Stand: 13.09.2017 09:36 Uhr

Wenn aus Fußballerinnen Männer werden

von Ina Kast und Anne Strauch

Fabian und Marino kamen als Mädchen zur Welt, nun aber wollen sie Männer werden. Beide spielen Fußball, bis dato in Frauenteams. Wie geht es jetzt weiter?

"Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge", sagt Torwart Fabian im Juni 2016 bei seinem letzten Training mit den Fußballerinnen von Grün-Weiß Eimsbüttel. Zu diesem Zeitpunkt nimmt Fabian, der früher Cindy hieß, bereits seit einem halben Jahr das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Das Hormon lässt Barthaare sprießen, Muskeln wachsen und die Stimme tiefer werden. Die Entscheidung, sich auf den Weg hin zum Männerkörper zu begeben, bedeutet auch, sich vom Frauenfußball zu verabschieden. "Ich mag die Mädels hier sehr, aber ich fühle mich nicht mehr ganz zugehörig", sagt er. Wenige Monate zuvor hatte er sich vor seinen Teamkolleginnen als Transmann geoutet.

Marino (l.) und Fabian (r.) haben sich in den Frauenfußballteams von Grün-Weiß Eimsbüttel kennengelernt. © NDR/Ina Kast, honorarfrei

Wenn aus Fußballerinnen Männer werden

Sportclub -

Von der ersten Testosteronspritze bis zur Brustoperation: zwei Transsexuelle auf dem Weg zu ihrer neuen Identität. Die Sportclub Story hat beide begleitet.

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Das Outing: Der Hahn im Korb im Frauenteam

Fast zeitgleich gesteht auch Stürmer Marino seinem Frauenteam, dass er als Mann leben will. Der 22-Jährige spielt ebenfalls für GW Eimsbüttel, allerdings in einer anderen Mannschaft als Fabian. "Die Mädels stehen alle hinter mir und sind gespannt auf meine Entwicklung", berichtet Marino vor anderthalb Jahren. Der Start in sein neues Leben beginnt am 28. Juni 2016: An diesem Tag bekommt er seine erste Testosteronspritze. "Nun kann ich nach außen tragen, was ich schon immer gefühlt habe: Ich bin ein Mann", sagt Marino damals.

Hoher Besuch beim letzten Spiel

Ende September 2016 bestreitet Marino sein letztes Punktspiel für das Frauenteam. Und eine prominente Zuschauerin ist extra gekommen: Hannelore Ratzeburg, DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball. Sie zollt Marino großen Respekt für seine Entscheidung, nicht länger in einem Frauenkörper leben zu wollen. "Es ist bestimmt eine schwierige Sache, sich so zu entscheiden, aber wenn man sein ganzes Leben unglücklich lebt, ist das auch keine Option", sagt Ratzeburg. Auf die Frage, wie lange Marino überhaupt noch bei den Frauen auflaufen darf, antwortet Ratzeburg: "Solange im Personalausweis noch das weibliche Geschlecht und der weibliche Vorname stehen, ist Marino spielberechtigt."

Ist Marino gedopt?

"Ich hätte noch eine weitere Halbzeit dranhängen können und treffe nun sogar das Tor", sagt Marino mit einem breiten Grinsen nach seinem letzten Punktspiel über die Wirkung des männlichen Geschlechtshormons. Im Profisport gilt die Einnahme von Testosteron als Doping. Im Amateursport allerdings finden keine Kontrollen statt. "Ich weiß nicht, ob er gedopt ist. Das müsste man mal diskutieren, aber ich finde, man sollte da jetzt kein Drama draus machen", meint Ratzeburg. Schließlich sei der Zeitraum zwischen den ersten Testosteronspritzen und der Änderung des Geschlechts im Personalausweis überschaubar. Wenn im Pass das männliche Geschlecht steht, könne Marino irgendwann für die Männermannschaft auflaufen. "Man muss sich aber nicht im Fußball entscheiden, ob man Mann oder Frau ist, sondern im Leben", so die 66-Jährige. Von gemischten Frauen- und Männermannschaften im Ligabetrieb hält Ratzeburg wenig, weil das Kräfteverhältnis zu unterschiedlich sei.

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Ein Jahr später hat Marino bereits sein erstes Probetraining bei den Männern von GW Eimsbüttel hinter sich gebracht. "Es ist anstrengender als bei den Frauen, aber es macht Spaß", sagt Marino. Fabian hat seine Fußballschuhe vorerst an den Nagel gehängt: "Wenn ich jemals wieder bei den Männern spielen sollte, dann als komplett fertiger Mann, sodass ich mich nicht mehr als Transmann outen muss." Seine Brust-OP hat er gut überstanden. Im kommenden Jahr sollen Gebärmutter und Eierstöcke entnommen werden. Marino und Fabian hätten eines Tages auch gern einen Penis. Medizinisch ist das möglich. "Dazu wird Haut vom Unterarm oder dem Oberschenkel entnommen - mit dem Penis kann ich dann alles außer Kinder zeugen", erklärt Fabian. Der 30-Jährige hofft, dass er die durchaus risikoreichen Operationen gut verkraftet: "Am Ziel angekommen bin ich, wenn ich irgendwann vergesse, dass ich nicht immer ein Fabian, sondern auch mal eine Cindy war."

Wie Marino und Fabian Männer werden

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 17.09.2017 | 23:35 Uhr

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