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Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

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Kieler Nazi-Laden im Fokus der Behörden

Ein unscheinbarer An- und Verkaufsladen, mitten im Kieler Stadtteil Gaarden: Nach Recherchen von NDR 1 Welle Nord und dem Schleswig-Holstein Magazin sind die Betreiber bekannte Neonazis, die zum Teil gute Kontakte in die Rockerszene haben und auch international vernetzt sind. Im Internet wirbt der Laden mit sogenannten Polenschlüsseln - Werkzeuge, die legal zu kaufen sind, tatsächlich aber zu Einbruchszwecken genutzt werden. Hinter der Ladentheke ziehen vier Neonazis die Strippen: Peter Borchert, Lars B., Alexander H. und Karsten M. Sie sind gewaltbereit, rechtsextrem und sehr gefährlich - das bestätigt der schleswig-holsteinische Verfassungsschutz.

Rechtsextremer Rocker steht hinter der Ladentheke

Verkäufer in Kiel ist Alexander H., ein bekannter Rechtsextremer aus Neumünster und ehemaliges Mitglied der verbotenen Rockergruppe "Bandidos Neumünster". Er war mehrfach wegen Taten mit rechtsextremistischem Hintergrund angeklagt - unter anderem produzierte er eine verbotene CD mit volksverhetzenden Liedern. Des Weiteren hatte H. Tonmitschnitte von Politikern und Polizeibeamten mit rechtsextremen Kommentaren versehen und im Internet veröffentlicht. Dafür wurde er im November 2012 zu 13 Monaten Haft verurteilt. In Kürze muss H. seine Haftstrafe antreten.

Verbindungen nach Skandinavien

Zu dem Laden gehört außerdem der Neonazi Lars B., der bereits mehrfach wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht stand. Der gebürtige Ostholsteiner gilt unter Experten als einer der führenden Köpfe der verbotenen Rechtsgruppierung "Blood & Honour". Das ist ein internationales Netzwerk, in dem auch illegale rechtsextreme Musik gehandelt wird. Gute Verbindungen hat Lars B. offenbar nach Skandinavien - das zeigen Unterlagen, die NDR 1 Welle Nord und dem Schleswig-Holstein Magazin vorliegen. Demnach hat sich der gebürtige Ostholsteiner in Dänemark zusammen mit Flemming Muff C. eine Wohnung geteilt. C. gilt als "Blood & Honour"-Chef in Skandinavien. Er war 2009 an Deutschland ausgeliefert worden, weil ihm der Handel mit rechtsextremen CDs vorgeworfen wurde.

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Sichergestellte Waffen und ein Schild der kriminellen Neonazi-Gruppe "Combat 18" liegen im schleswig-holsteinischen Landeskriminalamt in Kiel. © dpa - Fotoreport Fotograf: Horst Pfeiffer
 

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Ex-Chef der NDP in Schleswig-Holstein ist offenbar auch beteiligt

Auf dem Briefkasten des Ladens in Kiel steht außerdem der Name Peter Borchert. Er war von 2001 bis 2003 Vorsitzender der NPD in Schleswig-Holstein. Der 1974 geborene Borchert saß bereits mehr als zehn Jahre im Gefängnis, unter anderem wegen schwerer Körperverletzung. Außerdem war er Teil der inzwischen verbotenen rechtsextremen Gruppierung "Combat 18 Pinneberg". Sie galt als gewaltbereite Unterstützergruppe des internationalen Netzwerks "Blood & Honour". Borchert sitzt zurzeit im Gefängnis. Er wird voraussichtlich im Laufe des Jahres aus der Haft entlassen.

Verfassungsschutz und Landeskriminalamt sind alarmiert

Dieter Büddefeld © picture alliance Fotograf: Nestor Bachmann Detailansicht des Bildes Verfassungsschutzpräsident Büddefeld äußert sich besorgt über das Geschäft in Kiel. Der Präsident des Verfassungsschutzes in Schleswig-Holstein, Dieter Büddefeld, bestätigte NDR 1 Welle Nord und dem Schleswig-Holstein Magazin, dass die Behörde die Eröffnung des Ladens registriert hat. Sorge bereitet den Verfassungsschützern demnach vor allem die Verbindung aus bekannten Rechtsextremen und gewaltbereiten Rockern. Der Rechtsextremismus-Experte Professor Hajo Funke befürchtet, dass der Zusammenschluss in Kiel-Gaarden möglicherweise zu einer neuen Qualität des Rechtsterrorismus führen könnte. Auch das Landeskriminalamt hat den Laden im Blick. In einem Schreiben heißt es: "Machtdemonstrationen werden durch die Polizei konsequent unterbunden."

Laden mit Farbe beworfen

Nach ersten Zeitungsberichten über den Laden hatte es in der vergangenen Woche einen Farbbeutel-Anschlag auf das Geschäft gegeben. Darauf haben die Betreiber jetzt offenbar reagiert und diverse Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Zu einer Stellungnahme waren die Betreiber auf Nachfrage nicht bereit.

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Grafik norddeutscher Länder. © NDR
 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.01.2013 | 17:00 Uhr

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Tätowierung auf dem Hinterkopf eines Neonazis auf einer Kundgebung in Bad Nenndorf. © dpa Fotograf: Peter Steffen
 
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