Stand: 21.03.2016 10:30 Uhr

Hannover 96: Was macht Thomas Schaaf?

Der Abstieg von Hannover 96 ist so gut wie besiegelt. Ein Gutes hat diese frustrierende Situation immerhin: Der Verein hat jetzt Planungssicherheit. Doch eine zentrale Frage ist offen: Wie geht es mit dem Trainer weiter? Noch immer ist nicht klar, ob Thomas Schaaf den Weg in die Zweite Bundesliga mitgehen wird.

Bild vergrößern
Thomas Schaaf: Bleibt er, oder bleibt er nicht?

Ein bisschen klingt es, als habe die Platte einen Sprung. "Es gibt nichts Neues zu vermelden", sagte Thomas Schaaf am Wochenende einmal mehr. Der Vertrag des 54-Jährigen bei den Niedersachsen läuft zwar bis 2017, gilt aber nur für die Erste Liga. Eine missliche Situation für den Club, der es in den vergangenen Jahren so sträflich verpasst hat, langfristig und seriös zu planen. Jetzt könnte sich das Bundesliga-Schlusslicht, das sieben Spieltage vor Saisonende zehn Punkte vom Relegationsplatz trennen, mit deutlichem zeitlichen Vorsprung auf andere Vereine für die kommende Zweitliga-Saison neu aufstellen.

Immer mehr Beobachter haben allerdings den Eindruck: 96 ist gerade dabei, selbst diesen Vorteil aufs Spiel zu setzen. "Thomas Schaaf muss sich zeitnah entscheiden. Wenn er den Kader jetzt zusammenstellen darf und dann Mitte Mai zu Martin Kind geht und sagt, 'Ich höre auf', dann ist das auch keine gute Lösung", sagte Vereinsikone Hans Siemensmeyer am Sonntagabend im NDR Sportclub.

Neun von zehn Spielen mit 96 verloren

Eine andere Frage ist allerdings längst auch: Wäre Schaaf für den Neuaufbau überhaupt der richtige Mann? Für den 54-Jährigen, unter dem 96 neun von zehn Spielen verloren hat, sprechen nach wie vor seine Erfahrung und seine Vita. Auch bei Eintracht Frankfurt wurde es nicht besser, als er den Verein im Sommer verließ. Vorzuweisen hat Schaaf in Hannover bislang aber: nichts. Seine ständigen taktischen wie personellen Rochaden haben die Mannschaft eher verunsichert als stabilisiert. Und von den auch unter seinem Einfluss verpflichteten sechs Winter-Neuzugängen half dem Verein niemand wirklich weiter.

"Man sollte mit ihm weitermachen"

Kommentar

Ein wahrscheinlicher Abstieg mit Folgen

Ein Abstieg des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 gilt als so gut wie unvermeidbar. Nicht nur für den Verein wäre das ein tiefer Einschnitt, meint Michael Augustin. mehr

"Bei vielen Spielern ist die Qualität nicht da. Die Mannschaft hat sich nach den Veränderungen im Winter noch verschlechtert. Wir haben nur Zweitliga-Spieler verpflichtet, die uns helfen sollten, aber sie helfen uns nicht", bemängelte Siemensmeyer: "Ich sehe kaum Kampf, Einsatzwillen oder Laufbereitschaft. Herr Schaaf ist auch nicht in der Lage, den Spielern diese wenigen Tugenden zu vermitteln." Dennoch glaubt der ehemalige Nationalspieler, dass Schaaf in der Zweiten Liga der richtige Mann wäre: "Wenn er das 'Ja' gibt, sollte man mit ihm weitermachen. Er wird sich von vielen Spielern trennen, vielleicht ein paar gute Zweitliga-Spieler dazu holen und ganz wichtig ist, dass der Nachwuchs von Hannover 96 wieder eine Chance bekommt. Das ist dann eine völlig neue Situation für Thomas Schaaf. Er kann seine Ideen und Qualität einbringen."

Hoffnung auf Neuanfang in Liga zwei

Die zweiwöchige Länderspielpause kommt dem Tabellenletzten nun gerade recht, um seine Zukunft zu planen. Sicher ist erst einmal nur, dass eine Trennung von Schaaf aus sportlichen Gründen zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn mehr ergibt; und dass der Trainer nicht schon vor dem Saisonende hinwerfen wird. "Ich bin noch da, und ich gehe meinen Weg weiter", sagte er. Schon in der vergangenen Woche hat Kind vom Coach eine Entscheidung bis spätestens Monatsende gefordert, um die konkreten Planungen voranzutreiben. Verantwortliche und Spieler wollen wissen, mit dem sie es in der kommenden Spielzeit zu tun bekommen. Bei 96 ist die Hoffnung auf den Liga-Verbleib geschwunden. Doch es bleibt an der Leine der Glaube, dass Schaaf, der sich die "Zweite Liga prinzipiell vorstellen" kann, in einer neuen Liga mit einer neuen Mannschaft etwas bewegen und mit 96 Erfolg haben kann. Eine zügige Entscheidung des Trainers wäre ein erster kleiner Schritt.

Die zehn schlechtesten Bundesliga-Absteiger

28 Bilder

Schaaf: In Bremen eine Ikone, bei 96 gescheitert

Thomas Schaaf hat mehrere Jahrzehnte in Bremen verbracht. Erst als Spieler, dann als Trainer. Erst 2013 verließ er Werder, um über Frankfurt wieder in Norden zu kommen - zu Hannover 96. Bildergalerie

Zappenduster im Keller - 96 verliert Abstiegsgipfel

Keine Hoffnung mehr für Hannover 96: Die Niedersachsen verloren das Abstiegs-"Endspiel" in Frankfurt mit 0:1. Der Rückstand auf den Relegationsplatz ist auf zehn Punkte angewachsen. mehr

Ergebnisse und Tabelle Fußball-Bundesliga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr