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Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

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Aus für Großdruckerei Prinovis: Und nun?

Mitarbeiter tragen einen symbolischen Sarg © dpa - Bildfunk Fotograf: Christian Charisius Detailansicht des Bildes Die Beschäftigten von Prinovis tragen ihre Jobs zu Grabe. 2014 macht die Großdruckerei dicht. So einfach wollen Betriebsrat und Gewerkschaft den Prinovis-Konzern nicht davon kommen lassen: Nachdem das Aus für die Großdruckerei am Standort Itzehoe besiegelt ist, beginnt nun der Kampf um einen umfangreichen Sozialplan für die Mitarbeiter. 750 Beschäftigte und rund 250 Leiharbeiter stehen mit ihren Familien vor einer ungewissen Zukunft. Bis Ende dieses Jahres gilt eine Beschäftigungsgarantie, im Sommer 2014 macht die Traditionsdruckerei in Itzehoe im Kreis Steinburg dicht. Ver.di-Sprecher Martin Dieckmann kündigte harte Verhandlungen mit der Prinovis-Geschäftsführung an, um ihr möglichst viele Zugeständnisse abzuringen - vor allem hohe Abfindungen und Geld für eine Transfergesellschaft. Geht es nach ver.di, soll Mehrheitseigner Bertelsmann soziale Verantwortung übernehmen. Es müsse auch in der Infrastruktur in der Region etwas passieren, und genau da sei Bertelsmann gefragt. Dem Medien-Giganten gehören knapp 75 Prozent der Unternehmens-Anteile, der Rest liegt bei der Axel Springer-AG.

Minister Meyer kündigt Hilfe für die Beschäftigten an

Reinhard Meyer im Portrait © Staatskanzlei Fotograf: Fotostudio Berger Detailansicht des Bildes Hat seine Unterstützung angekündigt: Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) hat sich eingeschaltet. Er will sich dafür stark machen, dass nach der Werksschließung möglichst viele Beschäftigte im Raum Itzehoe bleiben können. "Ich stehe bereit, gemeinsam mit dem Unternehmen und der Gewerkschaft den Standort so zu begleiten, dass so wenige Arbeitsplätze wie möglich in der Region verloren gehen", sagte Meyer. Wie das klappen kann, will der Minister so schnell wie möglich ausloten.

Auch Itzehoes Bürgermeister Andreas Koeppen (SPD) setzt sich für die rund 1.000 Mitarbeiter ein: "Jetzt muss es darum gehen, dass die Beschäftigten untergebracht oder andere gute Lösungen gefunden werden." Die Stadt werde versuchen, mit allen, die Einfluss haben, an einen Tisch zu kommen, so Koeppen. Betriebsratsmitglied Jens Kitzmann befürchtet, dass das Aus für Prinovis in Itzehoe die ganze Region schwer treffen wird wird: "Hier ist doch sonst nichts mehr."

Konzern will pro Jahr 20 Millionen Euro einsparen

Die Konzernführung hatte die Mitarbeiter am Mittwoch in einer turbulenten Versammlung über das Aus für den Standort Itzehoe informiert. Vorstandschef Bertram Stausberg sagte zur Begründung, das Werk sei zu schlecht ausgelastet und fahre deshalb zu hohe Verluste ein. "Die Druckerei in Itzehoe ist nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben", sagte Stausberg. Durch die Schließung könne Prinovis dauerhaft rund 20 Millionen Euro einsparen.

Mitarbeiter wütend und enttäuscht

Seine Rede auf der Versammlung konnte Stausberg nicht zu Ende bringen - immer wieder wurde er von Mitarbeitern unterbrochen, die ihrem Ärger mit Buh-Rufen und Trillerpfeifen lautstark Luft machten. "Wir wurden verarscht. Erst gab es noch Gespräche, dann hat die Belegschaft für eine Beschäftigungsgarantie bis 2015 auf Lohn, Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld verzichtet - und jetzt das!", schimpfte Betriebsratmitglied Heiko Witt. Zusammen mit der Gewerkschaft ver.di hatte der Betriebsrat seit September vergangenen Jahres mit der Prinovis-Geschäftsleitung verhandelt. Doch alle Versuche, Alternativen zu einer Werksschließung in Itzehoe zu finden, scheiterten.

Dabei sei der Betriebsrat anfangs noch "frohen Mutes" in die Gespräche gegangen, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende am Standort Itzehoe, Torben Mey. Der Verlauf der Verhandlungen war aber nach seinen Worten "ein Schlag ins Gesicht". Mey wirft Prinovis vor, an Alternativen zum Aus in Itzehoe gar nicht wirklich interessiert gewesen zu sein.

Zahlen und Daten zu Prinovis

- Prinovis gilt als der größte Tiefdruckkonzern in Europa

- Gegründet 2005 als Joint Venture der Medienkonzerne Gruner + Jahr, der Axel Springer AG und arvato (Bertelsmann)

- Im November 2011 übernimmt Bertelsmann die G + J-Anteile und hält nun 74,9 Prozent an Prinovis, die restlichen 25,1 Prozent liegen bei der Axel Springer AG

- Nach Firmenangaben rund 3.800 Mitarbeiter in Deutschland, Großbritannien und Frankreich

- Produktionsstandorte in Itzehoe, Ahrensburg, Dresden, Nürnberg und Liverpool sowie Büros in Paris und London

- Die Unternehmenszentrale hat ihren Sitz seit 2011 in Hamburg

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.02.2013 | 17:00 Uhr

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Firmenschild von Prinovis am Eingang zum Werksgelände © dpa - Bildfunk Fotograf: Carsten Rehder
 

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