Stand: 07.08.2017 15:29 Uhr

Filmisches Denkmal für die VfL-Fans

von Folko Damm, NDR.de

Maximilian Arnold war gerade drei Jahre alt, als dem VfL Wolfsburg 1997 der Sprung in die Fußball-Bundesliga gelang. Einer, der damals mit seinen zwei Toren im entscheidenden Spiel gegen Mainz 05 maßgeblich dazu beitrug, war Roy Präger. Beide trennen Fußballer-Generationen - aber beide eint ihre Rolle: Identifikationsfiguren zu sein für einen Verein und eine Fanszene, die im restlichen Kicker-Deutschland bekanntermaßen nicht gerade viel Anerkennung erfahren. Insofern ist es nur konsequent, dass sowohl Arnold als auch Präger Teil eines Films sind, der die 20 Wolfsburger Jahre im Oberhaus dokumentiert und der VfL-Anhängerschaft ein Denkmal setzt. "20 - DER Stress lohnt sich!" feierte jetzt im bis auf den letzten Platz besetzen Scharoun-Theater Premiere. Ab Donnerstag ist er vorerst zwei Wochen lang im Delphin-Palast zu sehen.

Relegation als dramaturgischer Höhepunkt

123 Minuten zog der Streifen Fans, aktuelle und ehemalige VfL-Profis, Vertreter von Stadt und Verein in seinen Bann. 123 Minuten? Geplant waren ursprünglich 90, "aber die sportliche Situation hat uns gezwungen, in die Verlängerung zu gehen", berichtete Regisseur Chris Krüger augenzwinkernd, wie die Relegation gegen Eintracht Braunschweig am Ende der vergangenen Saison dem Film seinen dramaturgischen Höhepunkt ins Drehbuch schrieb. Aber ohnehin mangelt es der per Crowdfunding von 764 Unterstützern finanzierten (rund 53.000 Euro) und insgesamt rund 120.000 Euro teuren Produktion nicht an emotionalen Momenten. Gleich zu Beginn vermittelt der Film visuell den besonderen "Wolfsburger Dreiklang" aus Stadt, VW-Werk und VfL, der zudem lyrisch untermalt wird und sich auch in dieser Zeile verdichtet: "Der Kommerz nach außen, die wahre Liebe im Innern." Das abgegriffene Image des "Plastik-Clubs" lässt grüßen - in Wolfsburg hat man sich davon längst emanzipiert.

"Es ist Familie"

Dann beginnt die filmische Reise durch die zwei Jahrzehnte in Deutschlands höchster Spielklasse. Die Protagonisten sind Fans wie die 57-jährige Heike Waschull, seit 18 Jahren Anhängerin der "Wölfe". Sie ist überzeugt: "Durch dieses Projekt sind wir Fans noch mal mehr zusammengewachsen." Dass der Zusammenhalt allerdings schon vorher groß war, dokumentiert der Film eindrucksvoll: bei sportlichen Höhepunkten wie der Meisterschaft 2009, dem Klassenerhaltskrimi 2006 gegen Kaiserslautern, dem DFB-Pokal-Sieg 2015 oder dem 2:0-Heimsieg im Champions-League-Viertelfinale 2016 gegen Real Madrid. Aber ebenso wie beim Trauermarsch nach dem Unfalltod von Jungprofi Junior Malanda, der Fan-Choreografie und der Schweigeminute nach dem Tod zweier Anhänger sowie den Reaktionen nach dem Tod des in Wolfsburg als "Nummer 10 der Herzen" bekannten Krzysztof Nowak. Wie sagt denn auch Calle, einer der Protagonisten? "Es ist viel mehr als diese 90 Minuten Fußball. Es ist Familie."

Gefühle zeigen statt Ball rollen lassen

Eben dies zu zeigen, das lag den Initiatoren Krüger, David Bebnowski und Lars M. Vollmering, allesamt in der Region Wolfsburg geboren und VfL-Fans seit Kindheits- und Jugendtagen, besonders am Herzen, als sie im Frühjahr 2016 mit den Planungen begannen. "Es ging nie um einen Film, in dem möglichst viel der Ball rollt, sondern um einen, der die Emotionalität rund um den Verein zeigt", sagte Vollmering. Knapp anderthalb Jahre, 40 Drehtage und 250 Stunden Drehmaterial nach Projektstart hoffen sie, "dass wir etwas geschaffen haben, woran man sich zurückerinnert", ergänzte Bebnowski. Eine Voraussetzung dafür scheint schon mal gegeben, denn: "Das Projekt sucht in Deutschland seinesgleichen. So einen Film von Fans für Fans, in dieser Größenordnung, gibt es hier nicht noch mal", erklärte Vollmering. Das Selbstbewusstsein ist da. Warum auch nicht - nach zwei Jahrzehnten erste Bundesliga.

Gänsehaut-Faktor ist gegeben

"Das ist überragende Arbeit, die da geleistet wurde", sprach VfL-Mittelfeldakteur Arnold den Machern nach der Premiere sein Lob aus. Der Film habe gezeigt, "dass die Fans einfach dazugehören, dass wir sie brauchen und sie uns." Und beeindruckt fügte der 23-Jährige hinzu: "Ich habe aufgehört, die Gänsehaut-Momente zu zählen." Solche hatte Präger sogar schon vor der Premiere: Sichtlich ergriffen begrüßte das "Wölfe"-Urgestein Regisseur Krüger auf dem grünen Teppich mit einer innigen Umarmung. Die Worte in diesem Moment? Nicht bekannt. Doch schon zuvor habe ihm das VfL-Idol, das teilweise selbst in die Produktion eingebunden war, seinen Respekt bekundet: "Er hat zu mir gesagt: 'Was habt ihr da Großartiges geschaffen!"

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 08.08.2017 | 19:30 Uhr

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