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Kritik nach Datenpanne: Weichert sieht ein "organisatorisches Chaos".
Vor- und Nachnamen, Geburtsdaten, medizinische Befunde, Klinikbriefe, psychologische Dokumentationen - tausende hoch sensible Daten psychisch erkrankter Menschen sind monatelang frei im Internet zugänglich gewesen. Ursache war laut Schleswig-Holsteins Datenschützer Thilo Weichert ein "organisatorisches Chaos" der beteiligten Firmen und Einrichtungen. Das sei das Resümee einer ersten Überprüfung bei der Rebus GmbH in Rendsburg, sagte Weichert am Montag. Das Unternehmen verwaltet die Daten, die bis vor kurzem im Internet einsehbar waren, wenn man gezielt danach suchte.
Die erste Kontrolle des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) hat offenbar große Mängel aufgezeigt. Drei ULD-Mitarbeiter überprüften am Montag die Rebus GmbH. Weichert erklärte anschließend, es sei zu befürchten, dass die Datenlücke schon seit Jahren bestanden habe. "Die vorläufige Bestandsaufnahme ergab, dass fast alle Anforderungen an ein funktionsfähiges Datenschutzmanagement nicht beachtet wurden". Es sei eine spezielle Software eingesetzt worden, deren Sicherheit anscheinend nie ernsthaft hinterfragt wurde, erklärte Weichert. Der Server mit den sensiblen Daten bleibt vorerst abgeschaltet.
Laut Weichert ist es noch zu früh, die Staatsanwaltschaft Kiel über die Ergebnisse der Kontrolle zu informieren. Die Justizbehörde hatte nach Bekanntwerden des bislang größten Daten-Skandals im schleswig-holsteinischen Gesundheitswesen am Freitag einen Prüfvorgang angelegt. Die Behörde steht mit dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in enger Verbindung.
Anke Spoorendonk vom SSW fordert eine Überprüfung der geltenden Richtlinien.
Vertreter fast aller Parteien im Kieler Landtag haben Konsequenzen aus dem Datenleck gefordert. Der Landtag müsse prüfen, "ob es Anlass gibt, Verfahren, Richtlinien und Gesetze zu ändern", erklärte die Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Anke Spoorendonk. Ähnlich äußerten sich CDU, SPD und Grüne. Ingrid Brand-Hückstädt von der FDP appellierte an die Gesundheitsdienstleister, "alles zu tun, um ein derartiges Horrorszenario für Patienten in Zukunft auszuschließen".