Werder und die Angst vorm Kaiserslautern-Drama

Felix Wiedwald steht mit Werder überraschend im Pokal-Halbfinale.

"Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön...." Im Fanblock von Werder Bremen herrschte nach dem Pokal-Coup in Leverkusen Festtagsstimmung. Keeper Felix Wiedwald ließ sich nicht lange bitten, kletterte auf den Zaun, griff sich ein Megaphon und grölte mit den Anhängern um die Wette. Auch die Mannschaftskameraden des zuletzt nach einigen Patzern in die Kritik geratenen Schlussmanns genossen das Bad in der Menge. Ein wenig war es so wie damals, als Werder zu seinen großen Zeiten in schöner Regelmäßigkeit für "Wunder von der Weser" und fast schon vergnügungssteuerpflichtige Abendunterhaltung auf dem internationalen Parkett sorgte.

Bremen inkonstant und unberechenbar

Die Gegenwart ist jedoch weitaus trister. Zwar stehen die Hanseaten auch in dieser Saison oftmals für Fußball-Spektakel. Allerdings häufig ungewollt. So wie am vergangenen Freitag in Gladbach, als der Tabellen-16. kriselnde Borussen herzlichst zum Toreschießen einlud. Geheimnisvoll sind sie, diese Bremer. Manchmal richtig gut, dann wieder unerklärlich schwach. Einfach unberechenbar. So unberechenbar, dass sie ungewollt auf den Spuren des 1. FC Kaiserslautern wandeln könnten. Die Pfälzer hatten 1996 überraschend den Pokal gewonnen, waren eine Woche vor dem Triumph in Berlin aber aus der Bundesliga abgestiegen.

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Eichin und Co. treten auf Euphoriebremse

In Anbetracht des warnenden Beispiels Kaiserslautern sowie der in dieser Serie bis dato an den Tag gelegten Hopp-oder-Top-Mentalität der Mannschaft waren alle Bremer Protagonisten im Anschluss an den Halbfinaleinzug bemüht, auf die Euphoriebremse zu treten. "Wir freuen uns jetzt heute, wir werden uns auch morgen noch freuen, aber wir werden sicherlich auch versuchen, das ab Donnerstag zu vergessen und uns auf die wichtigste Aufgabe zu konzentrieren. Das ist der Abstiegskampf", erklärte Werder-Manager Thomas Eichin im NDR Interview. Kapitän Clemens Fritz stieß in dieselbe Kerbe: "Entscheidend ist, dass wir diesen Schwung, diesen Mut aus dem Spiel ins Wochenende mitnehmen. Die Bundesliga ist für uns sehr, sehr wichtig. Da geht's für uns um drei Punkte am Samstag. Und wir brauchen drei Punkte."

Wird der Februar zum Werder-Wonnemonat?

Der 35-Jährige gehörte ebenso wie Claudio Pizarro zum Bremer-Team, das 2009 letztmals den "Pott" an die Weser holte. Seinerzeit wurde in Berlin Leverkusen - Werders Pokal-Lieblingsgegner - mit 1:0 bezwungen. Fritz, der seine "Buffer" im Sommer an den Nagel hängen wird, würde sein letztes Pflichtspiel nur allzu gerne im Olympiastadion bestreiten. "Berlin ist für jeden Fußballer ein Wunsch, ein Traum, dafür werden wir arbeiten", sagte der Routinier. Vor der Kür steht für die unberechenbaren Bremer jedoch die Pflicht auf dem Programm. Der Februar könnte dabei ein Werder-Wonnemonat werden. Nacheinander geht es für die Equipe von Coach Viktor Skripnik ("Wir sind froh, dass wir wieder das Gefühl haben, etwas erreichen zu können") gegen drei Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Den Anfang macht das Duell am Sonnabend mit dem Tabellenvorletzten TSG Hoffenheim (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de). Hernach folgen die Partien in Ingolstadt und gegen Darmstadt.

Vestergaard: "Hoffenheim ein ganz anderes Spiel"

Mit einem Erfolg am Sonnabend könnte Bremen die Kraichgauer bereits auf acht Punkte distanzieren. Zumindest Rang 16 wäre somit zunächst einmal zementiert. Doch weil nicht nur der Pokal seine eigenen Gesetze hat, sondern angeschlagene Boxer bekanntlich auch die gefährlichsten sind, könnte der Vergleich mit den dahindarbenden Baden-Württembergern (erst zwei Saisonsiege), bei denen Coach Huub Stevens am Mittwoch zurücktrat, eine heikle Angelegenheit werden. Zumal diesmal - anders als in Leverkusen - die Grün-Weißen für das Entertainment, sprich die Spielgestaltung, verantwortlich sein werden. "Wir wollen defensiv so weiter machen, aber gegen Hoffenheim wird es ein ganz anderes Spiel. Da werden wir auch mehr Ballbesitz bekommen und nicht so tief stehen können", blickte Jannik Vestergaard auf der Werder-Homepage mit Respekt auf die bevorstehende Aufgabe voraus. Der hochaufgeschossene Defensivspezialist trifft auf seinen früheren Brötchengeber. Doch dieser Umstand tangiert den coolen Dänen scheinbar nur peripher: "Für mich persönlich ist es eher ein wichtiges Spiel gegen einen direkten Konkurrenten als ein großes Wiedersehen. Ich kenne den Trainer nicht, außerdem sind viele meiner Kumpels nicht mehr dort."

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