Stand: 11.11.2017 12:15 Uhr

Werder: Kohfeldt Chef, weil Top-Trainer absagten

von Florian Neuhauss, NDR.de

"Wir haben uns unter ganz vielen möglichen Optionen ganz bewusst für Florian entschieden." Frank Baumann ist am Tag nach der Beförderung von Florian Kohfeldt zum Cheftrainer von Werder Bremen vor die Presse getreten. Der Geschäftsführer wollte die Entscheidung für den vormaligen U23-Coach erklären, gab dabei aber auch unumwunden zu, dass der 35-Jährige nicht die erste Wahl gewesen ist: "Natürlich kann man sagen, dass es bessere Möglichkeiten gegeben hat, vielleicht auch bessere Trainer für unsere Situation interessant gewesen wären. Da gibt es aber nicht viele. Das waren zwei bis drei." Bei diesen "Top-Lösungen" habe sich Werder Absagen abgeholt - und stempelte Kohfeldt damit maximal zur 1B-Lösung für den noch sieglosen Tabellenvorletzten.

"Es geht nicht darum, schönen Fußball zu spielen"

Nach der Beurlaubung von Alexander Nouri haben die Bremer einmal mehr den Trainer ihrer zweiten Mannschaft befördert: Schon Thomas Schaaf (1999 bis 2013), Viktor Skripnik (2014 bis 2016) und eben Nouri (2016 bis 2017) hatten diesen Weg beschritten. Anders als bei seinen Vorgängern bleibt Kohfeldt allerdings (zunächst) eine Übergangslösung: Chef "mindestens bis zur Winterpause". Der Neue erhält "die Zeit, seine Vorstellungen auch im Detail mit der Mannschaft umzusetzen". Die Hintertür für den Fall, dass das nicht zum Erfolg führt, hat Werder sich allerdings gleich offengehalten.

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Beim abstiegsbedrohten Bundesligisten Werder Bremen ist in der Trainerfrage eine Entscheidung gefallen. Florian Kohfeldt ist mindestens bis zur Winterpause Chefcoach des Teams. mehr

"Wir müssen unsere Leistung insgesamt verbessern und diese in Punkte ummünzen. Da haben wir nicht viel Zeit und da geht es auch nicht darum, schönen Fußball zu spielen", verdeutlichte Baumann am Sonnabend bereits die Marschrichtung, um nachzuschieben: "Aber wir haben die klare Überzeugung, dass die Wahrscheinlichkeit auf Punkte größer wird, wenn wir uns taktisch und spielerisch verbessern." Das Team hatte in der bisher einzigen Partie unter Kohfeldt am vergangenen Sonnabend zwar gut gespielt, am Ende aber auch in Frankfurt (1:2) verloren.

Taktisch flexibel mit schnellen Außen

Kohfeldt hatte Anfang Oktober 2016 die U23 von Nouri übernommen, als dieser zu den Profis aufgestiegen war. Von Rang 17 führte er das Team zum Klassenerhalt. In insgesamt 42 Ligaspielen holte Werder II unter Kohfeldt zwölf Siege und 14 Unentschieden.

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Florian Kohfeldt (l.) gehörte zum Trainerteam von Viktor Skripnik.

In der Dritten Liga stellte er taktisch flexibel auf: Neben einem 3-6-1- und einem 4-1-4-1-System ließ er auch schon mal im 4-3-3 stürmen. In seinen Überlegungen wichtig sind besonders schnelle Spieler auf der Außenbahn, um aus einer sicheren Defensive umzuschalten. Der 35-Jährige legt nämlich großen Wert auf Ordnung.

Der frühere Torhüter ist bereits seit 2001 in verschiedenen Positionen bei den Grün-Weißen beschäftigt. In der Saison 2014/2015 war er Co-Trainer unter Skripnik. 2015 machte Kohfeldt als Jahrgangsbester seinen Trainerschein. Als Skripnik gehen musste, ging zwar auch Kohfeldt. Allerdings nur, um wenig später Nachfolger von Nouri als U23-Trainer zu werden.

Die Liste war sehr lang - Wunschlösungen sagten ab

Der Verein hält große Stücke auf den 35-Jährigen. Und doch waren Baumann, seine Geschäftsführerkollegen und der Aufsichtsrat offenbar nicht vollends überzeugt. Auf der "sehr großen Liste" hätten junge und alte Trainer, Top-Lösungen, Trainer mit Bundesliga-Erfahrung und aus dem Ausland gestanden. Die Suche erstreckte sich bis nach Südamerika. Ganz oben auf der Liste standen laut Medienberichten Lucien Favre (OGC Nizza), die vereinslosen Thomas Tuchel und Bruno Labbadia, die sich gegen Werder entschieden haben sollen, sowie Adi Hütter. Der Österreicher verlängerte seinen Vertrag bei den Young Boys Bern.

Torhüter Pavlenka als gutes Omen?

Dass die Hanseaten nun keine ihrer Wunschlösungen umsetzen konnten, findet Baumann "nicht schlimm" und verdeutlicht das an einem Beispiel: "Auch Jiri Pavlenka war nur unsere vierte Wahl. Weil wir Neuer, ter Stegen und Leno nicht bekommen haben. Damit kann man das vergleichen." Wenn das zutrifft, braucht sich bei Werder niemand Sorgen machen. Der Tscheche ist seit dem Sommer Werders Nummer eins und ein sehr sicherer Rückhalt.

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