Stand: 01.03.2016 21:47 Uhr

Schürrle-Festspiele: Wolfsburg deklassiert 96

von Florian Neuhauss, NDR.de
Seltenes Glück für den VfL Wolfsburg: In Hannover gelang der erst zweite Auswärtssieg.

Was wurde nicht schon alles über André Schürrle geschrieben. Eines ist gewiss: Der deutsche Nationalspieler hat am Dienstagabend sein bisher bestes Spiel im Trikot des VfL Wolfsburg auf den Rasen gezaubert. Mit drei Treffern sorgte er fast im Alleingang für den 4:0 (1:0)-Erfolg der "Wölfe" im Derby bei Hannover 96. "Das war top von der ganzen Mannschaft. Sowas tut mal gut", freute sich der Mann des Abends. Der Sieg, der am Ende auch in der Höhe verdient ausfiel, war erst der zweite des Teams von Trainer Dieter Hecking auf fremden Plätzen in dieser Saison. Großen Anteil daran hatte auch Dante. Das brasilianische Sorgenkind zeigte als Vertreter des verletzten Abwehrchefs Naldo eine sehr gute Vorstellung. Für Hannover war es über das reine Ergebnis hinaus ein ganz bitterer Abend. Nicht nur, dass der kleine Aufwärtstrend nach dem ersten Sieg unter Coach Thomas Schaaf schon wieder dahin ist. Viele 96-Fans verließen bereits lange vor dem Abpfiff die Arena.

Einige Zuschauer im Wolfsburger Fan-Block hatten vor dem Anpfiff für einen beschämenden Zwischenfall gesorgt. Bengalische Feuer wurden abgebrannt, mehrere Leuchtraketen abgeschossen - eine davon schlug unter dem Dach der Hannoveraner Reservebank ein. Zum Glück wurde dabei niemand verletzt. Auf den VfL kommt ein juristisches Nachspiel zu.

"Wölfe" triumphieren im Derby

96 stabil, aber ohne Druck

24.Spieltag, 01.03.2016 20:00 Uhr

  • Hannover 96
  • 0:4


  • VfL Wolfsburg

Tore: 0:1 Schürrle (36.) 0:2 Schürrle (59.) 0:3 Schürrle (62.) 0:4 Draxler (69.)
Hannover 96: Zieler - Sakai, Sané, C. Schulz, Sorg - Fossum, Hoffmann (46. Szalai), Yamaguchi - Kiyotake - Karaman, M. Wolf (66. Klaus)
VfL Wolfsburg: Casteels - Träsch, Knoche, Dante, Ricardo Rodriguez - Arnold, Luiz Gustavo, Guilavogui (72. Caligiuri) - Draxler (81. Schäfer) - Schürrle (87. Bruno Henrique), Kruse
Zuschauer: 34500

Weitere Daten zum Spiel

Was so ein glücklicher Sieg doch ausmachen kann. Die Hannoveraner, die Schaaf nach dem Motto "never change a winning team" ins Derby geschickt hatte, begannen die Partie mit breiter Brust. Die Gäste waren zwar bestimmend, aber auch die "Roten" ließen den Ball immer wieder gut laufen. Besonders Rechtsverteidiger Hiroki Sakai machte viel Druck nach vorn. Die erste Chance verbuchte allerdings der VfL: Nach Flanke von Christian Träsch hechtete Sturmspitze André Schürrle am Ball vorbei (8.). Der Weltmeister war einer von drei Neuen bei den "Wölfen" im Vergleich zum 0:2 gegen die Bayern. Heckings Schachzug, mit Josuha Guilavogui das zentrale Mittelfeld zu stärken und so den Druck auf die nach Naldos Verletzung neuformierte Innenverteidigung zu verringern, ging auf. Bis auf einen Schuss von Kenan Karaman (15.), den Keeper Koen Casteels sicher parierte, ließen die Wolfsburger keine ernsthaften Chancen zu.

Schürrle belohnt stärker werdende "Wölfe"...

In der Folge erzeugten die Grün-Weißen aus ihrer Überlegenheit mehr Torgefahr. Den Auftakt gab Julian Draxler, der erst Salif Sané austanzte und dann 96-Keeper Ron-Robert Zieler zur ersten Parade zwang (27.). Nach zwei Ecken von Ricardo Rodriguez und Kopfbällen von Dante hätte dann schon das 1:0 für die Gäste fallen müssen, doch einmal verlängerte Luiz Gustavo den Kopfball des Kollegen genau auf Zieler (29.), dann traf Guilavogui den Ball mit dem Fuß nicht richtig (33.). Wenig später war es dann aber so weit. Draxler behauptete den Ball erneut stark und setzte Schürrle ein. Der Angreifer schlug noch einen Haken, ging damit an Sakai vorbei und schoss. Zieler streckte sich vergeblich, vom Innenpfosten prallte der Ball zur Wolfsburger Halbzeitführung ins Tor.

... und schießt sich Frust von der Seele

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André Schürrle sahen die Hannoveraner meist nur von hinten.

Für 96 stand ab der 46. Minute in Adam Szalai ein weiterer Angreifer auf dem Platz. Der VfL ließ sich davon aber nicht beirren, sondern Ball und Gegner laufen. Heckings Mannen hatten ihrerseits Selbstvertrauen getankt - was so ein Führungstreffer ausmachen kann. Mitte der zweiten Hälfte gaben die "Wölfe" den Hausherren dann den Rest. Nachdem Max Kruse und Schürrle noch das Kunststück fertiggebracht hatten, innerhalb weniger Sekunden gleich drei Schüsse nicht im Tor unterzubringen, gab es Ecke (59.). Die Verteidigung der "Roten" bekam den Ball nicht weg, aus dem Hintergrund rauschte Schürrle heran und wuchtete denselben zum 2:0 in die Maschen. Drei Minuten später war die Partie dann entschieden: Der Klärungsversuch von 96-Kapitän Schulz landete auf Schürrles Brust. Der 25-Jährige nahm den Ball im Vollsprint mit und jagte das Leder erneut ins Netz. Die Last der vergangenen Wochen war von ihm abgefallen.

Auch Draxler darf noch mal

Nun fiel 96 auseinander. Schürrle tauchte wenig später erneut frei vor Zieler auf, hatte aber zu viel Zeit zum Nachdenken und lupfte den Ball am Tor vorbei (68.). Besser machte es nur eine Minute später Draxler. Auch der Spielmacher war allein auf den Torhüter zugelaufen, er überwand jedoch den Nationalkeeper - 4:0. An Zieler lag es wahrlich nicht, dass 96 seine schon zehnte Heimniederlage der Saison kassierte. Gegen Maximilian Arnold verhinderte er sogar noch das 0:5 (79.). In der Schlussphase ließen es die Gäste allerdings ruhiger angehen. Das Spiel endete, wie es begonnen hatte - mit einer vergebenen Chance von Kenan Karaman (88.).

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