Stand: 20.04.2017 17:18 Uhr

Der deutsche Fußball steckt im Teufelskreis

Aus für den FC Bayern München im Viertelfinale der Fußball-Champions-League gegen Real Madrid, Aus für Borussia Dortmund gegen den AS Monaco. Die Top-Teams aus dem Weltmeisterland Deutschland scheinen international nicht oder nur schwer mithalten zu können. Welche Folgen hat das für die Zukunft des Fußballs hierzulande?

Ein Kommentar von Alexander Bleick, Sportchef NDR Hörfunk

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Die Dominanz des FC Bayern schadet nicht nur der Bundesliga, sondern auch dem "Abo-Meister" selbst, meint Alexander Bleick.

Für das frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaften aus der Champions League liegen die Gründe scheinbar auf der Hand: die Verletzungen einiger Stammspieler, ein schwacher Schiedsrichter bei den Bayern und der Anschlag auf den Mannschaftsbus der Dortmunder. So könnte man Bilanz ziehen, wenn man es sich leicht machen wollte.

Doch so einfach ist es nicht. Erstmals seit acht Jahren steht keine deutsche Mannschaft im Halbfinale der Fußball-Königsklasse. Das dokumentiert, dass die Bundesliga schwächer geworden ist. Es fehlt an Konkurrenz für den übermächtigen FC Bayern. Wenn kein Wunder geschieht, wird er spätestens in drei Wochen wieder deutscher Meister sein. Zum fünften Mal in Folge! Das hat es in der langen Geschichte des deutschen Fußballs noch nie gegeben.

Schattenseite des nationalen Erfolgs

Doch was die Münchner Fans freut und die Vereinsspitze stolz und glücklich macht hat auch eine Schattenseite: Diese Dominanz schadet nicht nur der Bundesliga, sondern auch dem "Abo-Meister" selbst. Wer in der Liga im Schongang schon mal 8:0 gegen den HSV oder 6:0 gegen Bremen oder Augsburg gewinnt, der hat es schwer, an seine Grenzen zu gehen, wenn es wirklich drauf ankommt. Das Hinspiel gegen Real Madrid ist dafür ein guter Beleg. Nur wer regelmäßig an seine Grenzen gehen muss, kann im Ernstfall auch über sich hinauswachsen.

Kein Anreiz für Höchstleistungen

Ein bisschen Schuld an der Misere tragen die Münchner selbst. Wann immer sich ein Gegner anschickte, die Bayern ernsthaft herauszufordern, kauften die ihm die besten Spieler weg. Einst Gomez aus Stuttgart, zuletzt Lewandowski, Götze und Hummels aus Dortmund. Wenn heute mit Ausnahme der Bayern in der Bundesliga jeder jeden schlagen kann, dann ist das nicht ein Zeichen der Stärke, sondern der Schwäche der Liga. Die Konkurrenz hat sich damit abgefunden, maximal um Platz zwei zu spielen. Aber das ist kein Anreiz für Höchstleistungen.

Leipzig oder Hoffenheim werden es nicht besser machen

Wenn ein Aufsteiger wie RB Leipzig mit klugem Konzept und einer talentierten, aber gänzlich unerfahrenen Mannschaft als Tabellenzweiter nahezu ungefährdet in Richtung Champions League marschiert, dann zeigt dies gleich zweierlei: zum einen, dass in Schalke, Leverkusen, Wolfsburg oder Hamburg wieder einmal schlecht gearbeitet und gewirtschaftet wird, und zum anderen, dass es auch im kommenden Jahr kaum deutsche Erfolge auf europäischer Bühne geben wird - denn weder Leipzig noch Hoffenheim scheinen dafür ernsthaft gerüstet zu sein. Und Dortmund? Der BVB hat in den vergangenen drei Jahren so viel an Qualität und Konstanz verloren, dass der Verein im Vergleich zu den Topteams in Europa nur Außenseiter ist.

England und Spanien sollten nicht als Vorbild dienen

Als Hoffnungsträger bleiben also wieder nur die Bayern. Die werden mit Blick auf die Champions League in neue Stars investieren, um den Madrider Betriebsunfall zu reparieren. Mit dem Nebeneffekt, dass sie die Liga mutmaßlich noch deutlicher dominieren und im Alltag noch weniger gefordert werden.

Ein Teufelskreis, aus dem es nur einen Ausweg gibt: Die Liga müsste Beteiligungsbeschränkungen abbauen und sich Investoren öffnen. So, wie das in England, Spanien oder Italien möglich ist. Doch wollen wir wirklich russische Oligarchen, arabische Scheichs oder chinesische Kapitalisten als Besitzer deutscher Fußballclubs? 

Dieser Preis scheint mir deutlich zu hoch. Denn die Bundesliga hat auch gewichtige Vorteile gegenüber den anderen Ligen: Die meisten Clubs wirtschaften erfolgreich, die Eintrittspreise sind akzeptabel, die Stadien voll. Dies alles zusammen ist ein hohes Gut. Da lässt es sich locker verschmerzen, wenn der Champions-League-Pokal auch in diesem Jahr wieder nach Spanien geht.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentare | 20.04.2017 | 17:08 Uhr

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