Stand: 19.03.2016 20:20 Uhr

Zappenduster im Keller - 96 verliert Abstiegsgipfel

von Ines Bellinger, NDR.de

Für Hannover 96 gehen die Lichter in der Bundesliga aus. Das Tabellen-Schlusslicht verlor auch den Abstiegsgipfel bei Eintracht Frankfurt mit 0:1 (0:1) und liegt jetzt bereits zehn Punkte hinter dem Relegationsplatz zurück. Rein rechnerisch wäre der Klassenerhalt in den verbleibenden sieben Spielen zwar noch zu schaffen, doch die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf vermittelte am Samstagabend nicht den Eindruck, das Ruder noch herumreißen zu können. Mutlos, voller Selbstzweifel und fußballerisch in einem erbarmungswürdigen Zustand präsentierten sich die Niedersachsen. Bei der Abstiegstour aus der Beletage dürfte es wohl nur noch darum gehen, die Fans in Hannover nicht vollends zu vergraulen. Nach der Länderspielpause geht es am 2. April mit dem Nordduell gegen den Hamburger SV weiter.

Hannover am Boden: Zweite Liga rückt näher

Hradecky mit Glanztat gegen Karaman

Schaaf setzte seinen Zick-Zack-Kurs bei den Personalentscheidunen fort. Hugo Almeida, Ceyhun Gülselam, Edgar Prib und Hotaru Yamaguchi rotierten rein in die Startelf - Iver Fossum, Adam Szalai, Salif Sané und Manuel Schmiedbach raus. Die beiden Letzteren hatten es ebenso wie André Hoffmann nicht einmal in den Kader geschafft. Reize setzen, hieß auch das das Motto bei Frankfurts neuem Trainer Niko Kovac, der sogar fünf Änderungen vornahm. Und es funktionierte. Wenn beide Teams auch keine spielerischen Glanzlichter setzten, so war zu Beginn doch Feuer in der Partie. Marco Russ hätte schon in der fünfte Minute die Führung für die Gastgeber erzielen können. Doch der Eintracht-Kapitän bekam nach einer Ecke des Ex-Hannoveraners Szabolcs Huszti nur das Knie an den Ball. Hannover antwortete mit einer nicht minder verheißungsvollen Gelegenheit. Almeida legte den Ball mit der Brust auf Kenan Karaman ab, der aus 16 Metern abzog. Frankfurts Torhüter Lukas Hradecky, der schon auf dem Weg in die andere Ecke war, fuhr blitzartig seinen linken Arm aus und vereitelte mit dieser Glanztat einen Treffer für die "Roten" (8.).

Aigner im Abseits - Ben-Hatira ungestört

Nach engagiertem Beginn zerfaserte das Spiel mehr und mehr, weil sich beide Teams im Mittelfeld in Zweikämpfen aufrieben. Ein regelrechtes Gestochere gab es nach einer guten halben Stunde am linken Strafraumeck der 96er. Hannover bekam den Ball nicht aus der Gefahrenzone, Frankfurt wusste nichts mit der Kugel anzufangen - bis Stefan Aigner aus einer Abseitsposition heraus am Fünfmeterraum Änis Ben-Hatira anspielte. Der frühere HSV-Profi vernaschte auf engstem Raum 96-Kapitän Christian Schulz und Keeper Ron-Robert Zieler und vollendete sehenswert aus spitzem Winkel (33.). Ein Tor, das schön anzusehen war, aber nie und nimmer hätte fallen dürfen, weil sechs oder sieben Hannoveraner zuvor die Möglichkeit zum Klären hatten.

Almeida-Tor zurückgepfiffen

27.Spieltag, 19.03.2016 18:30 Uhr

  • E. Frankfurt
  • 1:0


  • Hannover 96

Tore: 1:0 Ben-Hatira (33.)
E. Frankfurt: Hradecky - Chandler, Carlos Zambrano, Russ, Djakpa - Reinartz (61. Hasebe), Stendera - Aigner, Huszti (82. Abraham), Ben-Hatira (88. Kittel) - Seferovic
Hannover 96: Zieler - Sakai, Milosevic, C. Schulz (46. Anton), Sorg - Karaman (77. Szalai), Yamaguchi (69. Saint-Maximin), Gülselam, Prib - Hugo Almeida, Kiyotake -
Zuschauer: 43300

Weitere Daten zum Spiel

Einmal mehr mussten die Niedersachsen mit einem wenig mutmachenden Zwischenergebnis in die Kabine. Und dort blieb der an Rückenproblemen leidende Kapitän Schulz. Für ihn kam Waldemar Anton. Dem 19-Jährigen, der bis dahin eine einzige Minute Bundesliga-Erfahrung vorweisen konnte, unterlief sofort ein schlimmer Stockfehler. Eintracht-Stürmer Haris Seferovic lief frei auf Zieler zu, doch der 96-Torhüter hielt seine Mannschaft im Spiel (47.). Im Gegenzug ging Frankfurts Stefan Reinartz im Strafraum recht robust gegen Prib zu Werke, doch Schiedsrichter Wolfgang Stark entschied auf Weiterspielen. "Er räumt mich zuerst ab und spielt dann den Ball - klarer Elfmeter", beschwerte sich Prib bei "Sky".

Hannover vermittelte nicht den Eindruck, sich spielerisch aus seiner Malaise befreien zu können. Und so fasste sich der beste 96-Fußballer, Hiroshi Kiyotake, ein Herz und zog, umringt von drei Frankfurtern, aus 22 Metern ab. Der Ball flog knapp am Pfosten vorbei (55.). Die Eintracht tat lange Zeit deutlich mehr, um dieses Spiel zu gewinnen, vergab ihre Chancen aber kläglich. Ben-Hatira hätte einen Dreierpack schnüren können, doch sowohl bei einem Konter (66.) als auch nach einem schweren Stellungsfehler in der 96-Abwehr (70.) ging er zu ungestüm zu Werke. Hannover brachte den Ball in der Schlussphase sogar noch im Frankfurter Tor unter, doch Almeida stand bei der Flanke von Gülselam im Abseits (83.). Das Aufbäumen in den letzten Minuten kam zu spät.

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