Stand: 14.01.2016 09:50 Uhr

Die Hoffnung bei 96 heißt Thomas Schaaf

von Burkhard Tillner, NDR Hörfunk
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Gruppenbild mit Neuzugängen: 96-Coach Schaaf (o.M.) und Hotaru Yamaguchi, Adam Szalai und Iver Fossum (unten).

Ein Trainingslager in Belek bringt Abstand zum kalten Winter in Deutschland. Das ist ganz klar Vorteil Nummer eins einer solchen Arbeitsreise. Vorteil Nummer zwei sind die vorzüglichen Rasenplätze, denen auch dauerhafter Starkregen nichts anhaben kann. Diese beiden Faktoren heben grundsätzlich die Stimmung bei Fußballern, die sich im Januar massenhaft mit ihren Clubs an der türkischen Riviera tummeln. Bei Hannover 96 sorgte der Trainingstrip aber offensichtlich für mehr als das. Die Stimmung wirkte beim gesamten Tross der Niedersachsen ausgesprochen entspannt, bemerkenswert für einen Tabellenvorletzten der Bundesliga.

Stimmbanddauertest im Training

Neu auf dem Trainingsplatz ist Coach Thomas Schaaf und damit änderte sich auch die Ansprache an die Profis. Schaaf unterbricht unmittelbar bei Einheiten, um die Spieler zu korrigieren und anzuleiten. Dies geschieht häufig im Training, auch bei Testspielen werden die Stimmbänder des Trainers aufs Äußerste strapaziert. "Noch ist nicht die Zeit mich entspannt hinzusetzen und zuzusehen." Diese Erklärung von Schaaf für seine akustische Daueruntermalung des Geschehens spricht Bände. Es fehlt den Spielern aufgrund der sportlichen Situation an Selbstvertrauen und damit am Selbstverständnis, das nötig wäre, um den Fußball zu präsentieren, der dem Coach vorschwebt. Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Trainer kritisiert nicht nur lautstark, auch Lob wird von ihm in der gleichen Tonlage verteilt.

Immer noch viele Verletzte

Viel Wert legte Schaaf in Trainingseinheiten auf den Torabschluss. Am Ende diverser Koordinationsübungen stand für die Spieler immer wieder der Torschuss. Jeder, der selbst einmal in einem Verein gegen den Ball trat, weiß, wie sehr das einen Fußballer erfreut. Weniger erfreulich war die Tatsache, dass einige Akteure das Trainingslager nicht oder nur teilweise absolvieren konnten. Hiroshi Kiyotake fehlt noch nach seinem Haarriss im Fuß, bei Uffe Bech ließ ein nerviger Nerv im Rippenbereich seine Teilnahme nicht zu, Charlison Benschop konnte erst nach rund der Hälfte der Zeit ins Mannschaftstraining einsteigen. Da fehlte dann Leon Andreasen, der sich eine Sprunggelenksverletzung zugezogen hatte. Und auch Marius Wolf, Neuzugang von 1860 München, musste dann noch aussetzen. Offensivmann Allan Saint-Maximin flog zur Geburt seines ersten Kindes pünktlich zu seiner Frau nach Hannover.

"Wir brauchen Geduld"

In den Testspielen erinnerte die jeweilige 96-Mannschaft oft an das Team der Hinserie. Auch wenn jeweils nur wenige Chancen des Gegners zugelassen wurden, waren immer wieder individuelle Fehler auszumachen die zu Gegentoren führten. So war es in den Begegnungen, die gegen Hertha BSC mit 0:1 und gegen den VfB Stuttgart mit 0:2 verloren wurden. Die Hauptproblemzone von Hannover 96 ist aber in der gegnerischen Hälfte auszumachen. Viel zu selten konnte sich das Team eigene Möglichkeiten erspielen. Das muss sich ändern, hat Thomas Schaaf natürlich erkannt. "Das braucht Zeit. Zeit, die wir eigentlich nicht haben", so der Trainer, der Geduld anmahnt, "Dass es zum Schluss reicht, muss das Ziel sein".

Schaaf ist bislang der auffälligste Neue

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Adam Szalai, der aus Hoffenheim kam und sich mit guten Leistungen im 96-Dress für eine EM-Teilnahme mit der ungarischen Nationalmannschaft empfehlen will, deutete seine Klasse im Training an, darf sich wohl momentan als gesetzt im Angriff fühlen. Der Japaner Hotaro Yamaguchi glänzt mit seiner Ballbehandlung und Übersicht, ist auf gutem Weg. Der Norweger Iver Fossum muss sich wohl erst noch an die Bundesligaluft gewöhnen. Bleibt der auffälligste Neue: Trainer Schaaf ist mit seiner Erfahrung und Ausstrahlung die personifizierte Hoffnung für Hannover 96 im Kampf um den Klassenerhalt. Geschäftsführer Martin Bader glaubt, mit Schaaf genau den richtigen Mann nach Hannover geholt zu haben. Wie hat er den neuen Coach in den ersten Tagen der Zusammenarbeit wahrgenommen? "Sehr, sehr kommunikativ, innerhalb seines Trainerteams klarer Chef, aber darüber hinaus als absoluter Teamplayer", sagte Bader.

Weitere Transfers sind möglich

Bader und Schaaf geben keine Wasserstandsmeldungen ab, ob es noch weitere Neuzugänge geben wird. Klar wird der Markt sondiert. Aber - so Schaaf - wenn überhaupt noch jemand kommt, müsste der "Qualität mitbringen, die wir noch nicht haben oder etwas, was wir noch gar nicht haben". Tendenz: Hannover wird auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv. Schaaf betont: "Es gilt, mit den Spielern zu arbeiten, die momentan zur Verfügung stehen". Und mit denen gibt es wirklich noch reichlich abzuarbeiten, das haben die Tage von Belek gezeigt.

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