Stand: 14.08.2017 06:35 Uhr

Beinlich: "In einem Spiel ist alles möglich"

von Hanno Bode, NDR.de
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Drückt Hansa im Duell mit der Hertha die Daumen: Stefan Beinlich.

Lang, lang ist's her, dass der FC Hansa Rostock eine Auftakthürde im DFB-Pokal übersprungen hat. Bis dato letztmals gelang es den Mecklenburgern in der Saison 2008/2009. Seinerzeit zogen die Hanseaten ins Achtelfinale ein. Dort erwies sich dann der VfL Wolfsburg beim 1:5 als mindestens eine Nummer zu groß für Hansa. Auch in dieser Spielzeit scheinen die Rostocker Chancen auf eine Beendigung ihrer schwarzen Pokalserie nicht allzu gut zu stehen, heißt doch der Gegner heute Abend (20.45 Uhr, live im Ersten und im Livecenter bei NDR.de) Hertha BSC.

"Wenn es normal läuft, verliert Hansa mit zwei, drei Toren Unterschied", sagt einer, der für beide Clubs am Ball war: Stefan Beinlich. "Aber in einem Spiel ist alles möglich", ergänzt der fünfmalige Nationalspieler im Gespräch mit NDR.de umgehend. Das Rezept für eine Sensation hat "Paule", wie der gebürtige Berliner in Fußballkreisen gerufen wird, auch parat: "Wenn Hansa es schafft, Hertha so zu bekämpfen und auch zu bespielen, dass sie anfangen zu überlegen, haben sie natürlich eine Chance."

"Natürlich drücke ich Hansa die Daumen"

Während es um den 45-Jährigen nach seinem Rücktritt als Hansa-Manager 2012 ruhig geworden ist, hat sein früherer Mannschaftskamerad aus gemeinsamen Berliner Zeiten, Pál Dárdai, Hertha als Trainer in die Europa League geführt. Als "geradlinigen, offenen und ehrlichen Typen", habe er den Ungarn seinerzeit wahrgenommen, erzählt Beinlich, der von 2000 bis 2003 bei den Hauptstädtern unter Vertrag stand. Zu einem Wiedersehen der beiden ehemaligen Berliner Mittelfeldstrategen wird es am Montagabend an der Ostsee nicht kommen. "Ich gehe nicht mehr ins Stadion, sondern schaue mir die Spiele gemütlich auf der Couch an", erzählt Beinlich. Seine Liebe zur "Kogge" hat dies allerdings nicht abkühlen lassen. "Mit Hansa verbinde ich sehr, sehr viel. Ich bin zweimal als Spieler und einmal als Manager mit dem Club aufgestiegen. Die Berliner hören es sicher nicht gerne, aber natürlich drücke ich Hansa die Daumen", sagt der 45-Jährige.

Stefan Beinlichs Karriere in Bildern

Rückkehr ins Fußball-Geschäft denkbar

Auch nach seinem Abschied als Hansa-Funktionär ist der gebürtige Berliner an der "wunderschönen Küste" (Beinlich) wohnen geblieben. Zwischenzeitlich arbeitete er als ehrenamtlicher Geschäftsführer für den 1. Leichtathlektik Verein Rostock (LAV), bevor ihn eine Knieoperation sowie eine sechsmonatige Reha zur Aufgabe der Tätigkeit zwang. Er sei mit seinem Leben "glücklich", sagt der 45-Jährige, will eine Rückkehr ins Fußball-Geschäft aber auch nicht kategorisch ausschließen: "Man weiß ja nie, was irgendwann mal kommen wird."

Ex-Mittelfeldstar traut neuem Hansa-Team viel zu

Beinlich ist der bis dato letzte Hansa-Manager, der mit dem Club den Zweitliga-Aufstieg schaffte (2011). Seinerzeit bewies er gemeinsam mit Coach Peter Vollmann bei der Zusammenstellung des Kaders ein glückliches Händchen. "Du brauchst einen Trainer, der die Dritte Liga kennt und Spieler, die die Dritte Liga kennen. Es ist entscheidend, dass du ein kompaktes Team hast, das bei Problemen nicht auseinanderbricht", erklärt Beinlich. Seinen ersten Eindrücken zufolge könnte die aktuelle Rostocker Mannschaft diese Anforderungskriterien durchaus erfüllen. "Der Start ist ja geglückt. Viele von den neuen Spielern kenne ich zwar nicht. Aber was man so hört, funktioniert das sehr, sehr gut", sagt der 45-Jährige. Zugleich macht Beinlich auf ein Problem aufmerksam, mit dem die aktuellen Rostocker Profis zu kämpfen haben: "Die Jungs heutzutage haben es bei Hansa nicht leicht. Sie werden von den Fans immer wieder mit den Spielern aus der Bundesliga-Zeit verglichen."

"Großen Clubs bleibt kein Talent mehr verborgen"

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Stefan Beinlich (l.) und Matthias Breitkreutz kamen 1994 von Aston Villa zu Hansa.

Mit Spielern also wie Beinlich oder Matthias Breitkreutz, die die Mecklenburger 1994 für "einen Apfel und ein Ei" vom englischen Club Aston Villa in die Hansestadt lockten. Später bewies Hansa auf dem skandinavischen Markt ein gutes Auge bei Transfers und hielt sich so trotz Standort-Nachteils eine Dekade lang in der deutschen Beletage. Weil aber auch die finanziell weitaus potenteren Vereine irgendwann begannen, peu à peu ihr Scoutingsystem zu optimieren, wurde es für die "Kleinen" wie Hansa zunehmend schwerer, "Rohdiamanten" zu entdecken. "Den großen Clubs bleibt doch kein Talent mehr verborgen. Die wissen doch mittlerweile schon, was Spieler 'XY' irgendwo auf der Welt zum Mittag ist", sagt Beinlich.

DFB-Pokal als große Chance

Dementsprechend sei Rostocks lange Zugehörigkeit zur Eliteliga gar nicht hoch genug zu bewerten: "Hut ab, dass man sich zehn Jahre lange in der Bundesliga gehalten hat. Wir haben hier nicht die Sponsoren, die viel Geld in den Verein stecken können." Hansa müsse "aus beschränkten Mitteln das Optimum herausholen", bemerkt Beinlich und wünscht sich, dass sein Ex-Club in absehbarer Zeit "den Schritt in die Zweite Liga" gehen wird. Ein Erfolg im Pokal-Duell mit der Hertha könnte diesen vielleicht etwas beschleunigen. Denn: "Es ist eine große Chance für den Verein, etwas fürs Image zu tun und natürlich auch etwas zusätzliches Geld einzunehmen."

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 14.08.2017 | 19:30 Uhr

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