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Knochenarbeit: Reenhard Kluge (r.) und seine Frau Heidi Strunk setzen das Walskelett zusammen.
Von einzelnen Knochen bis zum großen Ausstellungsstück: Das Multimar Wattforum im schleswig-holsteinischen Tönning ist um eine Attraktion reicher. Aus exakt 153 Teilen setzten Reenhard Kluge und seine Frau Heidi Strunk aus Bremerhaven einen Zwergwal zusammen und brachten ihn kunstvoll in Form. Drei Tage lang bastelten und montierten die beiden Tierpräparatoren, ehe es gestern Abend soweit war: Jetzt hängt das 150 Kilogramm schwere Wal-Skelett an dünnen, kaum sichtbaren Stahlseilen an der Decke - gleich neben einem riesigen Pottwalskelett, das bereits seit zehn Jahren Teil der Ausstellung im Nationalpark-Zentrum ist.
Aus Hunderten von Teilen haben Experten im Walhaus des Multimar Wattforums in Tönning ein Walskelett zusammengesetzt. Sehen Sie hier den Aufbau im Zeitraffer. (Musik: "Parametaphoriquement" von gmz)
Der Kadaver des knapp sieben Meter langen Meeressäuger war im vergangenen August vor der Nordseeinsel Sylt gefunden worden. Anschließend begann Kluge, die Knochen zu entfleischen, zu entwässern und zu entölen. Dafür brauchte er viel Zeit, große Stahlwannen, warmes Seifenwasser - und eine unempfindliche Nase. "Alles wird von Fäulnisbakterien zersetzt, und das stinkt ziemlich", erzählte er. Für die Aufweichung des Gewebes nutzte der Präparator große Wurstkessel. "Die haben gerade die passende Größe für einen Zwergwal", sagte Kluge. Meterhohe Tauchsieder hielten die Temperatur der Seifenlauge bei konstant 52 bis 53 Grad.
Dann folgte mühsame Kleinarbeit: Das Skelett musste montiert werden. Für Laien ein kompliziertes Puzzle, nicht aber für Kluge und seine Frau. Die beiden Tierpräparatoren waren am Freitagvormittag am Multimar Wattforum angekommen. Im Auto gut verstaut: viele Kartons mit den Skelett-Teilen. Halbfertige Teile, die gerade so lang sind, dass sie noch in einen Wagen passten. Nur der Schädel blieb komplett.
Wale werden in Zahn- und Bartenwale unterschieden. Zahnwale - wie beispielsweise der Pottwal - packen ihre Beute mit den Zähnen. Dagegen fangen Bartenwale Schwarmfische, Krill oder Plankton mit Hilfe von großen, zerfransten Hornplatten im Oberkiefer, den sogenannten Barten. Zu den Bartenwalen gehört auch der Zwergwal.
"Das Zwergwalskelett vervollständigt die Walausstellung im Multimar Wattforum", freute sich Eckehard Bockwoldt vom Multimar Wattforum. "Es zeigt im Vergleich zum Pottwal und den im Wattenmeer lebenden Schweinswalen, wie unterschiedlich sich Zahn- und Bartenwale ernähren." In der Nordsee leben rund 9.000 Zwergwale. Sie sind die kleinsten der sogenannten Bartenwale. Aber was heißt klein: Ausgewachsen sind Zwergwale fast so groß wie ein Lastwagen.