Stand: 24.01.2016 20:17 Uhr

Hannover 96 am Boden: Es droht der Abstieg

Es hätte so schön sein können für Hannover 96 an diesem kalten Januartag: Sieg beim Debüt von Trainer Thomas Schaaf, mit einem Treffer von Neuzugang Hugo Almeida. Doch da noch nie eine Partie nach einer halben Stunde abgepfiffen wurde, sondern immer noch 90 Minuten dauert, beendeten die "Roten" nach dem 1:2 gegen Aufsteiger Darmstadt 98 den Nachmittag als Tabellen-Schlusslicht in der Fußball-Bundesliga. Die Lage ist ernst in Hannover. Zum einen gilt die Beschwichtigungsformel von der "Momentaufnahme" am 18. Spieltag schon lange nicht mehr, zum anderen ist Hannover nach den bisher gezeigten Leistungen tatsächlich das schlechteste Team der Liga.

Schaaf-Debüt misslingt trotz früher Führung

Überzeugender Auftritt nur in den ersten 30 Minuten

Schaaf gab sich nachsichtig nach seinem Einstand als 96-Coach. "Wir sind auf dem richtigen Weg", betonte der 54-Jährige, räumte aber gleichzeitig ein. "Wenn wir die Leistung aus der Anfangsphase über 90 Minuten zeigen, gehen wir als Sieger vom Platz - mit Sicherheit." Doch über volle 90 Minuten haben die Niedersachsen in dieser Spielzeit erst einmal überzeugt: beim 4:0 gegen Ingolstadt. Als Sandro Wagner für Darmstadt zum 1:1 ausglich, blieb vom Schwung der ersten 30 Minuten nichts mehr übrig bei 96. "Nach dem 1:1 hat man gemerkt, wie sie gezittert haben", kommentierte Wagner trocken - und legte kurz nach der Pause noch einen drauf.

Die Konkurrenz punktet

Bild vergrößern
Sandro Wagner (2.v.l) erzielt das 1:1 für Darmstadt gegen Hannover.

Darmstadt hat nun bereits sieben Punkte Vorsprung auf Hannover. Derzeit ist es schwer vorstellbar, dass 96 diese Lücke noch schließen kann. Wen können die Niedersachsen überhaupt noch hinter sich lassen? Am ehesten wohl den Nordrivalen Werder Bremen, der allerdings am Sonntag auf Schalke gewann, und die "Unentschieden-Könige" von 1899 Hoffenheim. Eintracht Frankfurt hat sich durch den Last-Minute-Sieg gegen den VfL Wolfsburg (3:2) wie Darmstadt 98 erst einmal von den "Roten" abgesetzt.

Verstärkung für die Defensive soll noch geholt werden

Es muss sich schon einiges zum Besseren wenden, damit Schaaf sich am Saisonende tatsächlich als Retter feiern lassen darf. Der Trainer-Routinier arbeitet im laufenden Betrieb daran, seiner Mannschaft eine neue Mentalität zu vermitteln. Sein offensives 4-4-2 mit Mittelfeldraute ist ein komplett anderer Ansatz als der seines übervorsichtigen Vorgängers Michael Frontzeck. Deshalb drängte Schaaf auf Neuverpflichtungen im Sturm, die er mit Almeida und Adam Szalai auch bekam. Dass in der kommenden Woche Verstärkung für die Defensive geholt wird, ist wahrscheinlich. "Ein Schuss Sicherheit würde uns vielleicht noch gut tun", so Schaaf. Auch Sportchef Martin Bader deutete an, noch einmal aktiv zu werden: "Wir haben ja keine Pause mit unseren Planungen gemacht, mit Hochdruck den Kader zu verändern."

"Jede Partie ist ein Endspiel"

Kommende Woche reist Hannover nach Leverkusen, anschließend stehen die Partien gegen Mainz 05 und Dortmund auf dem Programm. 96-Kapitän Christian Schulz mahnte: "Die Spiele werden weniger, die Mannschaften vor uns punkten, es wird bis zum Ende eine heiße Kiste werden." Und auch Keeper Ron-Robert Zieler nahm die Kollegen eindringlich in die Pflicht. "Wir brauchen dringend Punkte. Jede Partie ist für uns ein Endspiel." Falsch liegen beide mit ihren Einschätzungen gewiss nicht.