Stand: 25.01.2016 13:23 Uhr

Der Werder-Mix: Rehhagel wusste es schon immer

Führten Werder zum Sieg auf Schalke: Claudio Pizarro (l.) und Clemens Fritz.

Otto Rehhagel hat sich in seiner langen Laufbahn als Fußball-Trainer häufig als Philosoph versucht. Eine der Weisheiten des gelernten Malers und Anstreichers lautete: "Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran." Der inzwischen 77 Jahre alte Coach wollte damit ausdrücken, dass es Feingefühl und Zeit bedarf, Nachwuchskräfte erfolgreich in eine Mannschaft einzubauen. Bei Werder Bremen, das Rehhagel von 1981 bis 1995 in seiner teils doch eigenwilligen Art sehr erfolgreich betreute, arbeitet nun Viktor Skripnik im Sinne des Altmeisters. Der im Vergleich zu Rehhagel weniger poetische und wortkarge Ukrainer schickte zum Rückrunden-Auftakt auf Schalke eine Mannschaft auf den Rasen, in der sich junge und routinierte Kräfte perfekt ergänzten. Das Resultat war ein im Vorfeld der Begegnung kaum zu erwartender 3:1-Erfolg.

Bescheidener Matchwinner

Getragen wurde das Bremer Team, in dem die Jungspunde Florian Grillitsch und Levin Öztunali im 4-4-2-System die Flügelzange bildeten, von zwei Akteuren, die bereits im Spätherbst ihrer Karriere sind: Claudio Pizarro und Clemens Fritz. Letzterer blühte wenige Tage nach der Bekanntgabe seines Laufbahn-Endes im Sommer in Gelsenkirchen richtig auf. Ein Treffer und zwei Vorlagen schlugen für den 35-Jährigen zu Buche. Pizarro markierte das wichtige 2:1 kurz nach dem Seitenwechsel und war auch sonst ein stetiger Unruheherd. Es gab also eigentlich jede Menge Grund, sich daraufhin ordentlich feiern zu lassen. Doch getreu Rehhagels Motto: "Ich brauche Spieler, die am Ball besser sind als am Mikro", übte sich Fritz in Bescheidenheit. "Ich stand in der einen oder anderen Situation ganz gut", erklärte der Werder-Kapitän dem NDR Hörfunk. Der ehemalige Nationalspieler lobte dann noch die "Moral der Mannschaft" und hob den warnenden Zeigefinger: "Wir haben noch einen sehr, sehr weiten Weg vor uns."

Fortune in der Anfangsphase

Tatsächlich hätten die Norddeutschen auch mit einer bösen Packung an die Weser zurückkehren können. Der frühe Rückstand sowie weitere Möglichkeiten der "Knappen" ließen zunächst Böses befürchten und erinnerten an eine weitere Rehhagel-Weisheit: "Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist." Werder aber zeigte Moral und kämpfte sich, angetrieben von seinen Routiniers, zurück in das Spiel. Mit dem Ausgleich von Fritz - seinem ersten Bundesliga-Tor seit 2011 - kurz vor der Pause kippte die Partie. Nach dem Seitenwechsel gewann auch der zuvor in einigen Szenen suboptimal harmonierende Defensivverbund an Stabilität.

Djilobodji mit starkem Debüt

Ein wichtiger Faktor war dabei Neuzugang Papy Djilobodji. Der vom FC Chelsea ausgeliehene hochaufgeschossene Innenverteidiger überzeugte durch seine robuste Zweikampfführung und sein schnörkelloses Spiel. Die Eleganz eines Rune Bratseth, der zu Rehhagels Zeiten den Libero nahezu künstlerisch interpretierte, ging dem Senegalesen zwar ab. In diesen schweren Bremer Tagen hat Maloche aber ohnehin Vorrang. "Wir sind überglücklich, dass wir die drei Punkte mitnehmen, aber das ist noch nicht alles. Wir müssen 16 Spiele weiter akribisch arbeiten und liefern", mahnte Skripnik.

Kein Rücktritt vom Rücktritt

Für Fritz, der auf Schalke sein 300. Bundesliga-Spiel für Werder bestritt, war es definitiv der letzte Auftritt als aktiver Fußball-Profi in Gelsenkirchen. Zwar versuchen einige seiner Mitspieler bereits seit Tagen, den Kapitän davon abzubringen, seine "Buffer" im Sommer an den Nagel zu hängen. Aussicht auf Erfolg haben sie jedoch nicht. "Ins Wanken komme ich nicht mehr", erklärte der gebürtige Erfurter. Er hält es da mit Rehhagel, der einst herumschwadronierte: "Jeder kann sagen, was ich will."

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