Ein Land aus Mooren, Flüssen und Wiesen
Viele Rad- und Wasserwanderwege erschließen das Emsland für Urlauber. mehr
Spektakel bei jedem Wetter: Das Auslaufen der Ozeanriesen lockt regelmäßig Tausende Besucher an.
Mehrmals im Jahr fallen Tausende Schaulustige ins beschauliche Papenburg ein. So viele, dass das größte Unternehmen vor Ort extra einen Parkplatz für Wohnmobile auf seinem Werksgelände ausweist. Denn schließlich kommen die Touristen, um die Produkte der Meyer Werft GmbH zu sehen. Sie wollen dabei sein, wenn turmhohe Kreuzfahrtschiffe die Meyer Werft verlassen und durchs flache Land die Ems hinab gen Meer gleiten, mit kaum mehr als ein paar Handbreit Wasser unterm Kiel.
Die im Oktober 2010 vom Stapel gelaufene "Disney Dream" ist das bisher größte in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff.
Seit 1795 baut Meyer Schiffe in Papenburg, und seitdem ist das Unternehmen in Familienhand. Zunächst waren es Holzkähne, ab 1874 dank eigener Gießerei und Maschinenfabrik dampfbetriebene Eisenschiffe. Nach der Eröffnung einer neuen Seeschleuse 1902 konnte die Meyer Werft auch größere Wasserfahrzeuge bauen. Aber erst in den 70er-Jahren verlegte die Werft ihren Standort auf ein neues Gelände am Stadtrand. Dort stehen heute zwei riesige Baudocks, in denen die bis zu 340 Meter langen Ozeanriesen auf Kiel gelegt werden. Erst Ende 2008 wurde das zweite Baudock um 120 Meter auf eine Gesamtlänge von einem halben Kilometer verlängert
1986 lief bei Meyer das erste Kreuzfahrtschiff vom Stapel. Seitdem ist die Werft auf die luxuriösen Ozeanriesen spezialisiert. Außerdem baut sie Fähren und Passagierschiffe, vor allem für Indonesien, Spezialfrachter sowie Gastanker. Der Grund für die Spezialisierung: Bei großen Standardfrachtern können die Schiffbauer im Emsland nicht mit südostasiatischen Konkurrenten mithalten, die Schiffe günstig in Serie produzieren.
Die Überführung der Ozeanriesen ist in der engen Fahrrinne der Ems spektakuläre Millimeterarbeit.
Die Entscheidung für Kreuzfahrtschiffe erwies sich insgesamt als richtig: War Anfang der 90er-Jahre noch Kurzarbeit angesagt, stellte Meyer bald kräftig ein. 2001 wurde das zweite Baudock fertiggestellt - die größte Investition in der Firmengeschichte. Auch eine kurze Flaute im Jahr 2001 überstanden die Papenburger. Mit rund 2.500 Mitarbeitern ist die Meyer Werft der größte Arbeitgeber der Region. Hinzu kommen Zulieferbetriebe mit rund 5.000 Beschäftigen - bereits jetzt werden 75 Prozent der Schiffsausstattung extern produziert und komplett geliefert. Und nicht zuletzt ist die Werft ein Faktor für den Tourismus: Hunderttausende Gäste besuchen regelmäßig den Schiffbauer und die Stadt.
Sorgt für ausreichend Wasser unterm Kiel und ist deswegen bei Umweltschützern umstritten - das Emssperrwerk Gandersum bei Leer.
Welche Bedeutung die Werft für Niedersachsen hat, zeigt auch das im September 2002 fertig gestellte Emssperrwerk Gandersum bei Leer. Von Bund und Land finanziert, schützt es offiziell das Landesinnere vor Sturmfluten. Vor allem profitiert jedoch die Meyer Werft: Nur wenn die Ems aufgestaut wird, können die größten Schiffe der Werft von Papenburg aus problemlos das Meer erreichen. Sonst müsste der Fluss ausgebaggert werden. Erstmals wurde die Ems für die Überführung der "Norwegian Dawn" aufgestaut. Umweltschützer hatten vergeblich versucht, den Bau zu verhindern und protestieren weiter. Sie befürchten schwere ökologische Schäden durch das Sperrwerk.
Bis 2012 ist die Werft nach eigenen Angaben voll ausgelastet. Neben der "Disney Dream" und ihrem Schwesterschiff, vier weiteren Mitgliedern der AIDA-Familie werden außerdem noch vier Schiffe der Post-PanMax-Klasse entstehen. Der Auftragswert beläuft sich auf 4,5 Milliarden Euro. Ein weiterer Großauftrag stammt aus Norwegen: Ende Oktober hat die Reederei Norwegian Cruise Line zwei Kreuzfahrtschiffe für 1,2 Milliarden Euro geordert. Auslieferungstermin ist Frühjahr 2013 und 2014. Die Ozeanriesen werden dann die größten in Deutschland gebauten Kreuzfahrtschiffe sein und den bisherigen Spitzenreiter, die "Disney Dream", ablösen.