Stand: 29.02.2016 06:55 Uhr

Brutalität im Fußball: Hobbykicker vor Gericht

von Tiede Thedinga

"Ich bin meiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden." Das hat Fußballtrainer Roger Schmidt von Bundesligist Bayer Leverkusen vor gut einer Woche eingeräumt. Schmidt hatte sich beharrlich geweigert, seinen Platz vor der Trainerbank zu verlassen, obwohl Schiedsrichter Felix Zwayer ihn wegen Reklamierens auf die Tribüne geschickt hatte. Diesen mangelnden Respekt vor den Unparteiischen haben viele Fußballer gemeinsam, vom Profi bis zum Freizeitkicker. Und das führt manchmal zu weit hässlicheren Szenen als in Leverkusen: Ein Hobbyspieler aus Quakenbrück steht heute wegen eines Angriffs auf einen Schiedsrichter vor dem Landgericht Osnabrück.

Zwei Verletzte in der dritten Kreisklasse Osnabrück-Land

Ein Strafstoß-Pfiff setzte vor knapp drei Jahren einem Spiel in der 3. Kreisklasse Osnabrück-Land ein vorzeitiges Ende. So viel ist unstrittig. Doch anschließend brach das Chaos aus: Der Angeklagte und Kapitän des bestraften Teams FC Artland soll auf den Schiedsrichter losgegangen sein, ihn geschubst und zu Fall gebracht haben. Weitere Mitspieler und Zuschauer mischten sich ein, der Unparteiische flüchtete in die Kabine und blieb dort, bis die Polizei eintraf. Er und ein Spieler der gegnerischen Mannschaft trugen leichte Verletzungen davon. Der Schiedsrichter brauchte nach eigenen Angaben Monate, um das Geschehen zu verarbeiten und wieder zur Pfeife zu greifen.

Kicker beteuert seine Unschuld

Der angeklagte Fußballer wurde im vergangenen Jahr in erster Instanz zu siebeneinhalb Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Der damals 28-Jährige beteuerte jedoch damals vehement seine Unschuld und kündigte unmittelbar nach dem Urteil Berufung an. Auch der Vater des Mannes war beteiligt. Er verfolgte das Spiel als Zuschauer. Während des Tumults lief er auf den Platz und teilte mit seinem Regenschirm aus, unter anderem gegen den Schiedsrichter. Der Mann erhielt sogar zehn Monate auf Bewährung. Im Gegensatz zu seinem Sohn hat der 53-Jährige die Strafe akzeptiert. Den Verein, den FC Artland, kosteten die damaligen Ausschreitungen den Aufstieg in die 2. Kreisklasse. Die abgebrochene Partie wurde in einem Sportgerichtsverfahren mit 0:5 gegen das Team gewertet. Mittlerweile existiert der Klub nicht mehr.

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