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Acht Jahre nach der Fusion der Universitätskliniken Lübeck und Kiel stehen die Zeichen auf Trennung.
Acht Jahre nach der Fusion der Universitätskliniken Lübeck und Kiel zum Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) stehen die Zeichen auf Trennung. Der Wissenschaftsrat hat am Freitagmittag sein 200-Seiten-Gutachten vorgelegt. In dem Abschlussbericht empfehlen die Experten den Zusammenschluss der beiden Standorte rückgängig zu machen. Die Fusion habe nichts gebracht, hieß es. Nach Ansicht des Rates - der 2003 die Verschmelzung der beiden Kliniken befürwortet hatte - sollen die Kliniken Kiel und Lübeck künftig weitgehend autonom arbeiten, als eigenständige Partner unter einem gemeinsamen Dach.
Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) ist mit diesen Ergebnissen sehr zufrieden. Er kündigte an, mit den beiden Universitäten, den medizinischen Fakultäten, dem Universitätsrat und dem UKSH gemeinsam Schlussfolgerungen aus den Empfehlungen des Wissenschaftsrates ziehen zu wollen. Er will aber auch prüfen, ob eine Umsetzung der Ratschläge negative wirtschaftliche Auswirkungen haben kann. Der Rat gilt als höchstes wissenschaftliches Gremium, dessen Empfehlungen großes Gewicht haben. Mit dem Eckpunktepapier geben die Experten der schwarz-gelben Landesregierung eine Richtung vor, die aber für die Politik nicht bindend ist.
In einem Brief hatte vor einigen Wochen der UKSH-Vorstand um Jens Scholz massive Kritik an den öffentlich bekannt gewordenen Empfehlungen des Rates geübt. Scholz verwies auf Einsparvolumen von jährlich 20 Millionen Euro und bezeichnete eine Defusion als volkswirtschaftlichen Unsinn. Außerdem warnte er vor einer Konkurrenz zweier "dann drittklassiger" Unikliniken.
Es besteht jedoch Handlungsbedarf, denn das Klinikum mit seinen rund 10.000 Mitarbeitern leidet an einem Investitionsstau. Mehr als 700 Millionen Euro müssten nach Regierungsangaben in den nächsten zehn Jahren in das Klinikum gesteckt werden. Geld, das Schleswig-Holstein nicht hat. Einige Gebäude seien baufällig und die Technik teilweise nicht mehr auf dem neuesten Stand, hieß es.
Die Landesregierung hatte aus diesem Grund ein dreimonatiges Markterkundungsverfahren in Auftrag gegeben. Es sollte Auskunft darüber geben, ob es Interessenten für eine Teilprivatisierung oder eine völlige Privatisierung des vom Land getragenen Universitätsklinikums gibt. Insgesamt 17 Interessenten reichten ihre Konzepte ein - darunter Klinik-Ketten, Medizintechnik-Firmen, Baukonzerne sowie Banken. Sie wären bereit, Millionen in die notwendigen Neu- und Umbauten des UKSH zu stecken. Die Auswirkungen des Gutachtens auf das laufende Markterkundungsverfahren für das UKSH würden geprüft, sagte de Jager am Freitag. Das Wissenschaftsministerium kündigte an, die Ratschläge nach der Sommerpause auszuwerten. Das UKSH wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben.