Verkehrsmeldungen aus Schleswig-Holstein
Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage mehr
Ungewöhnliches Bild auf dem Sportplatz am Hasenberg in Lauenburg: Statt schwitzender Sportler parken auf der Tartanbahn mehrere schwarze Wagen mit abgedunkelten Scheiben. In einem dieser Autos sitzt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und wartet auf Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin hatte angesichts der Hochwasserlage angekündigt, die überflutete Altstadt von Lauenburg zu besuchen.
Per Hubschrauber nach Lauenburg: Bundeskanzlerin Angela Merkel landet auf dem Sportplatz am Hasenberg.
Es ist kurz vor 13 Uhr - die Stimmung ist ruhig. Es scheint die Sonne, Vögel zwitschern in der Luft, eine leichte Brise weht über den grünen Rasen des Sportplatzes. Erst ein laut-rotierendes Geräusch durchbricht die fast idyllische Atmosphäre. Der Hubschrauber setzt zur Landung an - und dann geht alles ganz schnell: In beigem Jackett und festen Wanderschuhen steigt Merkel aus, wird von Albig empfangen und verschwindet wenige Minuten später hinter den abgedunkelten Scheiben einer Limousine. Der Konvoi macht sich auf zur Hafenstraße, wo sich die Kanzlerin ein Bild von der Lage machen will.
Vor Ort am Elbufer spricht die CDU-Politikerin mit Helfern von Feuerwehr und THW, schüttelt Hände und informiert sich über die Arbeiten. Hier, wo sich Elbstraße und Hafenstraße treffen, kämpfen die meist freiwilligen Einsatzkräfte noch gegen das Wasser. Da der Pegel von 9,63 Metern seit Dienstagabend nicht angestiegen ist, laufen die Hochleistungspumpen ohne Unterbrechung. Umringt von Ministerpräsident Albig, Innenminister Andreas Breitner (SPD) und dem Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg, Gerd Krämer (parteilos), lässt sich die Kanzlerin die Lage erklären.
Hier äußert sie sich zum ersten Mal offiziell: Sie habe große Hochachtung vor der Leistung der Helfer, sagt Merkel sichtbar beeindruckt. Schließlich bedankte sie sich ihnen für den Einsatz. Kurz darauf kündigt sie an, Bund und Länder würden sich die Kosten der Hochwasserschäden teilen. Die Kommunen müssten sich keine Gedanken darüber machen, dass etwa für den Einsatz der Bundeswehr eine kräftige Rechnung drohe, bekräftigte Merkel. Und plötzlich verschwindet die Kanzlerin so schnell wie sie gekommen ist. In diesen Tagen ist ihr Zeitplan sehr eng gestrickt - und die Bewohner im niedersächsischen Hitzacker warten.
Jörg Sönksen wohnt direkt an der Elbe - und schöpft aus dem Merkel-Besuch zuversicht.
Boris Krohn ist einer der wenigen Betroffenen, die sich auf dem Weg in die Hafenstraße gemacht haben. Während die Kanzlerin spricht, blickt er nervös auf das Wasser, das knapp 30 Zentimeter hoch in der Elbstraße steht. Man sieht dem Lauenburger an, dass ihm die vergangenen Tage zugesetzt haben. "Ich weiß nicht, wann ich wieder in mein Haus gelassen werde. Wir sind ja die ganze Zeit auf Abruf, an allen unseren Häusern hängen unsere Nummern", sorgt sich Krohn um sein Hab und Gut. Der Krisenstab hatte die Bewohner vor der Evakuierung gebeten, ihre Kontaktdaten gut sichtbar an ihre Fenster zu kleben, damit Statiker sie im Notfall kontaktieren können.
Krohn kann das aber nicht beruhigen. "Wir bangen und hoffen jetzt einfach, dass wir am Wochenende reingelassen werden. Aber wie es aussieht, wird es noch ein paar Tage auf diesem Höchststand bleiben", meint er. Jörg Söhnksen, der wie Krohn in der Elbstraße wohnt und im Vorsitz der Nachbarschaftshilfe Lauenburgs tätig ist, schöpft aus Merkels Besuch Zuversicht. Er hofft, dass sich die Anrainerländer und Bund zusammensetzen, um in Sachen Hochwasserschutz konkret tätig zu werden.