Kersten Mügge
Eine Kurz-Vita des NDR Info Reporters. mehr
Schäfer Wendelin Schmücker hofft, dass möglichst viele seiner Lämmer in den kommenden Wochen gesund zur Welt kommen.
Die Zahlen steigen von Tag zu Tag: Immer mehr Lämmer werden tot oder verkrüppelt geboren. Die Mutterschafe hatten sich im vergangenen Sommer über Mücken mit dem Schmallenberg-Virus infiziert und dieses dann während der Schwangerschaft auf die Lämmer übertragen. Für Schäfer wie Wendelin Schmücker aus Winsen an der Luhe heißt das jetzt, dass sie bei jeder Geburt hoffen, dass ein gesundes Lamm zur Welt kommt.
Im Moment aber stehen in Schmückers Stall zwei gesunde Lämmer: dunkelbraune Schnauze, dunkelbraune Beine, graubrauner Flaum. Sie sind zwei Tage alt, reichen ihrer Mutter schon bis zum wolligen Bauch und bauen gerade ihre Mutter-Kind-Beziehung auf. In dem Stall stehen insgesamt 480 Muttertiere, die alle in den vergangenen Wochen Junge bekommen haben. An manchen Tagen erblicken schon mal 30 Lämmer das dämmrige Stalllicht.
Aber nicht alle kommen zurzeit gesund zur Welt. Nur wenige Stunden zuvor brachte ein Muttertier ein verkrüppeltes Lamm zur Welt, die Folgen des Schmallenbeg-Virus. Schmücker muss schlucken: "Da kann man nicht einfach so drüber hinweggehen, weil das einen schon emotional bindet. Man hat ja auch eine Beziehung zu seinen Tieren. Und man kann nichts tun während der Trächtigkeitsphase. Auch wenn man weiß, dass es so ist."
Das Schmallenberg-Virus wird während der Schwangerschaft von den Muttertieren auf die Lämmer übertragen.
Für den Schäfer war es nicht der erste Fall auf seinem Hof. Bislang sind es 52 Lämmer mit dem Schmallenberg-Virus - 52 Tiere mit verkrümmten Beinen und Wirbelsäulen. Bei allen diesen Geburten war Schmücker dabei: "Bei diesen Schmallenberg-Geburten muss man die meiste Zeit helfen, weil die Mutter das nicht selbst rausbekommt. Das Lamm ist einfach zu verbogen, es ist zu verwachsen, dass sie es allein zur Welt bringen würde. Die Mutter kann bei so einer Geburt auch sterben."
Vom Betrieb des Berufsschäfers leben zwei Familien. In vier Monaten werden die jetzt geborenen Lämmer geschlachtet, das ist seine wichtigste Einnahmequelle. Pro Tier macht er etwa 20 Euro Gewinn, mit jedem Schmallenberg-Lamm wird er in diesem Jahr also weniger Geld verdienen: "Das ist sehr schwierig, weil man ja noch nicht weiß, was die Zukunft bringen wird und wie sich das bei der nächsten Ablammung im April auswirken wird. Dann geht es schon soweit, dass der Betrieb auf der Kippe stehen wird."
Selbst wenn ihm die Tierseuchenkasse jetzt den Schaden ersetzen würde, wäre das keine Hilfe. Denn die Folge wäre, dass er im kommenden Jahr eine höhere Prämie in die Kasse einzahlen müsste. Schmücker wünscht sich eine Sonderregelung der Europäischen Kommission, weil nicht nur Deutschland, sondern auch die Niederlande, Belgien und Großbritannien betroffen seien. Er stellt sich einen Fonds vor, aus dem den Tierhaltern geholfen wird, damit sie am Ende nicht auf den Kosten sitzenbleiben.
Allein in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind bislang zusammen 91 Schaf-, Ziegen- und Rinderhalter betroffen. In den nächsten Monaten könnte die Zahl weiter steigen, denn viele Kälber werden erst dann geboren. Auf Schmückers Hofe bekommen im April noch einmal 220 Schafe Nachwuchs. Wie viele Lämmer davon gesund zur Welt kommen, weiß er nicht. Nur, dass er bis dahin das Schmallenberg-Virus nicht stoppen kann, denn einen Impfstoff wird es frühestens im kommenden Jahr geben.