Der "Macher": Die sportliche und wirtschaftliche Ausnahmestellung des FC Bayern München im deutschen Fußball ist untrennbar mit dem Namen Uli Hoeneß verbunden. Der einstige Mittelfeldspieler aus dem Bayern-Starensemble der 70er-Jahre trug entscheidend dazu bei, dass der deutsche Rekordmeister weltweit zu einer Top-Adresse aufstieg.
Keine Frage: Der gebürtige Schwabe hat an den zahlreichen Erfolgen seines Clubs, aber auch am wirtschaftlichen Aufschwung und der Professionalisierung des Fußballs insgesamt erheblichen Anteil. Mit der Realisierung eines modernen, fußballgerechten Stadions in München erfüllte sich Hoeneß einen Lebenstraum.
Schon als Spieler war Hoeneß überaus ehrgeizig - und gewann nahezu alles, was es im deutschen und auch im internationalen Fußball zu gewinnen gibt.
1970 holte ihn Trainer Udo Lattek zum FC Bayern. Er blieb aber bis zu den Olympischen Spielen 1972 als Mitglied der Olympiamannschaft (Bild) Amateur. Sein Debüt in der A-Nationalelf gab er im März 1972 und war in der Partie gegen Ungarn gleich als Torschütze erfolgreich. Hoeneß avancierte innerhalb kürzester Zeit zu einem internationalen Top-Spieler.
Titelsammlung: Hoeneß gehörte 1972 zum Europameister- und 1974 zum Weltmeister-Team. Im Bild die WM-Helden bei einem Treffen 2004 mit Hoeneß oben links.
Bitterer Moment: 1976 drosch Hoeneß im EM-Finale gegen die Tschechoslowakei beim Stand von 3:4 den vierten Elfmeter in den Belgrader Abendhimmel. Dennoch ist die Liste der Erfolge lang: Mit den Bayern wurde Hoeneß dreimal in Folge deutscher Meister und ebenfalls dreimal in Folge Europacupsieger, DFB-Pokalsieger und Weltpokalsieger.
Doch sein kräftezehrendes Spiel forderte schnell Tribut: Nachdem seine internationale Laufbahn 1976 bereits mit 24 Jahren geendet hatte, erlebte er 1979 nach zahlreichen Verletzungen und einem misslungenen Comeback-Versuch in Nürnberg einen sang- und klanglosen sportlichen Abschied von der Bundesligabühne.
Im Mai 1979 wurde Hoeneß - hier rechts an seinem dritten Arbeitstag - mit 27 Jahren Manager des FC Bayern und damit jüngster Bundesliga-Manager aller Zeiten.
Im Februar 1982 entging Uli Hoeneß nur knapp dem Tod. Schlafend überlebte er wie durch ein Wunder den Absturz eines Sportflugzeuges, bei dem die drei übrigen Insassen ums Leben kamen. "Da ist der Sonnyboy in mir gestorben", konstatierte er. Ein zweites Mal geriet er 1992 in Gefahr, als eine lebensbedrohliche Darmoperation vorgenommen werden musste.
Hoeneß - hier 1999 auf der Bayern-Bank - nahm seine Manager-Tätigkeit auf, als der Verein in einer sportlichen und wirtschaftlichen Krise steckte. Er arbeitete sich schnell ein und sorgte für eine professionellere Ausrichtung des Vereins in allen Bereichen.
Bahnbrechend sind Hoeneß' Aktivitäten auf dem Feld der Vermarktung. Der Manager - hier 2009 mit dem Bambi in der Kategorie Wirtschaft - war im Bereich Fanartikel Vorreiter für die gesamte Liga. Das Sponsoring wurde zur wichtigsten wirtschaftlichen Säule des Vereins. Die Eintrittsgelder machen mittlerweile nur noch einen Bruchteil der Einnahmen aus.
Allerdings war Hoeneß nie uneingeschränkt beliebt: An dem am 5. Januar 1952 in Ulm geborenen Quer- und Vordenker scheiden sich die Geister.
Für die einen ist der "gelegentliche Choleriker" das Sinnbild eiskalter Berechnung, für andere ein gefühlsbetonter, nachdenklicher Typ.
Hoeneß verkörperte oft die "Abteilung Attacke" des FCB, forderte den Unmut der Konkurrenz heraus: So sprach er sich für die Konzentrierung der besten deutschen Spieler in zwei, drei Clubs aus oder forderte beim Thema Fernsehgelder einen größeren Anteil für seinen. Das Motto: "Ich bin nicht dem Fußball verantwortlich, sondern dem FC Bayern."
Doch auch das ist Hoeneß: Der vermeintlich eiskalte Manager, hier beim "Retter-Spiel" für den FC St. Pauli 2003, ist sozial engagiert, hängt dies allerdings nicht an die große Glocke. Seine Maxime: "Nicht nach oben buckeln und nach unten treten."
Offen und ehrlich, aber auch verständig: Für die Spieler hat Hoeneß immer ein offenes Ohr.
Harter Realist, aber auch ein sentimentaler Kerl: Hoeneß verabschiedete Coach Ottmar Hitzfeld 2008 unter Tränen.
Nachfolger von Hitzfeld wurde auch auf Betreiben von Hoeneß sensationell Jürgen Klinsmann. Doch der Coup hielt nicht, was er versprach: Im April 2009 trennte sich der FC Bayern fünf Spieltage vor Saisonende vom ehemaligen DFB-Coach. Bitter auch für Hoeneß, der in ungewohnte Erklärungsnot geraten war.
Apropos bitter: Eine zentrale Rolle spielte Hoeneß 2000 in der Kokain-Affäre um Christoph Daum. Er forderte, den Gerüchten um Daums Kokain-Konsum müsse nachgegangen werden. Nachdem der designierte Bundestrainer eine Haarprobe vornehmen ließ und seine Unschuld damit festzustehen schien, geriet Hoeneß in die Defensive. Das Ende ist bekannt.
Starke Frau im Hintergrund: Uli Hoeneß mit Gattin Susanne. "Ich weiß, dass ich das, was ich bin, nie ohne meine Frau geworden wäre", so Hoeneß. Er sei stolz darauf, dass über sein Privatleben nichts in der Zeitung stehe.
Seit 1972 ist Hoeneß mit seiner Jugendfreundin verheiratet und hat mit ihr zwei erwachsene Kinder, Sabine und Florian.
Sohn Florian ist Geschäftsführer von Hoeneß' Fabrik für Rostbratwürste in Nürnberg. Wirtschaftlich ist Hoeneß, zudem Inhaber von Immobilien und Wertpapieren, nach eigener Einschätzung "total unabhängig".
Familienbande: Uli Hoeneß' ein Jahr jüngerer Bruder Dieter wurde ebenfalls Fußballprofi und Nationalspieler. Nach der aktiven Karriere war er unter anderem Manager beim VfL Wolfsburg.
Beim Tennis und Golfen entspannt Uli Hoeneß, dessen Geschäftssinn und Bereitschaft zu harter Arbeit sich schon früh abzeichneten. Schon als Schüler war der Sohn eines Metzgermeisters Klassenprimus, Musterschüler und Multitalent.
Nach 30 Jahren nahm Hoeneß 2009 als Bayern-Manager den Hut. Doch seinem Club blieb er treu. Im November trat er die Nachfolge von Franz Beckenbauer als Präsident an. Auch als Aufsichtsratsvorsitzenden beerbte er den "Kaiser". "Wenn nicht mehr FC Bayern, dann nie mehr Fußball", so Hoeneß.
Jede Menge Meriten: In der Manager-Ära Hoeneß gewann der FC Bayern 15 Mal die deutsche Meisterschaft (Bild: 2006), achtmal den DFB-Pokal, 1996 den UEFA-Pokal und 2001 die Champions League.
Da war ja noch was
Das hatte ich schon ganz vergessen. Den Bayern hätte in ihrer Historie ganz schön was gefehlt... [mehr]