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Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

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Stromtrasse soll Anwohnern Geld bringen

Eine Stromtrasse als private Geldanlage - in einem bundesweiten Pilotprojekt können sich Schleswig-Holsteiner an der Finanzierung einer Westküsten-Stromleitung beteiligen. Die Anleihe soll helfen, bei Anwohnern die Akzeptanz für den Bau der neuen Leitung zu verbessern und so die Energiewende voranzubringen. Obwohl der Verlauf der geplanten 380-Kilovolt-Leitung von Niebüll nach Brunsbüttel noch nicht endgültig geklärt ist, fiel am Freitagvormittag in Heide (Kreis Dithmarschen) der offizielle Startschuss für die sogenannte Bürgeranleihe.

Start der Bürgeranleihe Westküstenleitung

Schleswig-Holstein Magazin - 14.06.2013 19:30 Uhr

Schleswig-Holsteiner können sich an der Finanzierung der Westküsten-Stromleitung beteiligen. Die Anleihe soll die Akzeptanz für den Bau der neuen Leitung erhöhen.

Altmaier und Albig loben erste Bürgeranleihe

Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) waren beim feierlichen Auftakt dabei. "Das Projekt hat Modellcharakter für ganz Deutschland", sagte Altmaier. Albig sprach von einem spannenden Projekt. Zentral sei der Ansatz, dass die Bürger durch umfassenden Dialog an der Festlegung der Trasse beteiligt werden, die Notwendigkeit der Stromleitung als Lebensader der Energiewende begreifen und so die Akzeptanz steige. Es gehe nicht darum, Werbung für eine Kapitalanlage zu machen. Dies müsse jeder gründlich prüfen und für sich selbst entscheiden, meinte der Regierungschef.

Mindestbetrag für Anleihe beträgt 1.000 Euro

Hybridanleihen

Hybridanleihen bieten oftmals höhere Zinsen als vergleichbare Rentenpapiere. Sie beinhalten für die höhere Verzinsung aber auch erhebliche Risiken.

Hybridanleihen sind nachrangige Unternehmensanleihen mit Risiken. Bei der Insolvenz eines Unternehmens müssen die Besitzer von Hybridanleihen damit rechnen, ihr Kapital komplett zu verlieren, weil vorrangige Gläubiger zunächst bedient würden.

Außerdem sind Hybridanleihen börsennotiert und können Kursschwankungen unterliegen. Das herausgebende Unternehmen hat das Recht, die Anleihe zurückzukaufen.

Die Zeichnungsfrist der Anleihe geht bis Ende August. Wer sie zeichnen will, muss mindestens 1.000 Euro anlegen. Die Wertpapiere dürfen aber nur Bewohner und Grundstückseigentümer aus Nordfriesland und Dithmarschen kaufen. Denn: Durch die beiden Kreise wird die neue Höchstspannungsleitung führen. In der Planungsphase werden die Anleihen mit drei Prozent verzinst, ab Baubeginn mit fünf Prozent. Wie eine Sprecherin von Tennet erläuterte, sind die Anleger nicht direkt am Unternehmen beteiligt, da es sich um eine sogenannte Hybridanleihe handelt. "Das ist ein in Deutschland einmaliges Projekt. Ich hoffe, dass das Interesse bei den Bürgern aus Nordfriesland und Dithmarschen groß ist. Wenn viele von der Leitung in ihrer Region auch finanziell profitieren, kann das zur Akzeptanz für diese für die Energiewende so wichtige neue Höchstspannungsleitung beitragen", sagte sagte Lex Hartman, Mitglied der Tennet-Geschäftsführung.

Laut Finanzexperten beinhalten Hybridanleihen für die höhere Verzinsung aber auch erhebliche Risiken. Beispielsweise würden die Anleger nachrangig behandelt, wenn das Projekt schiefgehen sollte, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V., Marc Tüngler, NDR 1 Welle Nord. Das heißt, zunächst würden die Ansprüche von Kreditgebern erfüllt und dann die Käufer der Bürgeranleihe.

