Stand: 13.03.2016 12:40 Uhr

Die "Roten" spüren die Wut ihrer Anhänger

von Christian Görtzen, NDR.de
96-Kapitän Christian Schulz (2. v. r.) und seine Teamkollegen bekommen die Wut der Fans zu hören.

So desaströs schon die vergangenen Wochen für Hannover 96 gewesen waren, auf die Unterstützung ihrer leidgeplagten Anhänger konnten sich Trainer Thomas Schaaf und seine Spieler verlassen. Die Fans, die den Weg ins Stadion gefunden hatten, ertrugen die kläglichen Auftritte ihrer Mannschaft mit einer bemerkenswert stoischen Geduld. Die meisten unter ihnen waren von der nicht enden wollenden Serie an Niederlagen schlichtweg konsterniert, andere flüchteten sich in Galgenhumor. Am Sonnabendnachmittag gegen 17.20 Uhr, wenige Minuten nach dem Schlusspfiff des Heimspiels gegen den 1. FC Köln (0:2), war im 96-Fanblock die Grenze der Geduld überschritten. Die Anhänger schleuderten voller Wut ihre Bierbecher Richtung Spielfeld. "Versager"-Rufe schlugen den Profis um Kapitän Christian Schulz entgegen, die sich allerdings den Zürnenden stellten, mit ihnen diskutierten. Es war zu erkennen, dass viele Fans ihren Rest an Hoffnung auf die sportliche Rettung in der Bundesliga verloren hatten.

Schlechter als Tasmania Berlin

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Schon etliche Minuten vor dem Schlusspfiff verlassen die Zuschauer die Hannoveraner Arena.

"Ich habe absolutes Verständnis für die Fans. In den letzten Spielen haben sie uns super unterstützt, auch wenn die Leistungen nicht dementsprechend waren. Ich muss den Hut davor ziehen, dass sie so hinter der Mannschaft stehen", sagte Schulz NDR 2. Es bleibt beim besten Willen nicht mehr viel übrig, das den Fans noch Mut machen kann. Die "Roten" haben durch die Niederlage gegen Köln einen Bundesligarekord der deprimierenden Art aufgestellt. Von den ersten 13 Heimspielen der Saison gingen elf verloren - so etwas ist nicht einmal der im deutschen Fußball zum Synonym für Erfolglosigkeit gewordenen Mannschaft von Tasmania 1900 Berlin gelungen. Diese stieg nach der Saison 1965/1966 als Tabellenletzter sang- und klanglos ab.

Eine große Chance weniger

Ein weit vor dem Saisonende besiegelter Absturz in die Zweitklassigkeit droht auch Schaaf und seiner Mannschaft, die es nach 26 Spieltagen nur auf 17 Punkte bringt. Der Abstand zum Relegationsrang, der von Eintracht Frankfurt eingenommen wird, beträgt sieben Zähler. Zwar hat sich der Rückstand auf die Hessen angesichts deren 0:3-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach nicht vergrößert. Allerdings hat aus Sicht der Niedersachsen aber auch die Zahl der Chancen auf den Befreiungsschlag durch die absolvierte Partie gegen Köln weiter abgenommen. Eigentlich waren die Domstädter ja genau dafür ein einigermaßen dankbarer Gegner gewesen, so sicher wie sie im Mittelfeld der Tabelle stehen, jenseits von Gut und Böse.

Bader stärkt Schaaf den Rücken

Hannovers Restprogramm

Hertha BSC (a)
Borussia M'gladbach (h)
FC Ingolstadt (a)
Schalke 04 (h)
1899 Hoffenheim (h)
Bayern München (a)

Schaaf gehen im mittlerweile fast schon aussichtlosen Kampf um den Klassenerhalt die Argumente aus. Er bemühte erneut Durchhalteparolen. "Ich glaube fest daran, dass wir diese Situation noch irgendwie drehen können. Resignieren und aufhören, das kenne ich nicht. Wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist, dann werden wir weiter sehen", sagte der 54-Jährige, der von neun Spielen als 96-Coach acht verloren hat. Er stellte nun auch noch einen Negativ-Rekord auf: Zuvor hatte es so etwas in der Bundesliga noch nie gegeben, dass ein neuer Trainer seine ersten fünf Heimspiele verliert. Die Kritik am früheren Meistertrainer von Werder Bremen könnte lauter werden in den kommenden Tagen. Geschäftsführer Martin Bader sprang ihm vorsorglich schon mal verbal zur Seite: "Es ist nicht so, dass Thomas am Ende ist. Im Gegenteil. Wir werden mit Thomas Schaaf die weiteren Projekte angehen, das nächste ist Eintracht Frankfurt. Thomas ist natürlich nicht gescheitert."

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