Stand: 15.04.2016 13:03 Uhr

Grindel: Als Quereinsteiger an die DFB-Spitze

Reinhard Grindel folgt beim DFB auf den zurückgetretenen Präsidenten Wolfgang Niersbach.

Er studierte Rechtswissenschaften, arbeitete lange als Journalist und sitzt seit 2002 für die CDU im Bundestag. Reinhard Grindel ist ein Mann mit vielen Gesichtern. Jetzt ist der 54 Jahre alte gebürtige Hamburger auf dem Außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt am Main zum Nachfolger des zurückgetretenen Präsidenten Wolfgang Niersbach gewählt worden.

Wenn Paul Metternich über den DFB-Präsidenten spricht, beginnen seine Augen zu glänzen. "Das ist ein Typ, der dir weiterhilft. Du kannst Reinhard Grindel zur Tag- und Nachtzeit anrufen. Wenn du Hilfe im Verein brauchst, wenn irgendetwas nicht so läuft, wie es sein müsste, dann rufen wir Grindel an - mitten in der Nacht", verriet der Marketingbeauftragte des Rotenburger SV Radio Bremen. Beim niedersächsischen Amateurclub war Grindel jahrelang Pressewart und Schatzmeister. So manchen "Klönschnack" hat der gebürtige Hamburger während der Partien des Landesliga-Teams auf der Sportanlage In der Ahe geführt, Kontakte geknüpft und vermittelt. In naher Zukunft dürften Besuche des "Karrieristen" ("Rotenburger Kreiszeitung") beim RSV wohl Seltenheitswert haben. Als Chef des größten nationalen Sportfachverbandes der Welt wird der Terminkalender des 54-Jährigen pickepackevoll sein.

Seit 2002 für die CDU im Bundestag

Dass dem zweifachen Familienvater seine neue Aufgabe über den Kopf wachsen könnte, davon ist mit Blick auf sein bewegtes Berufsleben nicht auszugehen. "Er weiß, was er will. Er weiß, wie er seinen Weg gehen muss. Man könnte vielleicht auch sagen, dass er durchaus ein Machtmensch ist. Und er weiß auch seine Ellenbogen einzusetzen", sagte "RKZ"-Sportredakteur Matthias Freese Radio Bremen. Er hat Grindel nicht nur als eifrigen Funktionär des RSV kennengelernt, sondern auch als engagierten CDU-Politiker. Als Bundestagsabgeordneter vertrat er die Menschen in den Landkreisen Rotenburg (Wümme) und Heidekreis. "Er geht auf Bürgerfragen ein, leitet das dann nach Berlin weiter und versucht dort sein Möglichstes für die Region", hat der Journalist Stefan Voigt beobachtet. "Wenn man seine Arbeit gerne macht, ist auch eine Sieben-Tage-Woche kein Problem", erzählte Grindel im NDR Interview.

Keine Scheu vor neuen Herausforderungen

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Vom Journalisten zum Politiker: Grindel hat 2002 die Seiten gewechselt.

Die Kür zum mächtigsten Fußball-Funktionär Deutschlands ist für den 54-Jährigen gleichbedeutend mit einem erneuten Einschnitt in seinem Berufsleben. Sein Bundestagsmandat wird der gebürtige Hamburger, der 1977 der CDU beitrat, niederlegen. Seinen Sitz im Sportausschuss hat er bereits abgegeben. Die Politik rückt in Kürze in den Hintergrund. Zumindest vorübergehend. Doch Veränderungen und Herausforderungen hat der in Rotenburg wohnhafte Vater zweier Söhne noch nie gescheut.

ZDF-Studioleiter in Berlin und Brüssel

Womöglich wäre aus Grindel auch ein erfolgreicher Anwalt oder Richter geworden. Er studierte in seiner Heimatstadt als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung Rechtswissenschaften, erlangte das erste Staatsexamen. Statt in eine Kanzlei zog es ihn jedoch in eine Redaktion. Grindel verdiente sich bei einem privaten Radiosender aus Schleswig-Holstein als Redakteur für Landespolitik seine ersten journalistischen Sporen. Später wechselte er als Korrespondent nach Bonn und stieg die Karriereleiter in der damaligen Hauptstadt immer weiter herauf. Beim ZDF übernahm der 54-Jährige zunächst die Leitung des Berlin-Studios, bevor er von 1999 bis 2002 in selber Funktion in Brüssel für den TV-Sender tätig war. "Brüssel war beruflich spannend. Aber so schrecklich gerne gelebt habe ich da nicht. Insofern war ich sehr froh, wieder nach Deutschland und dann eben nach Niedersachsen und Rotenburg zurückzukommen. Ich fühle mich dort sehr, sehr wohl. Das ist vom Lebensgefühl viel mehr meins als es Brüssel war", sagte Grindel dem NDR.

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ZAPP

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