Verkehrsmeldungen aus Schleswig-Holstein
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Von dem Schiff "Beluga 2" aus versenken Umweltschützer am Sylter Außenriff Steine.
Das umstrittene Versenken großer Steine von Greenpeace in der Nordsee vor Sylt stößt auf immer mehr Kritik. Das schleswig-holsteinische Landesfischereiministerium monierte die Aktion am Dienstag vor dem Sylter Außenriff. "Aus unserer Sicht ist das ein klarer Rechtsverstoß", sagte Sprecher Christian Seyfert. Staatssekretär Ernst-Wilhelm Rabius sei daher mit der Bitte an den zuständigen Bundesverkehrminister Peter Ramsauer (CSU) herangetreten, kurzfristig gegen die Aktion tätig zu werden.
In den frühen Morgenstunden hatten die Umweltschützer erneut Felsbrocken vor Sylt ins Meer gekippt. Damit sollen die Fischerei mit Schleppnetzen und der Sand- und Kiesabbau am Meeresgrund behindert werden. Bereits im August 2008 hatte Greenpeace im Bereich des "Sylter Außenriffs" mehr als 300 Felsbrocken versenkt. Das Gebiet ist ein ausgewiesenes Schutzgebiet, in dem laut Greenpeace noch immer Fischerei mit Grundschleppnetzen erlaubt ist.
Greenpeace will in dem Schutzgebiet Fischerei mit Schleppnetzen verhindern.
Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) findet die Motive der Naturschützer zwar in Ordnung, aber nicht die Mittel. Die eigenmächtige Versenkung von tonnenschweren Felsblöcken sei ebenso wenig akzeptabel wie Fischtrawler, die legal mit ihren Schleppnetzen den Boden durchpflügen, meinte Lars Harms. Für den parlamentarischen Geschäftsführer des SSW steht außer Frage, dass in einem Natura 2000-Schutzgebiet jegliche massive menschliche Einwirkung vermieden werden muss.
Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete für Nordfriesland und Dithmarschen Nord, Ingbert Liebing, verurteilt die Aktion der Naturschützer scharf. Es könne in unserem Rechtsstaat nicht angehen, seine Interessen quasi durch Selbstjustiz durchzusetzen, meinte er zur NDR 1 Welle Nord.
Am Nachmittag stoppten Beamte der Bundespolizei das Vorgehen der Umweltschützer. Laut Greenpeace diente den Beamten als Grundlage für den Einsatz eine Untersagungserklärung von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord aus dem Jahr 2008. Damals hatte die WSD die Aktion untersagt. Ihrer Ansicht nach hatte Greenpeace gegen das Verbot verstoßen, Gegenstände in die Hohe See einzubringen. Sie befürchtete unter anderem, dass Fischerboote kentern könnten, wenn ihre Netze in den Steinen hängen bleiben.
Die Umweltschützer reichten daraufhin eine Klage beim Verwaltungsgericht in Schleswig ein. Die Richter gaben Greenpeace Recht, da die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung für die Gefahrenabwehr auf Hoher See nicht zuständig sei. In der vergangenen Woche hat das Bundesverwaltungsgericht dieses Urteil jedoch aufgehoben und an das Verwaltungsgericht verwiesen. Dieses muss nun prüfen, ob für die Fischerei tatsächlich Gefahren durch die Steine entstehen.
Mit ihrer Aktion kritisieren die Umweltschützer auch die Bundesregierung. Sie sei dafür verantwortlich, diese Naturschutzgebiete zu schützen, sagte Greenpeace-Sprecherin Iris Menn der NDR 1 Welle Nord.
Lorenz Marckwardt vom Landesfischereiverband Schleswig-Holstein bewertet die Greenpeace-Aktion als "große Sauerei". Es sei bereits 2008 eine illegale Aktion gewesen, und das sei es nun wieder. "Greenpeace gefährdet Schiff und Besatzung, indem das Netz am Grund verhakt." Das Schiff könne kentern. "Ein Ding der Unmöglichkeit", sagte Marckwardt.
2008 haben die Umweltschützer 320 Felsen am Sylter Außenriff versenkt. Die Umweltschützer betonen, dass die Naturfelsen mittlerweile mit zahlreichen Meeresorganismen bewachsen und in das natürliche Riff vor Sylt integriert sind. Taucher der unabhängigen Umweltschutzorganisation untersuchen demnach regelmäßig die Flora und Fauna auf den versenkten Felsbrocken und die umliegende Bodenfauna.