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Voller Saal in Norderstedt: Knapp 200 Wettanbieter aus dem In- und Ausland bei einem Kongress im Kreis Steinburg.
Der Alleingang der schleswig-holsteinischen Landesregierung beim Glücksspiel-Staatsvertrag scheint sich auszuzahlen. Auf einem Kongress in Norderstedt im Kreis Segeberg haben sich am Montag knapp 200 Vertreter von Wettanbietern aus ganz Europa über den Kieler Sonderweg informiert. Rechtsexperten aus dem In- und Ausland sowie ein Referent des Kieler Innenministeriums informierten unter anderem über die einzelnen Schritte der Antragstellung und welche technische Verfahren das Ministerium vorschreibt, die die Wettanbieter erfüllen müssen. Aber auch Themen wie Datenschutz, Werbung und steuerliche Regelungen wurden vorgestellt.
Experten informieren auf der Konferenz unter anderem über die einzelnen Schritte der Antragstellung.
"Schleswig-Holstein hat als einziges Bundesland verstanden, dass es schlauer ist, den Glücksspielmarkt zu öffnen und so zu kontrollieren und zu besteuern. Verbieten funktioniert nicht, daran glaube ich nicht", sagte Emil Sunvisson von der schwedischen Online-Glücksspielfirma "Cherry" dem Schleswig-Holstein Magazin. Ein anderer Teilnehmer meinte, es herrsche so etwas wie Goldgräberstimmung. Jeder Wettanbieter wolle ein Stück des Kuchens haben. Schließlich sei das Gesetz hier bundesweit einzigartig.
Bislang haben etwa 80 Glücksspielanbieter Anfragen an das Ministerium gestellt. Allerdings sind förmliche Lizenzanträge noch nicht möglich. Denn die notwendigen Verordnungen für das seit Januar geltende neue Gesetz liegen noch nicht vor, wie ein Ministeriumssprecher erläuterte. Im März 2012 sollen die ersten Lizenzen vergeben werden. Erst dann könnten Anbieter den Spielbetrieb aufnehmen.
Im September hatte der Landtag in Kiel im bundesweiten Alleingang beschlossen, das Glücksspiel zu liberalisieren. Das Gesetz ist seit Jahresbeginn in Kraft. Damit können jetzt auch an private Anbieter Lizenzen für Sportwetten, Online-Poker oder auch Casinospiele vergeben werden. Dagegen wollen die anderen Bundesländer nur eine begrenzte Öffnung des Glücksspielmarktes zulassen - Online-Pokern soll weiterhin verboten bleiben. Die Vereinbarung der 15 Landesregierungschefs sieht die Vergabe von höchstens 20 Lizenzen für Sportwettenanbieter sowie eine Steuer auf den Umsatz von fünf Prozent vor.
Befürworter des neuen Glücksspielgesetzes wie der schleswig-holsteinische CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp fühlen sich von dem Andrang der Interessierten bestätigt. Er rechne mit Hunderten von neuen Arbeitsplätzen. Die schwarz-gelbe Landesregierung verspricht sich davon beträchtliche Mehreinnahmen für die klamme Landeskasse von bis zu 60 Millionen Euro jährlich. Kritiker befürchten dagegen, dass in einem liberalen Glücksspielmarkt vor allem die Zahl der Spielsüchtigen zunimmt.