Stand: 01.11.2015 19:21 Uhr

Fußball paradox: HSV stürmt - 96 trifft und siegt

von Hanno Bode, NDR.de

45 Minuten lang spielte Hannover 96 am Sonntagabend im Nordduell der Fußball-Bundesliga beim Hamburger SV wie ein Absteiger. Glück und ein aufmerksamer Keeper Ron-Robert Zieler sorgten dafür, dass die Niedersachsen zur Pause gegen deutlich überlegene Hanseaten nur mit 0:1 in Rückstand lagen. Nach dem Seitenwechsel zeigte das Team von Coach Michael Frontzeck dann ein ganz anderes Gesicht und drehte die Begegnung zu seinen Gunsten. Die "Roten" gewannen mit 2:1 und verhinderten so ein Abrutschen auf Relegationsrang 16. "Die drei Punkte tun gut. Aber was wir in der ersten Hälfte angeboten haben, geht eigentlich nicht. Das hat mit Bundesliga nicht viel zu tun. Wir haben uns in der Pause zusamengerissen, klare Worte gefunden und die Mannschaft hat auch eine Reaktion in der zweiten Hälfte gezeigt. Das war ganz wichtig", sagte Zieler im NDR 2 Interview.

Hannover bestraft fahrlässigen "Dino"

Frühe Führung durch Gregoritsch

Man sieht sich bekanntlich immer mindestens zweimal im Leben. Im Falle von Frontzeck und Michael Gregoritsch sehr zur Freude des Hamburger Offensivmanns. Der Österreicher hatte unter dem heutigen 96-Trainer vor zwei Jahren beim FC St. Pauli gespielt. Beziehungsweise nicht gespielt. Gerade einmal drei Kurzeinsätze gönnte Frontzeck in seiner Amtszeit beim Kiezclub dem schlaksigen Fußball-Profi. Nun zeigte der 21-Jährige seinem früheren Lehrmeister, dass er doch häufiger auf ihn hätte setzen können. Einen Torriecher hat "Gregerl" jedenfalls. In der sechsten Minute wählte der Sommerneuzugang genau den richtigen Laufweg, wurde von Nicolai Müller perfekt in Szene gesetzt und musste den Ball nur noch aus wenigen Metern in das leere Gehäuse schieben. Rache ist süß. Vorausgegangen waren ein Pass von Sven Schipplock in die Tiefe und ein unwiderstehlicher Lauf des Vorlagengebers. So hübsch der Treffer für den neutralen Beobachter auch anzuschauen war, möglich war er nur, weil der Gast das Defensivverhalten einer Thekenmannschaft an den Tag legte.

Zieler bewahrt 96 vor höherem Pausenrückstand

60 Sekunden zuvor hatten die Niedersachsen noch Fortune gehabt, dass Referee Sascha Stegemann nach einem Freistoß von Lewis Holtby ein Handspiel von Artur Sobiech im Strafraum übersah. Auch beim Freistoß von Marcelo Diaz, der gegen den Pfosten prallte (27.), war den "Roten" das Glück hold. Zwischendurch hatte Zieler noch einen harten Schuss des Hamburger Rechtsverteidigers Dennis Diekmeier mit den Fingerspitzen über die Latte gelenkt (18.). Später bewahrte der Weltmeister sein Team mit einer Glanzparade gegen Müller vor dem 0:2-Rückstand (36.). Bereits zur Pause hätte das Nordduell entschieden sein können. Die sehr spiel- und lauffreudigen Hanseaten dominierten das Geschehen phasenweise deutlich, offenbarten jedoch im Abschluss bekannte Schwächen. Auf der Gegenseite gelang es 96 in den ersten 45 Minuten nicht einmal ansatzweise, HSV-Keeper René Adler auf seine Form zu überprüfen. Der Offensivauftritt der Frontzeck-Elf hatte maximal Drittliga-Niveau.

Kiyotake und Sané drehen das Spiel

11.Spieltag, 01.11.2015 17:30 Uhr

  • Hamburger SV
  • 1:2


  • Hannover 96

Tore: 1:0 Gregoritsch (6.) 1:1 Kiyotake (59., Foulelfmeter) 1:2 Sané (67.)
Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Djourou, Spahic, Ostrzolek - N. Müller, Diaz, Holtby (88. Cleber), Gregoritsch (73. Ilicevic) - Lasogga, Schipplock (81. Olic) -
Hannover 96: Zieler - Sakai, Marcelo, C. Schulz, Albornoz - Sané, Schmiedebach (46. Saint-Maximin) - Andreasen, Kiyotake (83. Felipe), Klaus (46. Bech) - Sobiech
Zuschauer: 54607

Weitere Daten zum Spiel

Hannovers Übungsleiter reagierte mit einem Doppelwechsel auf den spielerischen Offenbarungseid seiner Mannen. Für Manuel Schmiedebach und Felix Klaus schickte der Fußballlehrer den 18-jährigen Allan Saint-Maximin und den zwischenzeitlich aus disziplinarischen Gründen in die U23 verbannten Uffe Bech auf den Rasen. Eine Maßnahme, die fruchtete. Denn Letzterer brachte 96 ins Spiel zurück, als er in der 59. Minute im Strafraum an Emir Spahic vorbeizog und vom Bosnier nur noch mit einem Foul gestoppt werden konnte. Es gab Strafstoß, den Hiroshi Kiyotake sicher verwandelte. Der HSV, der kurz vor dem Ausgleich durch Schipplock die große Gelegenheit zum 2:0 vergeben hatte (58.), war sichtlich geschockt und musste bald darauf den nächsten Rückschlag hinnehmen. Diesmal hieß der Torschütze Salif Sané. Der Senegalese köpfte eine Kiyotake-Flanke in die Maschen. In dieser Szene glich das Abwehrverhalten der Hanseaten dem einer Thekenmannschaft.

Referee Stegemann übersieht Sakai-Foul

Die Hausherren waren hernach bemüht, wieder Kontrolle über das Spiel zu gewinnen. Sie kombinierten phasenweise auch ganz ansehnlich und brachten sich in gute Schusspositionen. Aber der Abschluss blieb ihr großes Manko. Hinzu kam Pech, als Referee Stegemann ein Foul von Hiroki Sakai an Müller im Strafraum übersah (85.). So stand der HSV am Ende mit leeren Händen da und 96 bejubelte einen nach dem ersten Abschnitt nicht für möglich gehaltenen Auswärtssieg. In Anbetracht des deutlichen Chancenplus' der Hanseaten waren die "Roten" ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde zu diesem gekommen. "Wenn es möglich wäre, müssten wir uns in den Arsch beißen. Aber so beweglich bin ich nicht. Ich bin tierisch genervt, dass wir dieses Spiel heute verloren haben", sagte Hamburgs Coach Bruno Labbadia.

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