Stand: 09.11.2017 12:27 Uhr

HSV ohne Kühne: GAU oder Chance?

von Matthias Heidrich, NDR.de
Investor Klaus-Michael Kühne setzt den HSV unter Druck.

Investor Klaus-Michael Kühne hält den Hamburger SV dieser Tage mal wieder mächtig auf Trab. Über die von Vereinspräsident Jens Meier angestrebte neue Zusammensetzung des Aufsichtsrat ohne den Kühne-Vertrauten Karl Gernandt ist ein Streit beim Bundesliga-Dino entbrannt - ein existenzieller. Der Logistik-Milliardär droht nicht nur mit Liebesentzug, sollte das Kontrollgremium am 18. Dezember nicht nach seinen Wünschen zusammengesetzt werden. Der 80-Jährige würde in diesem Fall auch den großen Geldhahn zudrehen. Die Frage, die sich wohl jedem leidgeprüften HSV-Fan stellt: Wäre das der GAU für den Traditionsclub von der Elbe oder vielleicht sogar eine Chance?

Zweiter Milliardär mit Raute im Herzen nicht in Sicht

Nach eigenen Angaben hat der schwerreiche Unternehmer seit 2010 rund 60 Millionen Euro in seinen Lieblings-Club gepumpt, den Verbindlichkeiten in Höhe von 105,1 Millionen Euro plagen. Mittlerweile hält der Mäzen laut einem Bericht der "Bild", die sich auf Handelsregister-Einträge beruft, 20,57 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG. Er hat dem Club zahlreiche (teure) Transfers finanziert und zum Teil auch Gehaltszahlungen übernommen. Damit wäre ohne Gönner Kühne wohl Schluss, denn ein zweiter Milliardär mit Raute im Herzen ist nicht in Sicht. Keine Einkäufe à la André Hahn, den sich der HSV mit Hilfe des Milliardärs vor der Saison rund sechs Millionen Euro kosten ließ. Keine Vertragsverlängerungen wie bei Bobby Wood mehr, der zum Top-Verdiener aufstieg. Pikanterweise auf Druck Kühnes hin, der ansonsten nicht bei Hahn geholfen hätte. Was wiederum die DFL auf den Plan rief.

Wird Arp der neue Tah, Son oder Calhanoglu?

Ohne das Geld des Edel-Fans wäre der HSV gezwungen, andere (günstigere) Wege in der Kaderplanung zu gehen und den Spieleretat tatsächlich einmal zu senken. Verkäufe wären unumgänglich. Bei einem Blick auf die Preis-Leistungs-Bilanz vieler HSV-Profis in der vergangenen Jahren dürfte das allerdings als Chance durchgehen. Schmerzhaft könnte es werden, wenn die vielfach als katastrophal beschriebene finanzielle Lage ohne Ausputzer Kühne dazu führen würde, Top-Talent und zukünftige Identifikationsfigur Jann-Fiete Arp verkaufen zu müssen. "Das wagen sie nicht", wird der HSV-Fan denken. Nun ja, Jonathan Tah, Heung-Min Son und Hakan Calhanoglu hätten die Hamburger auch gerne gehalten...

Kühne: "Der Club wandert auf einem schmalen Grat"

Verteilung der Anteile an der HSV Fußball-AG

  • Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne: 20,57 %
  • Familie Burmeister: 1,35 %
  • Agrarunternehmer Helmut Bohnhorst: 1,22 %
  • Erben von Weinhändler Alexander Margaritoff: 0,67 %

Laut Satzung darf die HSV Fußball AG 24,9 Prozent ihrer Anteile veräußern.
Sollen weitere Anteile verkauft werden, müssen die Mitglieder des Vereins zustimmen.
Die DFL erlaubt den Verkauf 49,9 Prozent.

Ein Kahlschlag im Kader und eine bescheidenere, überlegtere Transferpolitik halten nicht wenige ohnehin für notwendig. Das Problem: Ohne Kühne könnte der oft zitierte "Neuanfang" zu Ende sein, ehe er überhaupt begonnen hat. Nur dank des frischen Kapitals (umgewandelt in AG-Anteile) des 80-Jährigen hat der HSV überhaupt eine Lizenz für die laufende Saison bekommen. Für die kommende Lizenzierungsrunde der DFL im Frühjahr 2018 müsste der HSV ohne den Investor wohl extreme Anstrengungen unternehmen, um seine Liquidität nachweisen zu können. Der ohnehin enge finanzielle Spielraum würde auf Mauseloch-Größe zusammenschrumpfen. "Die Finanzen wurden zerrüttet, der Club wandert auf einem schmalen Grat", hatte Kühne im vergangenen Frühjahr gesagt, als er die Lizenz gesichert hatte.

HSV-Präsident Meier scheint gewillt, auf diesem engen Weg ohne Leitplanken-Geber Kühne weitergehen zu wollen. Quasi am Abgrund, dafür aber unabhängiger. Ohne eine alternative Überlebensstrategie für den angeschlagenen Dino, von der noch nichts zu hören oder lesen war, ist das mutig - vielleicht auch eine Chance. Andere würden sagen: "Der Absturz ist so nur eine Frage der Zeit."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 12.11.2017 | 22:30 Uhr

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