Verkehrsmeldungen aus Schleswig-Holstein
Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage mehr
Camp-Mitglied Michael kommt sein paar Tagen wieder regelmäßig ins "Occupy"-Lager.
Schnee bedeckt am Freitag die Zelte der Protestler gegen die Finanzwelt vor der Kieler Sparkasse am Kleinen Kiel - direkt in Sichtweite der HSH Nordbank. Ob hier noch jemand wohnt? Die ersten Bewohner des "Occupy"-Camp sind erst gegen Nachmittag zu sehen. Michael macht sich erst einmal an den Abwasch. "Chaosmanagement" nennt der 51-Jährige das. Das Wasser hat er über einer Feuertonne erhitzt. Er kommt seit ein paar Tagen wieder regelmäßig ins Camp. Ihn locken nicht so sehr die politischen Diskussionen, eher sind es die Begegnungen mit Menschen. "Man kommt leicht ins Gespräch", sagt er und taucht einen weiteren Teller in die Wasserschüssel.
Immobiliengutachter Sebastian kümmert sich ums Feuerholz. Viele Menschen haben gespendet, doch langsam gehen die Holzvorräte zur Neige. "Wir wollen definitiv weitermachen", sagt der 33-Jährige, "aber erst mal müssen wir den Winter überstehen." Dauerhaft campt gerade keiner mehr am Kleinen Kiel. "Das geht zu sehr an die Substanz", sagt Sebastian. Doch eine Nachtschicht von mindestens zwei Leuten ist immer da - um das Camp zu bewachen. Im Laufe des Tages versammelt man sich dann, um über Wirtschaft und Finanzen zu diskutieren, oder man trinkt Kaffee miteinander, schreibt Twitter-Meldungen vom gemeinsamen Account oder liest Bücher. Die wurden gespendet und stehen im Inneren des großen Zeltes in einem Regal.
Laut "Occupy"-Mitglied Sebastian (r.) gibt es immer wieder interessante Debatten mit Bank-Angestellten.
Während unseres Gesprächs kommt ein 15-Jähriger im Anzug ins Camp, er hat eine Kamera dabei. Der junge Mann heißt Niklas und hatte am Freitag seinen letzten Tag als Praktikant bei der Sparkasse. Deshalb will er Erinnerungsfotos machen. Das Camp gehört für ihn schon zum Alltag. "Occupy"-Mitglied Sebastian berichtet, dass schon mehrere Banker ins Camp gekommen seien. Man habe diskutiert, und die Sparkassenmitarbeiter hätten auch Verständnis geäußert, sagt er. Das Camp wolle Lösungsansätze erarbeiten, man habe gute Diskussionen geführt. Nach und nach kommen mehr Menschen ins große Zelt, nehmen sich einen Kaffee und machen es sich auf den gemütlichen Sofas bequem. Draußen treten die Kieler Bürger gerade den Weg in den Feierabend an.