Stand: 23.07.2015 16:00 Uhr

96 übt in den Bergen und stapelt tief

Bild vergrößern
Michael Frontzeck lässt den Kapitän wählen.

Man könnte auch Ferien machen in Saalfelden. Bei 27 Grad im Schatten zeigten sich am Donnerstag nur ein paar Wolken am Himmel, als die Fußballer von Hannover 96 in der österreichischen Urlaubs-Idylle am Steinernen Meer ankamen. Für das prächtige Berg-Panorama dürften die Spieler von Trainer Michael Frontzeck in der nächsten Woche allerdings wenig Zeit haben. Auch wenn es der "Retter" der vorigen Saison nach der ebenso kräftezehrenden wie kräftebringenden ersten Vorbereitungsetappe nun etwas ruhiger angehen lassen und sein Team sogar zum Rafting bitten will. "Wir werden das Augenmerk vermehrt auf die Schnellkraft und die Zweikampfführung legen", sagte der 96-Chefcoach zu seinem Terminplan, in dem das erste Pflichtspiel am 9. August im DFB-Pokal bei Regionalligist Hessen Kassel und der Bundesligastart am 15. August bei Aufsteiger Darmstadt 98 dick angestrichen sind.

Startelf-Debüt für Erdinc gegen Hull City

Während die beiden Nachwuchsspieler Tim Dierßen und Timo Königsmann sowie die noch nicht restlos gesunden Hiroshi Kiyotake, Mike-Steven Bähre, Vladimir Rankovic nicht mitdurften nach Österreich, kann sich Mevlüt Erdinc auf sein erstes Spiel von Beginn an bei den "Roten" freuen. "Gegen Hull City spielt er", kündigte Frotzeck an. Der englische Zweitligist ist am Sonntag Testspielgegener, zwei Tage später folgt ein Vergleich mit dem türkischen Erstligisten Caykur Rizespor (beide 17 Uhr), bei dem der Ex-Hannoveraner Deniz Kadarmit spielt. Als sein Dreijahresvertrag endlich perfekt war, durfte Erdinc, der 33-malige türkische Nationalspieler noch einmal zurück zur Familie in St. Etienne und kam gegen RCD Mallorca nur zu einem Kurzeinsatz.

Der 96-Kader für die Saison 2015/2016

Stürmer Sobiech brummt der Schädel

Erdinc, der gegen RCD Mallorca eine halbstündige Premiere feierte, kostete drei Millionen Euro und soll die abgewanderten Top-Stürmer Joselu und Jimmy Briand ersetzen. Im Sturm konkurriert er mit Charlison Benschop, der für 1,5 Millionen Euro aus Düsseldorf gekommen ist und bislang den besten Eindruck hinterlassen hat, sowie dem 21-jährigen Kenan Karaman. Artur Sobiech dürfte seinen Platz sicher haben, vorausgesetzt seine Pechsträhne hat ein Ende. Denn nach gerade überstandener Knieverletzung krachte er beim Fußball-Tennis mit Keeper Samuel Radlinger zusammen und erlitt eine Gehirnerschütterung. Die Reise nach Saalfelden verhinderte das aber nicht.

Kind: "Was wir machen wollten, haben wir gemacht"

Insgesamt hat Hannover zwölf Millionen Euro für sechs Neue ausgegeben. "Das, was wir machen wollten, haben wir gemacht", sagte Clubchef Martin Kind. Neben Erdinc und Benschop holte Sportchef Dirk Dufner noch Felix Klaus, Uffe Bech, Philipp Tschauner und Oliver Sorg, der nach einem leichten Muskelfaserriss im Oberschenkel nur langsam fit wird, aber mit in die Berge kam. Für einen Einsatz in den Testspielen ist es aber wohl noch zu früh. Erst gegen den FC Sunderland am 1. August könnte es reichen. "Wir wollen nichts übers Knie brechen. Ich könnte mir vorstellen, dass er gegen Sunderland wieder auf dem Platz steht", sagte Frontzeck der "Bild"-Zeitung. Der Chilene Miiko Albornoz wird nach seinem Sonderurlaub wegen der Copa América erst am Montag in Österreich erwartet. Dann kann auch der Nachfolger des Richtung Mönchengladbach gewechselten Kapitäns Lars Stindl gewählt werden. Die Entscheidung darf die Mannschaft treffen, hat der Trainer entschieden. Kandidaten sind Abwehrstratege Christian Schulz, der wie Leon Andreasen 32 Jahre alt ist, mit sieben Jahren im Club aber dienstältester Spieler im Kader.

Nationalkeeper Zieler will Kapitän werden

Bild vergrößern
Ron-Robert Zieler will 96-Kapitän werden. Im Hintergrund Club-Boss Martin Kind.

Beste Chancen und auch große Lust auf den Posten des Kapitäns hat auch Weltmeister Ron-Robert Zieler. Der Nationaltorhüter rechnet in der kommenden Spielzeit allerdings nicht damit, dass 96 Bäume ausreißen kann. Eine Europacup-Qualifikation seines Cubs hält er für utopisch: "Wir befinden uns in einem Umbruch, die nächste Saison kann noch einmal schwierig werden. Über Europa brauchen wir gar nicht zu reden. Tabellenplatz acht bis zwölf ist realistisch." Auch Club-Boss Martin Kind hatte zuletzt einen gesicherten Mittelfeldplatz als Ziel ausgegeben. Fragt sich nur, ob es Realismus oder Zweckpessimismus ist nach einer verkorksten Saison, in der sich Hannover erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg in Sicherheit bringen konnte.


Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrages ist uns ein Fehler unterlaufen. Lars Stindl ist zu Borussia Mönchengladbach gewechselt, nicht zu Borussia Dortmund. Die Redaktion bittet für diesen Fehler um Entschuldigung.

Zu- und Abgänge der Bundesliga-Nordclubs

Alle Zu- und Abgänge der vier norddeutschen Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg, Werder Bremen, Hannover 96 und Hamburger SV zur und während der Saison 2015/2016 im Überblick. mehr

Saisonvorbereitung Hannover 96

Ein Turnier im polnischen Lublin, ein Trainingslager in Österreich - so geht Hannover 96 die neue Saison 2015/2016 an. mehr