Stand: 08.06.2015 10:21 Uhr

Der Mann, den sie nur "Paule" nennen

von Florian Neuhauss, NDR.de

Stefan Beinlich war Weltklasse-Fußballer und Funktionär, hat dem Geschäft aber den Rücken gekehrt. Geblieben ist sein Spitzname, mit dem er die große Karriere machte.

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Treffen am Warnowufer: Stefan Beinlich am Rostocker Hafen.

Anfangs dachte Stefan Beinlich noch an einen schlechten Scherz. "Nimm mich nicht auf den Arm!", sagte das acht Jahre alte Fußballtalent. Aber Helmut Koch meinte es ernst. Weil es in der Junioren-Mannschaft des BFC Dynamo 1980 mehrere Stefans und Steffens gab, entschied der Trainer kurzerhand, dass Beinlich fortan nur noch "Paule" genannt werden sollte. "So hieß keiner - vor allem nicht in der DDR", erinnert sich der gebürtige Ost-Berliner im Gespräch mit NDR.de. Kochs Idee verselbstständigte sich allerdings schnell - und überstand auch Beinlichs England-Abenteuer bei Aston Villa (1991-1994). Als Paule Beinlich, der eigentlich mit ganzem Vornamen Stefan Kurt Martin heißt, machte der begnadete Linksfuß nach der Wende eine große Karriere in der Bundesliga bei Hansa Rostock, Bayer Leverkusen, Hertha BSC und dem Hamburger SV. Nur immer wiederkehrende Verletzungen zur falschen Zeit verhinderten, dass Beinlich mehr als fünf Länderspiele absolvierte.

Stefan Beinlichs Karriere in Bildern

Geschäftsführer beim 1. LAV Rostock

Beinlichs "neuer Verein"

Der 1. Leichtathletik-Verein Rostock wurde 1998 gegründet und ist aus Empor Rostock hervorgegangen. Der Verein hat vier hauptamtliche Trainer und bietet Leistungs- und Breitensport vom Kind bis zu den Senioren. Mit rund 1.300 Mitgliedern ist der 1. LAV Rostock der mitgliederstärkste Leichtathletik-Verein Mecklenburg-Vorpommerns.

Mittlerweile ist es allerdings ruhig um den Ex-Profi (288 Bundesliga-Einsätze) geworden. Beinlich wohnt in Rostock, einen Steinwurf vom Warnowufer entfernt. Seit November 2012 arbeitet der 42-Jährige als Geschäftsführer beim 1. Leichathletik-Verein Rostock (LAV). Wohlgemerkt ehrenamtlich. "Dabei ist das vom Aufwand her eigentlich keine Aufgabe fürs Ehrenamt. 20 bis 30 Stunden die Woche - so einen Bekloppten muss man erst mal finden", meint Beinlich und lacht. Als der Verein, in dem seine drei Töchter aktiv sind, einen neuen Geschäftsführer suchte, erklärte sich der Ex-Fußballer bereit, einzuspringen.

Durchbruch mit Bergmann-Borsig im DFB-Pokal

Seine Laufbahn hat Beinlich vor allem seinem linken Fuß zu verdanken, mit dem er herrliche Freistöße über die Mauer heben, aber auch tödliche Pässe in Reihe spielen konnte. Karriere machte Paule aber erst im zweiten Anlauf. Beim BFC wurde der Offensivmann Anfang 1988 aussortiert und musste ein Jahr pausieren. Offiziell wegen Herzrhythmusstörungen. Beinlich ist sich jedoch sicher, dass er wegen seiner Tante aus Hamburg aufhören musste. Als 17-Jähriger wagte Beinlich in der Betriebssportgemeinschaft von Bergmann-Borsig, wo er eine Ausbildung zum Elektriker absolvierte, sein Comeback. Und dann ging alles ganz schnell: Weil die erste Mannschaft der Pankower in die zweitklassige DDR-Liga aufrückte, durfte auch das Junioren-Team höherklassig spielen. Beinlich entwickelte sich schnell und rückte nach der Wende als "Nicht-Amateur" zu den Oberliga-Herren auf. Seine große Stunde schlug im DFB-Pokal 1991/1992 gegen Zweitligist SC Freiburg: Beim 2:1-Sieg erzielte Beinlich beide Treffer.

England-Abenteuer nicht von Erfolg gekrönt

Wenig später waren bei der Oberliga-Partie gegen Spandau unter den 200 Zuschauern dann Scouts vom Premier-League-Club Aston Villa, die Beinlich und Teamkollege Matthias Breitkreuz unter die Lupe nahmen. "Wir sind dann erste Klasse nach England geflogen, wurden im Luxus-Hotel mit Blick über Birmingham untergebracht und in den schicken Vierteln der Stadt im Rolls Royce herumgefahren", erzählt Beinlich. Auf der Insel wurden sie aber nicht glücklich. Beinlich kam in seinen drei Villa-Jahren nur auf 16 Profi-Einsätze. "Für England hat die Qualität damals noch nicht gereicht", gibt er zu, nahm aber eine Lehre fürs Leben mit: "You have to be stronger." Sein Kampfgewicht schraubte Beinlich in den folgenden Jahren von 70 auf 78 Kilogramm hoch.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 01.03.2015 | 23:35 Uhr

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