aufwacht und sieht: Oh Gott, was ist jetzt hier los, dass jetzt alle wach sind und wissen, worum es geht."

Gelingt gegen Osnabrück die Rehabilitation?

Ob dies der Fall ist, wird sich bereits am Sonnabend zeigen, wenn der VfL Osnabrück zum Nordduell an der Ostsee gastiert (14 Uhr, live im NDR Fernsehen und im Livecenter bei NDR.de). Die Niedersachsen sind noch einmal ein anderes Kaliber als die Fortuna. Sie träumen vom Aufstieg und dürften gegen die nach dem 1:5-Debakel in Köln zwangsläufig verunsicherten Rostocker von Beginn an mächtig Druck machen. Gefragt sein werden also mannschaftliche Geschlossenheit und Kompaktheit. Dinge, die Hansa am Rhein vermissen ließ. "Fußball ist immer noch ein Laufspiel, ein aggressives Spiel. Ich glaube auch, gerade Hansa Rostock ist eine Mannschaft, die über die Physis kommt, die sich darüber definiert. Das sind die Grundtugenden. Von denen habe ich eigentlich gedacht, dass sie die Mannschaft intus hat. Leider war das am Freitag gegen Köln überhaupt nicht der Fall", resümierte Coach Christian Brand, der im Vorfeld der Osnabrück-Partie vermutlich mehr als Psychologe denn als Fußballlehrer gefragt sein wird.

Drei Spieler im Probetraining

Eine qualitative Aufwertung des Kaders täte den Mecklenburgern aber fraglos auch gut. Möglicherweise werden bereits gegen Osnabrück Neuzugänge im Kader stehen. Seit Wochenbeginn stellen sich in dem bei Energie Cottbus ausgemusterten Ronny Garbuschewski sowie dem früheren schwedischen U21-Nationalspieler Christer Youssef (vereinslos) zwei Offensivkräfte vor. Auch Anej Lovrecic versucht seit Mittwoch, sich für ein Engagement zu empfehlen. Der 28 Jahre alte Slowene stand zuletzt beim zyprischen Erstligisten AO Agia Napa unter Vertrag und ist derzeit vereinslos. Zudem besteht Interesse an Außenangreifer Christopher Quiring von Union Berlin. Auch eine Rückkehr von Tom Trybull, der mit ins Türkei-Trainingslager gereist war, ist weiter eine Option.

Problem in puncto Neuzugänge: das liebe Geld. "Es ist für Hansa nicht leicht, bezahlbare Spieler zu finden", erklärte Brand der "Bild". Keine Frage: Die Voraussetzungen für den Abstiegskampf sind in Rostock nicht unbedingt "super"...

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