Stand: 21.02.2016 19:23 Uhr

Pleite im Abstiegsgipfel - 96 vor dem Kollaps

von Ines Bellinger, NDR.de

Hannover 96 ist auf der Intensivstation der Fußball-Bundesliga angekommen. Im Kampf ums sportliche Überleben in der Beletage haben die "Roten" am Sonntag den nächsten schweren Schlag hinnehmen müssen. Im Abstiegsgipfel gegen den FC Augsburg setzte es eine 0:1 (0:1)-Heimniederlage für den Tabellenletzten. Es war die achte Pleite in Serie für die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf, die im Gegensatz zum 0:1 in Dortmund vergangene Woche völlig verunsichert agierte und ihre Bundesliga-Tauglichkeit nicht nachweisen konnte. Höchsten Ansprüchen genügte nur der neu verlegte Rasen in der Arena. Viele 96-Fans scheinen die Hoffnung auf eine Rettung schon aufgegeben zu haben - 32.400 Zuschauer bedeuteten Minusrekord in dieser Saison. "Insgesamt ist da wenig Hoffnung, aber im Fußball passieren unerklärliche Dinge", sagte Schaaf. Der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz ist auf acht Punkte angewachsen. Weil auch Werder Bremen verloren hat, fehlen Hannover aber weiter "nur" überschaubare sechs Zähler zum Relegationsplatz. Am kommenden Sonnabend müssen die Niedersachsen beim VfB Stuttgart antreten, ohne Innenverteidiger Ceyhun Gülselam, der sich gegen Augsburg eine Gelbsperre einhandelte.

Hannover haarsträubend: Achte Niederlage in Folge

96 wie gelähmt vor Angst

22.Spieltag, 21.02.2016 17:30 Uhr

  • Hannover 96
  • 0:1


  • FC Augsburg

Tore: 0:1 Koo (14.)
Hannover 96: Zieler - Sakai, Gülselam, Milosevic, Albornoz - Hoffmann (46. Kiyotake) - Bech (82. Saint-Maximin), Sané, Prib (46. Hugo Almeida), Karaman - Sobiech
FC Augsburg: Hitz - Verhaegh, Gouweleeuw, Klavan, Max - Kohr, Feulner (46. Ji) - Esswein (71. Werner), Koo, Caiuby - Finnbogason (82. Janker)
Zuschauer: 32400

Weitere Daten zum Spiel

Um wie viel es ging in diesem Keller-Duell, das wurde schon in den Anfangsminuten deutlich. Zurückhaltend, fast ängstlich schoben sich die Akteure auf beiden Seiten den Ball zu, keiner wollte etwas wagen, keiner ergriff die Initiative. Die Panik vor einem möglicherweise entscheidenden Fehler lähmte wohl auch Edgar Prib und Gülselam. Bei dem Versuch, einen Pass auf Ja-Cheol Koo zu verhindern, rannten sich die beiden gegenseitig über den Haufen, während der Koreaner Richtung Strafraum sprintete, im Sechzehner noch einen Schwenk nach innen machen durfte und den Ball aus zwölf Metern ins lange Eck schlenzte (14.). Mit der ersten Chance hatten die Augsburger das erste Tor gemacht - und sie hätten kurz darauf nachlegen können, doch der schwache Kopfball-Abschluss von Alfred Finnbogason nach Koo-Flanke war kein Problem für Ron-Robert Zieler (16.). Der 96-Schlussmann musste immer dann auf der Hut sein, wenn Augsburg über die rechte Abwehrseite der Hannoveraner angriff, die des Öfteren mit Abwesenheit glänzte. Zieler verhinderte Ärgeres mit Paraden gegen Koo (21.) und Alexander Esswein (29.).

Und 96? Im strömenden Regen versuchte es Uffe Beck mit einem Aufsetzer aus der Distanz, den FCA-Torwart Marwin Hitz im Nachfassen unter Kontrolle brachte (18.). Erst als die schwache Partie sich dem Halbzeitpfiff näherte, kamen die in aller Regel zu langsam und umständlich agierenden Gastgeber etwas besser ins Spiel. Trotzdem verabschiedeten die aufgebrachten Zuschauer ihre Mannschaft mit einem Pfeifkonzert in die Kabine.

Auch Kiyotake kann es nicht richten

Schaaf hatte durchaus Optionen, um in der Pause zu reagieren - und er zog sie. In Hugo Almeida brachte er eine zweite Spitze, in Hiroshi Kiyotake einen Spielgestalter. Der Japaner hatte nach einem Haarriss im Fuß seit November kein Spiel mehr bestritten und war schmerzlich vermisst worden. Gegen die vom Europa-League-Einsatz gegen Liverpool müden Augsburger erkämpfte sich 96 jetzt mehr Spielanteile. Doch zuviel lastete auf den Schultern von Kiyotake, der zwar mehr Struktur und Ideen ins Spiel der Gastgeber brachte, dem drei Monate fehlende Spielpraxis jedoch deutlich anzumerken waren. Augsburg tat nicht viel mehr als nötig, zumal Chancen der Hannoveraner wie der Schrägschuss von Kenan Karaman (79.) nicht zwingend genug waren. Nach dem besten 96-Angriff der Partie traf Almeida zwar ins Tor, doch der Portugiese stand dabei deutlich im Abseits und wurde zurückgepfiffen (81.).

Milosevic scheitert an Hitz

Auf der Gegenseite musste Zieler noch zweimal tief durchatmen. Ein Fernschuss von Koo zischte Zentimeter am Pfosten vorbei (84.), wenig später spielten Tobias Werner freistehend vor dem 96-Torwart die Nerven einen Streich (86.). Fast wäre Hannover in der Nachspielzeit noch eine Verzweiflungstat geglückt. Doch den Kopfball von Alexander Milosevic kratzte Hitz von der Linie (90.+3). "Wir haben die Schnauze voll", hallte es am Ende von den Rängen und: "Kind raus!"

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