Höhe der Bürgerbeteiligung gedeckelt

Die Investorengelder sollen ausschließlich für die Westküsten-Leitung verwendet werden. Die Höhe der Bürgerbeteiligung kann demnach etwa 30 Millionen Euro beziehungsweise maximal 15 Prozent des Investitionsbudgets für die Leitung betragen.

Schleswig-Holstein mit seinen windreichen Küstenregionen will bis 2020 etwa acht bis zehn Prozent des deutschen Strombedarfs decken. Nahezu die Hälfte des im Norden erzeugten Windstroms liefert die Westküste.

Masten oder Erdkabel? - Habeck beim Dialogforum

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck blickt in die Kamera © dpa - Bildfunk Fotograf: Carsten Rehder Detailansicht des Bildes Stand am Donnerstagabend in Husum Rede und Antwort: Umweltminister Robert Habeck. In der Region diskutieren Initiativen und Politiker seit Monaten über die geplante 380-Kilovolt-Leitung von Niebüll nach Brunsbüttel. In den vergangenen Monaten haben Bürger bereits bei 15 Veranstaltungen rund 350 Anregungen eingereicht. Am Donnerstagabend sprachen in Husum rund 300 Menschen mit Umweltminister Robert Habeck (Grüne) über die Stromtrasse. Unter anderem forderten sie erneut statt hoher Masten ein Erdkabel. Laut Habeck ist das aber auf der gesamten Strecke nicht möglich. Er betonte, das Ministerium habe die Ideen geprüft. Für die Anforderungen an der Westküste sei die erforderliche Technik aber einfach noch nicht entwickelt. Bis zur abschließenden Westküstenkonferenz im Oktober soll der Korridor für die Leitung feststehen: Bei Bredstedt gibt es derzeit eine Tenzenz zur westlichen Variante, in Dithmarschen zur östlichen. Durch den Bürgerdialog soll das Verfahren um anderthalb Jahre beschleunigt werden.

Das Stromnetz in Deutschland

In Deutschland gibt es vier Betreiber von Höchstspannungsleitungen - den sogenannten Stromautobahnen: Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW. Sie speisen den Großteil des Stroms ein und verteilen ihn über lange Distanzen. Hinzu kommen rund 735 Verteilnetzbetreiber, darunter viele Stadtwerke, die den Strom vor Ort zum Verbraucher bringen.

Das gesamte Stromnetz umfasst laut Bundesnetzagentur derzeit 1,9 Millionen Kilometer. Über die Verteilnetze werden rund 97 Prozent der erneuerbaren Energien eingespeist - sie waren aber bisher nicht dafür ausgelegt, dass überall Wind- und Solarstrom im großen Stil erzeugt wird. Die größte Herausforderung bei der Energiewende ist der Ausbau der Stromautobahnen.

Das Netz in Deutschland im Einzelnen:
Höchstspannung (380 Kilovolt): 34.797 Kilometer
Hochspannung (110 oder 60 Kilovolt): 95.022 Kilometer
Mittelspannung (30 bis 3 Kilovolt): 532.894 Kilometer
Niederspannung (400 oder 230 Volt): 1.241.361 Kilometer

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.06.2013 | 14:00 Uhr

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Portrait von dem Hauptgeschäftsführer des DSW Marc Tüngler © picture alliance / dpa Fotograf: Martin Gerten
 

Experten-Interview zur Bürgeranleihe

Anlage-Experte Marc Tüngler beantwortet Fragen zur Hybrid-Anleihe. mehr

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Stromtrasse als private Geldanlage

14.06.2013 | 15:00 Uhr
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An der Nordseeküste können Bewohner Anleihen zeichnen.

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Die Meinungen zur 380 KV-Überlandleitung sind weiterhin gespalten.

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Informationen der Energieagentur dena zu den Herausforderungen des Ausbaus des Stromnetzes in Deutschland.

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