Stand: 16.11.2017 12:48 Uhr

Keine Einigung: Wahl zum HSV-Aufsichtsrat erst 2018

Können HSV-Präsident Jens Meier (l.) und Investor Klaus-Michael Kühne ihren Streit um die Aufsichtsrats-Besetzung beilegen?

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Eigentlich wollten sich die Aufsichtsräte der HSV Fußball AG und Investor Klaus-Michael Kühne am Mittwoch auf eine Liste für die Neubesetzung des Kontrollgremiums einigen. Es war eine Art Friedensgipfel nach den jüngsten Verwerfungen zwischen dem Milliardär und e.V.-Präsident Jens Meier, der in seinem kolportierten Vorschlag keinen Kühne-Vertrauten vorsah. Das Kriegsbeil wurde allerdings nicht beigelegt. In einer schmalen Mitteilung gab der Club am späten Abend bekannt, dass der Vorstand und der Aufsichtsrat der HSV Fußball AG beschlossen haben, die ursprünglich für den 18. Dezember angesetzte Hauptversammlung innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist im ersten Quartal 2018 durchzuführen. Zwischen den Zeilen der geschäftlichen Erklärung stand: "Wir haben uns nicht auf die sechs Kandidaten einigen können."

Kühne contra Meier

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Kühne oder Meier - Wer hat die Macht beim HSV?

12.11.2017 22:30 Uhr
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Über die Neu-Besetzung des Aufsichtsrats bei der HSV Fußball AG ist ein Machtkampf entbrannt. Wer setzt sich durch - Investor Klaus-Michael Kühne oder Vereins-Präsident Jens Meier? Video (03:24 min)

Kühne hatte die Vorschläge von Meier, der aus beruflichen Gründen in Südkorea weilt und deshalb nicht persönlich an der Sitzung teilnehmen konnte, zuletzt mit deftigen Worten abgelehnt. Der Unternehmer hatte dem Bundesliga-15. in einer Erklärung unverhohlen damit gedroht, nur dann seine finanzielle Unterstützung fortzuführen, "wenn er über einen von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat verfügt". Der 80-Jährige hat zwar keinen rechtlichen Anspruch, in dieser Frage mitzureden. Allerdings hat man beim HSV auch kein gesteigertes Interesse daran, dass es zum endgültigen Bruch mit dem Milliardär kommt. Meier hat als Präsident des e.V., dem größten Anteilseigner der HSV-AG (76,19 Prozent), automatisch einen Sitz im Kontrollgremium und ist befugt, den Aufsichtsrat gemeinsam mit einem dreiköpfigen Beirat zu besetzen.

Ex-Profi Jansen im Gespräch

Bislang steht lediglich fest, dass Klitschko-Manager Bernd Bönte, Bau-Unternehmer Dieter Becken und eben Kühnes bisheriger Vertrauter in dem Kontrollgremium, Karl Gernandt, den Aufsichtsrat verlassen. Als Kandidaten für frei werdende Posten sind Jens Luther, Vorstandsvorsitzender der Hanseatischen Krankenkasse HEK, und Ex-Profi Marcell Jansen im Gespräch. In Karl J. Pojer, dem Vorsitzenden von Hapag-Lloyd-Cruises, hatte ein weiterer potenzieller Kandidat abgesagt.

Ertel: Kühnes Worte "anmaßend"

Der frühere Chefkontrolleur Manfred Ertel hatte die Äußerungen von Kühne im NDR Interview als "anmaßend" kritisiert. Kühne besitze zwar als zweitgrößter Anteilseigner (20,57 Prozent) und Geldgeber (geschätzte 100 Millionen Euro) "moralische Ansprüche", mehr aber auch nicht. Mit seinem Rundumschlag habe er die Kandidaten förmlich "in die Tonne getreten" und damit aber auch Meier ("der einen guten Job macht") und Vorstandschef Heribert Bruchhagen "beschädigt". Der Club müsse "irgendwann auch einem Investor zeigen, wo Barthel den Most holt" und sagen: "So geht es nicht weiter". Gleichwohl erwartet Ertel eine "für beide Seiten gesichtswahrende Lösung".

Der Ex-Aufsichtsratsvorsitzende des HSV, Manfred Ertel © picture alliance/dpa Fotograf: Axel Heimken

Ertel: "Der HSV muss sich von Kühne emanzipieren"

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