Alle Infos zum Hochwasser an der Elbe
Die Flutwelle der Elbe hat ihren Höhepunkt überschritten. Aber die Lage bleibt angespannt. mehr
"Voraus, auf ein Uhr!", ruft Karsten Füllgrapp in den Wind. Aber Bootsführerin Anke Immelmann hat den Ast schon gesehen. Sie steht am Steuer und zieht den Gaspegel runter, um die Geschwindigkeit zu drosseln. "Hab' ich schon gesehen, aber das ist nur ein kleiner", ruft sie zurück, und ihr Kollege nickt. Schon den ganzen Tag sind die ehrenamtlichen Helfer der DLRG auf der Elbe unterwegs und sichern alles, was für die Häuser am Elbufer gefährlich sein könnte. Der Pegel des Flusses ist mittlerweile so hoch angestiegen, dass schon ein dünner Baumstamm Fenster zerschlagen könnte. Die Sonne steht hoch, und das Boot füllt sich nach und nach mit Ästen aller Größen.
Füllgrapp ist der Strömungsretter der Mannschaft. Er ist dafür zuständig, Holzstämme und andere Dinge aus dem Fluss zu ziehen. Die Herausforderung für seine junge Kollegin Immelmann ist es, vorsichtig an das Treibgut heranzufahren und Füllgrapp einen bestmöglichen und vor allem sicheren Zugang zu ermöglichen. "Da muss ich besonders aufpassen, dass wir nicht an die Brückenpfeiler gedrückt werden", sagt Immelmann. Sie muss aber auch darauf achten, nicht zu schnell zu fahren, denn jede Welle, die ihr Boot verursacht, lässt das Wasser höher an die Häuserfront schlagen.
Für die Helfer sind kleine Äste nicht relevant. Sie konzentrieren sich auf die größeren Teile, die Schaden anrichten können - und von denen gibt es viel, und vor allem auch in jeder Dimension: Einen Tag zuvor hat die Einsatztruppe der DLRG einen Baumstamm von knapp vier Tonnen aus dem Wasser gezogen. "Das war ein dicker Brocken", sagt Füllgrapp und lacht. Doch daran wird die Kraft des Flusses deutlich. "Die da", ruft Füllgrapp und zeigt auf die tanzende Spitze einer grünen Boje, die nur noch geschätzte 30 Zentimeter aus der Elbe ragt, "die war heute morgen noch auf der anderen Seite der Brücke." Die Brücke, die Füllgrapp meint, ist 500 Meter von der Boje entfernt. "Da kann man sich mal vorstellen, was für eine Stärke der Strom hat."
Für Immelmann ist kein Tag wie der andere bei diesem besonderen Einsatz. "Da wir meist die Tageseinsätze gefahren sind und nachts nicht im Dienst waren, war es jeden Morgen eine Überraschung, als wir sahen, wie hoch der Pegel wieder gestiegen ist." Die Kollegen auf dem Einsatzboot arbeiten professionell, jedes Manöver sitzt. Für Immelmann ist es eine Selbstverständlichkeit, hier zu sein und ihren Dienst für die Bewohner zu leisten. "Es ist schlimm, was da passiert ist. Es tut mir leid um die Leute, und deswegen bin ich gerne hier und helfe."
Das signalrote Einsatzschlauchboot kämpft sich stromaufwärts, wendet und schießt den Fluss hinunter. Immelmann hat ihr Gefährt aber gut unter Kontrolle. "Tückisch ist, dass es hier viele Wirbel gibt," sagt sie, "da muss man wissen, wie das Boot reagiert." Der Strom bringt aber noch andere Risiken mit sich: Viele der Schilder wurden mitgerissen und liegen nun quer im Flussbett, sehen kann man sie aber nicht. Wenn sie ungünstig darüber fahre, könne der Motor beschädigt werden, und das sei dann auch eine Gefahr für die Besatzung, erklärt die Bootsführerin. "Aber wir können ungefähr abschätzen, wo sie liegen. Es ist natürlich eine Herausforderung, aber wenn man geübt ist, dann ist das kein Problem", sagt sie. Und wenn doch was passiert? "Dann Mann-über-Bord-Manöver. Dafür sind wir ausgebildet", sagt Immelmann und grinst.