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Nicht weit vom geplanten Tunneleingang entfernt liegt der beliebte Ferienort Puttgarden auf Fehmarn.
Der Fehmarnbelttunnel soll Deutschland und Skandinavien einander näher bringen. Der Baubeginn für das Mammutprojekt ist für 2015 geplant, Ende 2021 möchte man den 18 Kilometer langen Tunnel eröffnen. Doch die Tourismusbranche in der Ferienregion Ostholstein befürchtet deftige Einbußen durch Bau und Betrieb der Querung. Im sogenannten Dialogforum wollten sich am Donnerstag Betroffene und Verantwortliche ihre Argumente austauschen.
Ingeborg Kokernak verspricht Inselurlaubern zahlreiche Sonnenstunden, einen Naturstrand und landschaftliche Reize. Sie weiß, was ihre Gäste in den zwei Ferienwohnungen in der Alten Schule des Fehmeraner Örtchens Puttgarden suchen: "Die meisten kommen gerade wegen dieser Ruhe hier nach Fehmarn. Und die wäre hin." Denn die Ferienwohnungen liegen keinen Kilometer vom geplanten Tunneleingang entfernt. Die Baustelle, so fürchtet die Vermieterin, könnte Gäste verschrecken - durch Lärm, Luftverschmutzung und Verkehrschaos: "Das wird Staus geben ohne Ende. Denn der normale Verkehr Richtung Dänemark läuft ja weiter."
Tourismusverbandschef Volker Owerien kritisiert den geplanten Ausbau der bestehenden Bahnanbindung durch die Ostseebäder.
Nach Eröffnung des Tunnels könnte es für die Ferienregion dann schwierig werden, das Image der Großbaustelle wieder loszuwerden. "Wenn man die Konkurrenzsituation im touristischen Wettbewerb sieht, dann besteht die ganz große Gefahr, dass Gäste, die einmal verloren gegangen sind, so schnell nicht wiederzuholen sind. Das wäre schon ein langfristiges Problem", sagt Volker Owerien, der Vorstandschef des Ostsee-Holstein-Tourismus.
Die Betroffenen fordern deshalb unter anderem ein effektives Baustellenmanagement, etwa Arbeiten außerhalb der Hochsaison.
Der Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark soll der wirtschaftlichen Zusammenarbeit nutzen.
Doch Probleme drohen nicht nur Fehmarn, sondern auch den Ostseebädern an der Lübecker Bucht. Urlaubsorte wie Timmendorfer Strand oder Scharbeutz fürchten vor allem die Lärmbelastung einer ausgebauten Bahntrasse. Fast 80 Güterzüge sollen täglich auf der Strecke rollen.
Wo genau, das wird in dem gerade angelaufenen Raumordungsverfahren festgelegt. Die Deutsche Bahn würde am liebsten die bestehende Trasse ausbauen. Die schlechteste Lösung in den Augen Oweriens, der auch Bürgermeister von Scharbeutz ist: "Wenn die Bestandstrasse so ausgebaut wird wie im Moment geplant, dann wird es im Fazit so aussehen, dass wir mehr Gäste verlieren als wir neue Gäste generieren können."
Volker Riechey befürchtet Einbußen für seinen Campingplatz am Wulfener Hals auf Fehmarn.
Oweriens düstere Prognose: Um bis zu 20 Prozent könnten die Tourismusumsätze in der Lübecker Bucht sinken - um 40 Millionen Euro pro Jahr also. Zusätzliche skandinavische Übernachtungsgäste erwartet man in Ostholstein kaum, allenfalls mehr Tagesbesucher.
Das glaubt etwa Volker Riechey, Betreiber des größten Campingplatzes auf Fehmarn. Viele Skandinavier würden auch weiterhin nur als Transitreisende durch die Region fahren: "Wenn sie hier rübergefahren sind, wollen sie in der Regel auch etwas weiter südlich fahren und bleiben dann nicht auf der Insel. Also für Fehmarn direkt wird das wahrscheinlich eher keine positiven Effekte haben."
Ostholsteins Landrat Reinhard Sager plädiert für mehr Regionalentwicklung.
Mit verstärktem Marketing will man dennoch um Skandinavier werben. Das allein werde aber nicht genügen, so Riechey: "Es reicht nicht, die Sache schönzureden. Man muss auch zusätzliche Angebote hier schaffen. Das bedeutet, man muss Geld in die Hand nehmen. Wenn hier Einkommensnachteile entstehen, was zu erwarten ist, muss man so viel Infrastrukturförderung hineingeben, dass diese Nachteile wieder ausgeglichen werden."
Der Kreis Ostholstein will diese Forderung unterstützen, betont Landrat Reinhard Sager: "Mein Credo ist: Wenn wir nichts tun in Ostholstein regionalplanerisch und in der Kreisentwicklung, dann werden wir auch garantiert nicht profitieren von der Beltquerung. Wenn wir uns aber anstrengen, uns Mühe geben, intelligent sind, dann werden wir auch den Nutzen daraus mit generieren können." Die Kieler Landesregierung soll dabei helfen. Keine einfache Aufgabe in Zeiten klammer Kassen.