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Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

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In Nortorf geht eine Ära zu Ende

von Christian Wolf

Eine alte Schwarz-weiß-Fotografie zeigt mehrere Männer an Maschinen in der Werkstatt © Lutz Bertram Fotograf: Lutz Bertram Detailansicht des Bildes Fast 40 Jahre wurden bei Teldec in Nortorf Schallplatten gepresst. Es ist groß, besteht aus rotem Backstein und im Inneren "riecht" es nach Musikgeschichte: Noch steht das Gebäude im schleswig-holsteinischen Nortorf auf dem ehemaligen Teldec-Gelände. Hier wurden seit 1948 mehr als 850 Millionen Schallplatten produziert - und auch Künstler aus der Musikbranche kamen vorbei. Damit ist aber Schluss. Jetzt wird ein Großteil des Areals abgerissen. Am Montag bekamen die neuen Eigentümer, die May Gruppe aus Itzehoe, den Schlüssel überreicht. Sie wollen dort ein Einkaufszentrum bauen.

Mittlerweile sind die Räume leer, doch für Heinz Borchardt sind die Geschichten, die sich hier abgespielt haben, noch immer allgegenwärtig. Der 89-Jährige hat sein halbes Leben für Teldec gearbeitet. Als junger Ingenieur kam er zu dem Unternehmen. "Meine erste Aufgabe war es, die Schellack-Fabrik aufzubauen", erinnert sich Borchardt.

"Wir waren wie eine Familie"

Die Schallplatten zur damaligen Zeit bestanden noch aus Schellack - eine harzige Substanz, die aus Gummilack gewonnen wird. Allerdings kamen Anfang der 1950er-Jahre schon die ersten Singles auf dem Markt. "Das ging dann alles ganz schnell. Die letzte Schellackplatte haben wird 1959 gepresst, danach nur noch Singles und LPs", erzählt Borchardt. In seiner beruflichen Laufbahn arbeitete er sich bis zum technischen Leiter der Fabrik hoch - und schwärmt von seiner Zeit bei Teldec: "Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, in der Firma zu arbeiten - nicht nur für mich, sondern für alle. Wir waren wie eine Familie und haben uns wohlgefühlt."

Große Stars geben sich in Nortorf die Klinke in die Hand

Heinz Borchardt vor dem Eingangsbereich eines Gebäudes © NDR Fotograf: Christian Wolf Detailansicht des Bildes Ein Mann der ersten Stunde bei Teldec: Heinz Borchardt. Während der Blütezeit von Teldec ließen viele große Stars der deutschen Musikbranche ihre Schallplaten in Nortorf pressen. Aber nicht nur das: "Sie kamen auch häufig vorbei, um sich die erste gepresste Serie anzuhören", betont Borchardt. So wie Peter Maffay, Udo Lindenberg, Mike Krüger, Lys Assia oder auch Caterina Valente. So hat etwa Mike Krüger bei Teldec die 750-millionste Platte gepresst. Neben der Schallplatten-Produktion entwickelten Experten in Nortorf aber auch neue Techniken - unter anderem die DMM-Technologie. "Das war die Krönung der Entwicklung", erzählt Borchardt. "Dieses Verfahren wird heute noch weltweit zur Herstellung von Schallplatten genutzt."

Übernahme durch Time Warner

Aber es gab nicht nur gute Jahre. 1987 wurde Teldec an Time Warner verkauft. Statt auf Schallplatten setzte der US-Konzern auf ein neues Medium - die LaserDisc (LD). "Nach den Plänen von Warner sollte Nortorf der Produktionsstandort für ganz Europa werden", erinnert sich der damalige technische Leiter von Teldec, Detlef Ermacora. "Leider ist die LaserDisc nicht so angekommen, wie man sich das gewünscht hatte. Das war damals einfach der Anfang vom Ende."

Das Aus für Teldec

Eine alte Schwarz-weiß-Luftaufnahme des Werksgeländes © Lutz Bertram Fotograf: Lutz Bertram Detailansicht des Bildes 1987 übernahm der amerikanische Medienkonzern Time Warner die Teldec Schallplatten GmbH. Time Warner modernisierte das Presswerk und stellte neben Kassetten auch noch CDs her. Doch dann ging alles ganz schnell. 1997 entschied der amerikanische Mutterkonzern, das Werk zu schließen. Die damalige Geschäftsleitung, zu der auch Ermacora gehörte, wollte das nicht zulassen und kaufte Teldec von Time Warner. Daraus entstand dann die OK Media Disc Service GmbH. "Wir haben versucht, etwas Eigenes aufzubauen. Immerhin waren die Anlagen ja auf dem neuesten Stand. Aber es war eine völlig neue Situation für uns - zum Beispiel eigene Kunden zu bekommen", sagt Ermacora. Zum Schluss wurden in Nortorf nur noch DVD- und CD-Hüllen gedruckt. Der Standort diente außerdem als Lager. Allerdings war der Komplex dafür ungeeignet. Weil die Gebäude mehrere Stockwerke und keine hohen Decken und gerade Wege hatten, musste die Firma schließlich verkauft werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 03.06.2013 | 20:00 Uhr

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