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Zweifel an Drygalla-Aussage bleiben

von Patrick Gensing, tagesschau.de

Nadja Drygalla © Witters Fotograf: Witters Detailansicht des Bildes Nach tagelangem Schweigen sagte Ruderin Drygalla, sie habe keine Verbindungen in die rechte Szene gehabt. Die wegen ihrer Beziehung zu einem führenden Mitglied der Neonazi-Szene in die Kritik geratene Ruderin Nadja Drygalla hat am Wochenende nach tagelangem Schweigen die Flucht nach vorn gesucht. "Ich habe keine Verbindung in diese Szene gehabt und lehne das absolut ab", sagte die 23-Jährige aus Rostock der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" berichtet, Drygalla selbst solle eng mit der rechten Szene verbunden gewesen sein; die Zeitung präsentierte als vermeintlichen Beweis ein unscharfes Foto der "Nationalen Sozialisten Rostock" von einer Neonazi-Aktion in Malchow. Darauf ist unter anderem eine blonde Frau zu sehen, die in Größe und Statur Drygalla sein könnte - Szenekenner aus Rostock zeigten sich im Gespräch allerdings verwundert über den Zeitungsbericht, auf dem Bild sei auf keinen Fall eindeutig zu erkennen, wer diese Person sei.

Rückenwind für die Ruderin also. Im Gespräch mit der dpa behauptet Drygalla zudem, ihr Freund Michael Fischer, im Jahr 2011 Direktkandidat der NPD zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, sei seit Mai dieses Jahres kein Parteimitglied mehr. Das bestätigte die NPD am Montag auch. Die Ruderin betont zudem, dass sich Fischer von der rechtsradikalen Szene losgesagt hat. Ihr Freund habe "persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet", beteuert Drygalla.

Nichts von einem Ausstieg bekannt

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Diese Darstellung erscheint zumindest zweifelhaft. Bei Beobachtern war bislang nichts bekannt über einen Ausstieg Fischers. Der Abschied einer Szene-Größe wäre in Rostock sicherlich aufgefallen und Gesprächsthema gewesen. Zudem veröffentlichte Fischer noch am 16. Juni 2012 auf einer NPD-nahen Internet-Seite einen Artikel. Auf dem Portal, das von dem NPD-Abgeordneten David Petereit verantwortet wird, wurde Fischer noch vor wenigen Tagen als "Rostocker Nationalist" bezeichnet - von einem Bruch mit der Szene ist nichts zu lesen, obgleich Aussteiger zumeist höchst aggressiv attackiert werden. Fraglich auch, ob Fischer noch als Redaktionsmitglied geführt würde, hätte er sich aus der Szene verabschiedet.

Fischer bezieht Stellung

Fischer räumte in einem Gespräch mit der dpa mittlerweile ein, er habe seine Kontakte in die Szene mit seinem Austritt nicht unmittelbar beendet. Zu seinem Artikel auf der rechtsextremen Seite sagte er, im Nachhinein sehe das "doof aus". In Zukunft wolle er nicht mehr für die Seite schreiben.

 

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Nichts deutete bislang auf einen Ausstieg Fischers hin: Der Landesverband der NPD bezeichnete ihn jüngst als "nationalen Aktivisten", auf der Seite der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" wurde er vor wenigen Tagen sogar als "Mitglied" geführt. In Szene-Foren sehen die Kommentatoren Fischer offenbar als ihren Kameraden, von einem Ausstieg ist nirgendwo auch nur andeutungsweise die Rede.

Der Ausstieg wäre zudem abrupt gewesen: So war Fischer nach Angaben von Augenzeugen noch im Februar 2012 an einer Aktion von Neonazis gegen eine Gedenkveranstaltung für das NSU-Opfer Mehmet Turgut beteiligt. Fotos sollen das belegen. Zudem wurde er von Beobachtern im Mai noch bei Neonazi-Veranstaltungen gesehen - uns vorliegende Bilder belegen dies.

Spuren im Netz

Kommentar

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Damit nicht genug: Fischer ist bis heute Inhaber der Internet-Domain NSRostock.de, die lange Zeit als Homepage der Kameradschaft "Nationale Sozialisten Rostock" genutzt wurde. Heute ist die Seite der Kameradschaft über eine Adresse mit der Endung ".org" zu erreichen, was einen anonymen Betrieb der Hetzseite ermöglicht. Doch eine Recherche im Netz zeigt: Fischers Seite NSRostock.de, die aktuelle Seite der Rostocker Kameradschaft sowie eine NPD-Seite sind unter der gleichen IP-Adresse zu finden.

Fraglich auch, warum Drygalla erst nach mehreren Tagen behauptet, Fischer habe gar nichts mehr mit der Neonazi-Szene zu tun. Die Ruderin betont nun, sie habe ihrem Freund just vor den Olympischen Spielen noch einmal klar gemacht, dass "es so nicht weiter laufen" könne. Im vergangenen Jahr war sie für ihn noch freiwillig aus dem Polizeidienst ausgetreten. Es habe damals Gespräche mit ihren Vorgesetzten gegeben, "in denen auch die Beziehung thematisiert und an meiner Loyalität gegenüber dem Polizeidienst gezweifelt wurde", sagte Drygalla.

Trotz der Bestätigung, dass Fischer nicht mehr in der NPD ist, bleiben Zweifel daran, dass er mit der Neonazi-Szene und der rassistischen Ideologie gebrochen hat.

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