Stand: 22.02.2016 13:00 Uhr

Werder: Die Zweifel an Coach Skripnik wachsen

Werder-Coach Viktor Skripnik steht nach nur einem Sieg aus den vergangenen zehn Partien unter Druck.

Am Tag nach der ernüchternden 0:2-Niederlage des Bundesliga-Teams beim FC Ingolstadt fanden eingefleischte Fans von Werder Bremen beim Blick auf die Resultate der eigenen Nachwuchsmannschaften etwas Trost. Sowohl die B-Junioren (3:2) als auch die U19 (3:1) bezwangen am Sonntag den Hamburger SV. Siege gegen den ungeliebten Nordrivalen schmecken dem grün-weißen Anhang traditionell besonders gut. Ohnehin hat der viermalige deutsche Meister in puncto Talentförderung in den vergangenen Jahren wieder aufgeholt. Davon zeugt auch das gute Abschneiden der U23 in der Dritten Liga. Sie steht auf einem Nichtabstiegsplatz. Werder könnte dank seines Pools von begabten Jungspunden vor einer rosaroten Zukunft stehen. Der Konjunktiv ist jedoch vonnöten, da das Flaggschiff des Vereins in schwerer See ist. Ein Erstliga-Abstieg hätte nicht nur schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Er könnte auch zum Abgang der besten Nachwuchsakteure wie Johannes Eggestein (führt die Torschützenliste der A-Jugend-Bundesliga Nord/Nordost an) führen.

Coach gerät zunehmend in die Kritik

Es steht viel auf dem Spiel für die Norddeutschen in den kommenden Wochen. So viel, dass nun selbst der Ur-Bremer Viktor Skripnik (seit 1996 im Verein) um den Liebesentzug der Clubverantwortlichen fürchten muss. Der Trainer hat sich in dieser Saison durch schwer nachvollziehbare personelle und taktische Maßnahmen angreifbar gemacht. Zudem ist es dem Ukrainer nicht gelungen, die Mannschaft im Vergleich zur vergangenen Runde weiterzuentwickeln. Eine Handschrift des 46 Jahre alten Fußballlehrers ist nicht zu erkennen. Dementsprechend verheerend sind die Urteile der Bremer Zeitungen über die Arbeit des Coaches. "Aus 'Viktory' ist ein Verlierer geworden, der keine klare Linie mehr hat. Der Entscheidungen trifft, die nicht mehr nachvollziehbar sind", heißt es in einem Kommentar der "Kreiszeitung Syke". Der Trainer habe seine Kraft verloren, wirke entmutigt. Der "Weser-Kurier" hat festgestellt: "In seiner Rolle als Mutmacher hat er gut funktioniert in Saison eins. In seiner Rolle als Weiterentwickler in Saison zwei funktioniert er nicht."

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Eichin will keine Trainerdiskussion

Nie zuvor in seiner Amtszeit als Werder-Chefcoach, die Ende Oktober 2014 begann, stand der Nachfolger von Robin Dutt so massiv in der Kritik. Fairerweise sei gesagt: bislang nur öffentlich. Zwar heißt es in den Bremer Medien übereinstimmend, dass auch in der Clubführung die Zweifel an Skripnik wachsen. Doch nach außen hin stehen die Verantwortungsträger weiter hinter dem Übungsleiter. "Viktor Skripnik steht überhaupt nicht zur Debatte", erklärte Manager Thomas Eichin dem "Weser-Kurier". Er wolle eine Trainerdiskussion "zu diesem Zeitpunkt" nicht führen, ergänzte der 49-Jährige auf Nachfrage der "Syker Kreiszeitung".

Nur ein Sieg aus den vergangenen zehn Partien

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Bremens Torhüter Felix Wiedwald wird von seinen Vorderleuten häufig im Stich gelassen.

Vielleicht aber wird am kommenden Samstagabend der Zeitpunkt dafür gekommen sein. Nach dem Duell mit Darmstadt 98. Dem Abstiegsgipfel. Sollten die Hanseaten auch gegen die forschen Hessen eine ähnlich desolate Leistung wie in Ingolstadt zeigen und erneut leer ausgehen, wäre es nahezu fahrlässig von Eichin und Co., sich nicht mit einem Trainerwechsel zu beschäftigten. Zumal der Trend bereits seit Wochen für eine tiefgehendere Analyse von Skripniks Arbeit spricht: Bremen gewann lediglich eine der vergangenen zehn Erstliga-Begegnungen. Da zudem plötzlich der Vorletzte TSG Hoffenheim (vier Zähler aus zwei Partien) wieder einen Puls hat, droht den Norddeutschen gar der Absturz auf einen direkten Abstiegsplatz. Skripnik bleibt (noch) gelassen. "Diese Situation ist nicht neu für Werder Bremen. Vielleicht können wir deswegen Hoffnung haben, dass wir in kritischen Situationen etwas liefern", sagte der Coach dem NDR Hörfunk.

"Endspiel" gegen Darmstadt?

Was jedoch geschieht, wenn seine Mannschaft gegen die "Lilien" nicht liefert? Das wahrscheinlichste Szenario ist dann die Beurlaubung des Übungsleiters. Denn der ohnehin große Druck würde noch einmal wachsen und eine konzentrierte Vorbereitung auf die dann folgende Partie am 2. März in Leverkusen zusätzlich erschweren. Im Falle von Skripniks Aus' könnte interimsweise U23-Coach Alexander Nouri einspringen. Oder Mirko Votava. Die Werder-Legende führt mit den A-Junioren das Bundesliga-Klassement an und hätte bei den Fans gewiss einen großen Vertrauensvorschuss. Selbiges traf Ende Oktober 2014 auch auf Skripnik zu, als er die Mannschaft vom glücklosen Dutt auf einem Abstiegsplatz übernahm. Zumindest kurzfristig trat der gewollte Effekt dann ja auch ein. Und um mehr als Reparaturarbeiten kann es für die Bremer auch in dieser Serie nicht mehr gehen.

Wird Steidten Schröder-Nachfolger?

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Werders Sportdirektor Rouven Schröder zieht es nach Mainz.

Zumal sich der Club auch im administrativen Bereich neu sortieren muss. So teilte Ligakonkurrent FSV Mainz 05 am Montagmittag mit, Einigung mit Rouven Schröder erzielt zu haben. Der 40-Jährige war bis dato für die Werder-Kaderplanung zuständig und ersetzt bei den Rheinhessen Sportchef Christian Heidel, der zur neuen Serie beim FC Schalke 04 anheuert. Bei den Bremern wird der Schröder-Posten aller Voraussicht nach intern neu besetzt. Tim Steidten, Sportlicher Leiter der U23, gilt als Favorit auf die Nachfolge des 40-Jährigen.

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